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Michael Steinbrecher, Martin Porwoll

SENDETERMIN Fr, 29.11.2019 | 22:15 Uhr | SWR Fernsehen

Sendung am 29. November „Der Wahrheit verpflichtet?“

Die SWR Talkshow Gäste bei Michael Steinbrecher

Wir alle haben ein Bedürfnis nach Wahrheit und Ehrlichkeit. Wahrheit bedeutet Wissen, Gewissheit und Gerechtigkeit. – Und trotzdem lügt jeder von uns, häu¬fig sogar mehrmals am Tag. Ist es wirklich immer besser, die Wahrheit zu kennen und sie auszusprechen? Oder kann Wahrheit auch fatale Folgen haben?

Was, wenn man zum Beispiel am Arbeitsplatz einen untragbaren Missstand entdeckt? Wohl jeder würde sagen: Selbstverständlich sollte man die Wahrheit sagen, anstatt das Fehlverhalten zu decken. Doch ist derjenige, der das Vergehen aufdeckt und damit andere vor Schaden bewahrt, tatsächlich der gefeierte Held, dem für seine Ehrlichkeit gedankt wird? – Sogenannte Whistleblower verlieren häufig ihren Job und leben mit existentiellen Konsequenzen. Ein gerechter Preis für die Wahrheit?
Es gibt Menschen, die sich der Wahrheit so sehr verpflichtet fühlen, dass sie trotz aller Widerstände ein Leben lang für sie kämpfen. Zum Beispiel bei einem Unrecht oder einem Verbrechen, das von Polizei und Behörden längst zu den Akten gelegt wurde. Doch sie geben die Suche nach der Wahrheit nicht auf.
Ein Geheimnis kann etwas Schönes sein, wenn in gegenseitigem Vertrauen etwas Wichtiges gut und sicher aufgehoben ist. Doch was, wenn das Geheimnis belastend, gefährlich oder gar verboten ist? Nicht selten tragen Menschen, die etwas Traumatisches erlebt haben oder Opfer wurden, eine eingeimpfte Gewissheit in sich: „Darüber darf ich niemals sprechen. Nie darf ich die Wahrheit sagen.“ Besonders Familiengeheimnisse haben oft diese moralische Ebene: Egal wie dunkel das Geheimnis, nach außen soll die glänzende Fassade gewahrt werden. In diesem Konstrukt aus Blutsbande und Pflichtgefühl fällt es schwer, den Kreislauf von Lügen zu durchbrechen. Doch die Wahrheit ans Licht zu bringen, kann ein Befreiungsschlag sein.
Bei aller Liebe für die Wahrheit lassen wir Menschen uns aber auch immer wieder von Lügen und Unwahrheiten umgarnen. Seien es falsche Fakten oder gutgemeinte Notlügen, die wie nur allzu gerne glauben wollen. Sind wir also alle leichte Opfer für Lügner, Betrüger und Hochstapler?

Warum haben Menschen ein Bedürfnis nach Wahrheit und Gewissheit? Und zahlt sich die Wahrheit wirklich immer aus?

Die Gäste bei Michael Steinbrecher: 

Martin Porwoll

 Martin Porwoll

Martin Porwoll

Als Martin Porwoll entdeckte, dass sein Chef, ein Apotheker aus Bottrop, Krebsmedikamente streckte, um damit mehr Geld zu verdienen, war für ihn schnell klar: dieser Skandal muss gestoppt werden. Doch zunächst musste er unerkannt Beweise sammeln: „Ich führte ein Doppelleben: Gleichzeitig 100% für die Apotheke und 100% dagegen.“ Diese Belastung setzte ihm massiv zu, trotz der Gewissheit, das Richtige zu tun. 

Helge Achenbach

Helge Achenbach

Helge Achenbach

Der Kunstberater Helge Achenbach war einer der ganz Großen im deutschen Kunstbetrieb, auf Augenhöhe mit den Reichen und Mächtigen. Doch auf das Hoch folgte der tiefe Fall: Wegen Betrugs in Millionenhöhe wurde er 2015 zu einer sechsjährigen Freiheitsstrafe verurteilt: eine Zäsur, die seinen Blick veränderte: „Das Sein in der Kunstwelt ist dominiert von Geld und Gier und Geilheit. Und irgendwo hat mich diese Welt auch verroht.“ 

Sabine Wallefeld

Sabine Wallefel

Sabine Wallefel

65 Jahre lang glaubte Sabine Wallefeld zu wissen, wer ihr Vater war. Doch ein Telefonanruf im Sommer dieses Jahres brachte diese Gewissheit ins Wanken. Denn es kam ein dunkles Familiengeheimnis ans Licht, das sie ihr ganzes bisheriges Leben mit neuen Augen sehen lässt. „Diese Lüge hatte Auswirkungen für alle Beteiligten, auf das ganze Leben und bis nach dem Tod“, sagt Sabine Wallefeld. 

Martin Schmitz

Martin Schmitz

Martin Schmitz

war 10 Jahre alt, als sich ein katholischer Geistlicher an ihm verging. Sich an irgendjemanden aus seinem Umfeld zu wenden – für ihn lange undenkbar: „Was nicht sein darf, kann nicht sein – so war das.“ Mehr als ein Jahr lang war Schmitz dem Missbrauch ausgesetzt, an den Folgen leidet er bis heute. Jahrzehntelang wurden die Taten des Kaplans von der Kirche vertuscht – bis sich Schmitz fast 40 Jahre später an die Öffentlichkeit wandte. 

May-Britt Krüger

May-Britt Krüger

May-Britt Krüger

Als DDR-Bürgerin wuchs May-Britt Krüger mit dem Wissen auf, dass man die Wahrheit nicht immer laut sagen durfte. Als sie 1989, kurz vor dem Ende des Regimes, das Land verlassen wollte, kam sie in Haft. Eine Erfahrung, die sie bis heute prägt. Und noch viele Jahre später zerbrach daran sogar eine Freundschaft. Auch deshalb setzt sich May-Britt Krüger heute für Aufklärung ein: „Es ist wichtig, dass man die Wahrheit am Leben erhält.“

Angelika Kallwass

Angelika Kallwass

Angelika Kallwass

Die Psychologin Angelika Kallwass sagt: „Es gibt ein moralisches Gebot zu Aufrichtigkeit.“ Warum dennoch alle Menschen auch lügen und ob es wirklich immer besser ist, die Wahrheit zu kennen, weiß die Psychotherapeutin ebenso wie die Antwort auf die Frage, welch fatale Folgen es mitunter haben kann, wenn man lange verborgene Wahrheiten offen ausspricht.

 

Sendung vom

Fr, 29.11.2019 | 22:15 Uhr

SWR Fernsehen

Sendezeit

Freitag, 22.00 Uhr

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