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Winfried Glatzeder und Muri Miyanyedi (v.li.)

SENDETERMIN Fr, 1.2.2019 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Sendung am 1. Februar 2019 Bewusst vom Leben lassen

Wir alle wissen, dass wir eines Tages sterben werden. Und dennoch haben die meisten von uns den Tod ganz weit weggeschoben und verdrängen ihn im Alltag. Bis er plötzlich doch wieder mitten in unserem Leben steht.

Sei es, dass wir selbst durch eine schwere Krankheit mit dem eigenen Sterben konfrontiert werden oder in unserem Familien- oder Freundeskreis ein unerwarteter Todesfall für Sprachlosigkeit sorgt.

Reden über den Tod fällt nicht leicht, Gedanken darüber machen den meisten Angst. Angehörige eines Demenz-Patienten durchleben schmerzhaft das langsame Abschiednehmen von einem geliebten Menschen, dessen Persönlichkeit mehr und mehr entschwindet.

Wer als Krebspatient von der Medizin als austherapiert gilt, wünscht sich Schmerzfreiheit und ein würdevolles Loslassen vom Leben. Doch muss er so lange ausharren, bis das Leben verglimmt?

Soll die hochdepressive Frau, die seit Jahren nur noch Leere und Sinnlosigkeit verspürt, den Zeitpunkt ihres Todes frei wählen dürfen? Oder der Hochbetagte, der zufrieden auf das Erlebte zurückblickt und bereit ist zu gehen? Befürworter und Gegner der Sterbehilfe stehen sich seit Jahren unversöhnlich gegenüber.
So individuell wie die Lebensentwürfe selbst, so unterschiedlich setzt sich jeder von uns mit seinem letzten Weg auseinander.

Ist das Sterbenwollen ein ebenso natürlicher Wunsch wie das Leben wollen? Wie weit darf Autonomie und Selbstbestimmung grundsätzlich gehen? Müssen wir uns vorschreiben lassen, wie und wann wir zu sterben haben?

Die Gäste:

Winfried Glatzeder

Portrait von Winfried Glatzeder

Winfried Glatzeder

Schauspieler Winfried Glatzeder setzt sich ständig mit dem Sterben und dem Tod auseinander. Auch wenn die letzte Reise unvermeidlich ist, versucht der 73-Jährige, ihr mit Humor zu begegnen. Er hat bereits seinen Grabplatz ausgesucht und war auch schon zum Probeliegen in einem Sarg. Das Schlimmste wäre für ihn, wenn seine Frau vor ihm ginge. Aber diesen Gedanken schiebt er weit weg. Auch für sich selbst hat der bekennende Hypochonder ein hohes Ziel gesteckt: „Ich will 103 werden. Natürlich bei blendender Gesundheit.“

Gisela Getty

Portrait von Gisela Getty

Gisela Getty

Gisela Getty und ihre Schwester Jutta Winkelmann gelten als Deutschlands berühmteste Hippie-Zwillinge. Schon immer ging ihnen der Freiheitsgedanke und ein selbstbestimmtes Leben über alles. Als Jutta Winkelmann die Diagnose Knochenkrebs bekam, ging sie auch hier ihren eigenen Weg. Trotz furchtbarer Schmerzen und langem Leiden verzichtete sie bis zuletzt auf Schmerzmittel: „Es war ein unheimlich intensiver Prozeß. Jutta hat am Schluss 26 Kilo gewogen.“

Muri Miyanyedi

Portrait von Muri Miyanyedi

Muri Miyanyedi

Selbst bestimmen, wann die Qualen ein Ende haben, das möchte Muri Miyanyedi. Seit 16 Jahren leidet die Stuttgarterin an Multiple Sklerose, die Krankheit hat ihr die Beweglichkeit, ihre Selbständigkeit und viel Lebensqualität genommen: „Ich brauche in allem Unterstützung, alles ist anstrengend, mühsam und oft auch beschämend.“ Sie hat bereits Kontakt zu Sterbehilfeorganisationen im Ausland aufgenommen und fordert in Deutschland ein Recht auf Sterbehilfe.

Elisabeth Kunze-Wünsch

Portrait von Elisabeth Kunze-Wünsche

Elisabeth Kunze-Wünsche

„Wir haben kein Recht auf einen selbstbestimmten Tod.“ Davon ist die ehemalige Gemeindepfarrerin Elisabeth Kunze-Wünsch überzeugt. Menschliches Leben sei ein Geschenk, das wir annehmen müssten, so die Haltung der Christin. Als Leiterin des Stuttgarter Hospizes erlebt sie täglich, dass aus dem Wissen um Zuneigung und Gottes Liebe auch die letzte Phase des Lebens erträglich gestaltet werden kann.

Rolf Mayer

Portrait von Rolf Mayer

Rolf Mayer

Rolf Mayer war frisch gebackener Familienvater, als sich bei ihm ein furchtbares Familiendrama ereignete. Nachdem seine Frau nach der Geburt eine Wochenbettpsychose bekam, wurde sie in eine Klinik eingewiesen. Kurz nach ihrer Entlassung kam es zu einer folgenschweren Situation: Die junge Mutter löschte nicht nur ihr eigenes Leben aus, sondern auch das ihrer fünf Monate alten Tochter: „Ich habe meiner Frau nie einen Vorwurf gemacht, sie war schwer krank.“

Mark Castens

Portrait von Mark Castens

Mark Castens

Eine letzte Fahrt mit der Harley, noch einmal den Lieblingsverein im Fußballstadion sehen, ein persönliches Treffen mit einem Idol - wenn Menschen nicht mehr lange zu leben haben, bekommen Wünsche nochmal eine ganz andere Dimension. Mark Castens hat einen Verein gegründet, der dies ermöglicht: „Es ist schön miterleben zu dürfen, wie ein erfüllter Wunsch das Strahlen in die Augen von Sterbenskranken zurückbringt.“

Prof. Dr. Sven Gottschling

Portrait von Prof. Dr. Sven Gottschling

Prof. Dr. Sven Gottschling

Prof. Dr. Sven Gottschling begleitet schwer kranke Menschen bis in den Tod: „Ich sehe mich als Spezialist für mehr Lebensqualität und will meinen Patienten die noch verbleibende Zeit so angenehm wie möglich gestalten.“ Der Palliativmediziner begleitet die letzte Phase nicht nur mit einer schmerzmildernden Versorgung, sondern versucht gleichzeitig, dem Tod die Sprachlosigkeit und das Bedrohliche zu nehmen.

Sendung vom

Fr, 1.2.2019 | 22:00 Uhr

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Freitag, 22.00 Uhr

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