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Portrait von Michael Steinbrecher

SENDETERMIN Fr, 17.11.2017 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Sendung am 17. November 2017 Gegen meinen Willen - von Übergriffen und sexueller Gewalt

Es ist der Alptraum jeder Frau auf dem abendlichen Heimweg: Der Täter schleicht sich aus dem Hinterhalt an und packt zu. Was dann kommt, brennt sich unauslöschlich ins Gedächtnis und ist der Beginn eines lebenslangen Leidensweges.

Kaum ein Verbrechen hinterlässt in der Seele so tiefe Spuren wie eine Vergewaltigung. Es ist ein Vergehen, für das sich die Opfer nicht selten mehr schämen als die Täter, viele scheuen aus Angst die Anzeige bei der Polizei. So ergeht es auch Frauen, die durch KO-Tropfen betäubt und den Tätern willen- und wehrlos ausgeliefert sind.
Glaubwürdigkeit – die zentrale Frage für Richter und Sachverständige.

So kommt es auch immer wieder vor, dass Männer bewusst falsch beschuldigt werden - die Folge sind unschuldig verbrachte Jahre im Gefängnis, ein ruinierter Ruf und ein zerstörtes Leben für die Männer. Vor Gericht heißt es oft: Aussage gegen Aussage. Wer ist Täter, wer Opfer?

Nicht jeder sexuelle Übergriff endet in einer brutalen Vergewaltigung. Grapschen, ein Griff an den Hintern oder anstößige Bemerkungen – eine längst überfällige Debatte über sexuelle Belästigung in unserer Gesellschaft hat aktuell der Skandal um den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein angestoßen.

Im Nachtcafé wird ausgesprochen, worüber lange ein Mantel des Schweigens gelegt wurde. Opfer und falsch Beschuldigte berichten von ihrem Leben danach, es geht um die Schwierigkeit der Beweispflicht und um die Frage: Wo hört ein nett gemeintes Kompliment auf und wo fängt sexuelle Belästigung an?

Marlene Lufen

Portrait von Marlene Lufen

Marlene Lufen

Warum so viele Frauen schweigen, wenn sie einen sexuellen Übergriff erleben, kann SAT1-Moderatorin Marlene Lufen gut nachvollziehen. Sie war 19 und Gelegenheits-Model, als der Vorfall passierte. Den Täter hat sie damals aus Scham und Angst vor Vorverurteilung nicht angezeigt: "Während Opfer von anderen Gewalttaten oft großes Mitgefühl bekommen, werden Vergewaltigungsopfer fast immer in Zweifel gezogen."

Jolanda Spieß-Hegglin

Portrait von Jolanda Spiess-Hegglin

Jolanda Spiess-Hegglin

Immer wieder geht es um die Frage von Glaubwürdigkeit und Beweisen. Auch im Fall von Jolanda Spieß-Hegglin. Als Kantonsrätin der Schweiz war sie vor gut drei Jahren Gast auf einer politischen Feier. Vergewaltigung, K.O.-Tropfen, zu viel Alkohol - was dort in einem Séparée mit einem anderen Politiker passierte, darüber spekulierte später die ganze Schweiz. Ein Spießrutenlauf begann: "Ich konnte nur verlieren. Ich bin ein Opfer der Medien."

Norbert Kuß

Portrait von Norbert Kuß

Norbert Kuß

Welche furchtbaren Konsequenzen ein falscher Verdacht haben kann, musste Norbert Kuß erfahren. Sexueller Missbrauch an seiner Pflegetochter war der Vorwurf, der den Beamten für zwei Jahre unschuldig hinter Gitter brachte und sein Leben zerstörte: "Diese Haft kann man nie wieder gut machen. Ich leide bis heute." Drei Versuche einer Wiederaufnahme des Verfahrens scheiterten. Nur glücklichen Umständen hat er seinen Freispruch zu verdanken.

Juli Göschl

Portrait von Julie Göschl

Julie Göschl

Julie Göschl erlebte den Alptraum einer jeden Mutter. Ihre damals 15-jährige Tochter war gerade auf dem Schulweg, als sie von einem maskierten, bewaffneten Mann überfallen wurde. Ein Anwohner hörte die Schreie und konnte den Täter festhalten. Wie sich herausstellte, saß dieser bereits wegen Vergewaltigung im Gefängnis und wurde vorzeitig entlassen. Nun gab es erneut ein Urteil, das die Mutter fassungslos macht: "Sicherungsverwahrung wäre angemessen gewesen. Ich bin überzeugt, dass er wieder rückfällig wird."

Prof. Dr. Rolf Pohl

Portrait von Prof. Dr. Rolf Pohl

Prof. Dr. Rolf Pohl

"Männlichkeit ist in unserer Gesellschaft nach wie vor sehr stark mit Gewalt, Machtspielen und feindseliger Abwertung von Frauen verknüpft", stellt Prof. Dr. Rolf Pohl fest. Als Geschlechterforscher hat er sich in zahlreichen Studien mit männlicher Sexualität beschäftigt und ist überzeugt, dass Sexismus in Deutschland nach wie vor tief verankert ist. Die größte Gefahr der sexuellen Übergriffe finde aber im familiären Umfeld statt und nicht in öffentlichen Plätzen, so der Sozialpsychologe.

Dr. Barbara Schweder

Portrait von Dr. Barbara Schweder

Dr. Barbara Schweder

Die aktuelle Sexismus-Debatte hält Humanbiologin Dr. Barbara Schweder für aufgebauscht und übertrieben. Ihre langjährige Erfahrung an der Uni habe ihr gezeigt, dass Frauen nicht per se die Unschuldslämmer seien, sondern sehr oft auch ganz bewusst ihre Reize für den beruflichen Aufstieg einsetzten. Die Analyse der Kulturanthropologin: "Das männliche Balzen ist ein archaisches Relikt aus der Urzeit, das seit Jahrtausenden Bestand hat."