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Line Fuks, Günter Holzer, Dr. Christian Hermes, Angelina Schmitt und  Michael Steinbrecher (Moderation) (v.li.)

SENDETERMIN Fr, 25.11.2016 | 22:15 Uhr | SWR Fernsehen

Sendung am 25. November 2016 Im Rausch der Geschenke - was uns an Weihnachten wichtig ist

Weihnachten – das Fest der Liebe? Auf jeden Fall die Zeit des großen Kaufens. Demnächst ist die jährliche Jagdsaison auf exotische, einzigartige und überflüssige Geschenke wieder eröffnet.

Leuchten sollen nicht nur Kinderaugen, auch das schlechte Gewissen gegenüber der vernachlässigten Ehefrau wird liebevoll in kleine Päckchen verpackt. Das erwärmt wiederum das Herz des Einzelhändlers, der sich über himmlische Umsatzzahlen die Hände reiben kann.

Nicht nur im Versandhandel bedeutet das Extraschichten und Urlaubssperre, damit sich die bestellten Strickstrümpfe rechtzeitig zum Fest auf den Weg machen können. Verschickt werden sie quer durch ganz Deutschland, bis sie schließlich ihren Weg unter den Tannenbaum finden. Genügend Zeit zum Umtausch bleibt ja zwischen den Jahren.

Aber wo bleibt bei dem ganzen Trubel die Besinnlichkeit? Steht der christliche Gedanke überhaupt noch im Mittelpunkt? Ist Konsum-Boykott die richtige Alternative?

Die Gäste:

Angelina Schmitt

Portrait von Angelina Schmitt

Angelina Schmitt

Angelina Schmitt lebt am Existenzminimum. Die 21-Jährige wohnt mit ihren vier Geschwistern bei ihren Eltern, die beide erwerbslos sind. Extra-Ausgaben in der Weihnachtszeit sind für die siebenköpfige Familie kaum drin: „Für Geschenke kann ich höchstens fünf Euro pro Person ausgeben. Ich bastele auch viel selbst, damit es günstiger wird.“ Das ganze Jahr über freut sie sich auf Weihnachten, denn da spürt sie besonders den Familienzusammenhalt.

Claudia Obert

Portrait von Claudia Obert

Claudia Obert

Rund 50.000 Euro hat Claudia Obert im vergangenen Jahr für Weihnachten ausgegeben. Auf Familie legt die Modeunternehmerin, die meist auf Ibiza lebt, an den Feiertagen keinen Wert – sie feiert Weihnachten lieber mit Freunden: „Alleinsein ist etwas ganz Furchtbares. Ich habe Gott sei Dank noch Freunde, die für mich wie Familie sind.“ Aber nicht nur an Weihnachten liebt die Karrierefrau das schöne Leben: „Ich trinke das ganze Jahr über Champagner.“

Line Fuks

Portrait von Line Fuks

Line Fuks

Line Fuks lebt das Kontrastprogramm. Die siebenfache Mutter, die mit ihrer Großfamilie im Reisemobil wohnt, ist Konsumverweigerin. Zeitweise lebte die Aussteigerfamilie sogar mitten in der Wildnis. Gemeinsam mit ihrer Partnerin hat die ehemalige Kinderkrankenschwester vor zehn Jahren beschlossen, keine Weihnachtsfeste mehr zu feiern: „Dieser ganze Konsum legt den Menschen eine Fußfessel an. Wer glücklich ist, kauft nicht.“

Ute Ohoven

Portrait von Ute Ohoven

Ute Ohoven

Ute Ohovens Leben kennt zwei Extreme. Einerseits ist die Unternehmergattin schon mit dem sprichwörtlich goldenen Löffel groß geworden, andererseits ist sie als UNESCO-Sonderbotschafterin häufig in Afrika unterwegs und erlebt dort Armut hautnah. Deshalb sammelt sie unermüdlich Spenden, organisiert Benefizgalas und zeigt sich auf Luxuspartys für den guten Zweck. Ihre Erkenntnis: „Geld macht nicht glücklich, aber unabhängig.“

Msgr. Dr. Christian Hermes

Portrait von Msrg Dr. Christian Hermes

Dr. Christian Hermes

Mit Unbehagen beobachtet Monsignore Dr. Christian Hermes den Konsumrausch in der Weihnachtszeit. Statt teurer Geschenke, langer Ladenöffnungszeiten und unnötigem Stress plädiert der Stadtdekan von Stuttgart für mehr Besinnung und Mäßigung: „In der Adventszeit sollte der ursprüngliche Charakter der Fastenzeit wieder mehr Bedeutung bekommen. Es ist eine Zeit, in der wir uns in Vorfreude üben und unsere Sehnsüchte kultivieren sollten“, so der Priester.

Klaus Striebich

Portrait von Klaus Striebich

Klaus Striebich

Wenn es nach Klaus Striebich ginge, sollte man dem Shoppen freien Lauf lassen. Auch, was die Ladenöffnungszeiten anbelangt. Striebich gehört zur Geschäftsführung des bundesweit führenden Shoppingcenter-Betreibers ECE. Mit flexibleren Öffnungszeiten will er dem boomenden Onlinehandel Rechnung tragen: „Selbst im hoch katholischen Polen haben kurz vor Weihnachten die Läden sonntags geöffnet. Das schlägt sich im Umsatz nieder.“

Günter Holzer

Portrait von Günter Holzer

Günter Holzer

Günter Holzer lässt den Konsumrausch an Weihnachten an sich vorüberziehen. Täglich steht der 64-Jährige mit seiner Straßenzeitung vor bunt geschmückten Schaufenstern in der Kälte, stets an seiner Seite sein Hund Snoopy. Der einst erfolgreiche Unternehmer war drei Jahre obdachlos, die glitzernde Weihnachtswelt hat für den einstigen Familienmensch keine Bedeutung mehr: „Was wirklich wichtig ist, kann man mit Geld sowieso nicht kaufen.“