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Heidi Weimann, Kruno Crepulja und Dirk Eckart (v.li.)

SENDETERMIN Fr, 21.9.2018 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Sendung am 21. September 2018 Wohnung verzweifelt gesucht

Wer soll das noch bezahlen? Der Wohnungsmarkt ist völlig aus den Fugen geraten. Wer derzeit eine Wohnung sucht, ist nicht zu beneiden – vor allem in den Großstädten etwas zu finden, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, egal ob zur Miete oder zum Kauf. Höhere Nachfrage – höhere Preise. Und so wohnen sich Arm und Reich immer weiter auseinander.

Alleinerziehende leben mit ihren Kindern wie in einer Schuhschachtel, ältere alleinstehende hingegen Menschen oft in viel zu großen Wohnungen, auf die Familien so dringend warten. Wer das Glück hat, einen Vermieter zu haben, der nur selten die Miete erhöht, der bleibt in seiner Wohnung.

Zwar boomt der Wohnungsbau, doch reicht das längst nicht. Neben dem Drang vor allem jüngerer Leute in die Ballungszentren haben auch Zuwanderung und eine wachsende Bevölkerung zu einem höheren Bedarf geführt. Seit 1990 ist der Bestand an Sozialwohnungen um 60 Prozent gesunken, insgesamt werden pro Jahr 70.000 Wohnungen zu wenig gebaut. Dafür steigen die Baukosten auch aufgrund staatlicher Auflagen, besonders die Bauvorschriften für eine bessere Energieeffizienz schlagen enorm zu Buche.

Spekulanten treiben Immobilienpreise und Mieten ins Unermessliche, langjährige Mieter sind mit den Nerven am Ende, weil sie nach einer Komplettsanierung ihre Wohnung nicht mehr bezahlen können – doch wo sollen sie hin? Das Problem ist längst bekannt, verbessert hat sich jedoch bislang nur wenig. Wohnen wird immer mehr zur neuen sozialen und existenziellen Frage.

Die Gäste:

Miriam Garufo

Portrait von Miriam Garufo

Miriam Garufo

„Wir wurden mit allen Mitteln aus unserer Wohnung entmietet.“ Eine Luxussanierung kündigte die Investorfirma für Miriam Garufos Wohnung an und zog alle Register: Dauerbaustelle, Heizungsausfall, Wasserschaden – begleitet von einer saftigen Mieterhöhung und einer Überflutung durch Anwaltsschreiben des Eigentümers. Nach vielen Schikanen und langem Psychoterror gab die junge Mutter auf – und zog in eine viel zu kleine Wohnung. Seitdem sucht das Paar in München vergeblich nach einer bezahlbaren ausreichend großen Bleibe.

Barbara Bosch

Portrait von Barbara Bosch

Barbara Bosch

Starke Nachfrage, hohe Mieten – so ist die Situation nicht nur in den Metropolen, sondern auch im Umland. Auch in Reutlingen, 40 Kilometer von Stuttgart entfernt, ist die Wohnungslage angespannt. Jährlich wächst die Stadt um 1000 Einwohner, der Wohnungsmarkt hinkt hinterher. Barbara Bosch ist dort seit 15 Jahren Oberbürgermeisterin und kennt die Nöte der Bürger, aber auch die Schwierigkeiten und Hürden, für mehr Wohnraum zu sorgen: „Es gibt viele Auflagen zu beachten, die der Bund vorgibt.“

Prof. Günter Rausch

Portrait von Prof. Günter Rausch

Prof. Günter Rausch

„Wohnen ist Menschenrecht und ein Grundbedürfnis, eine Wohnung darf keine Ware sein.“ Dafür kämpft Prof. Günter Rausch: „Es ist die Aufgabe des Staates, für ausreichend Wohnraum zu sorgen und regulierend einzugreifen.“ Rausch kritisiert, dass der soziale Wohnungsbau über Jahre fast zum Erliegen kam. Die Leidtragenden dieser fehlgeleiteten Politik seien vor allem die Schwachen der Gesellschaft, der Staat habe hier eine Verantwortung, der er nicht nachkomme, so der Freiburger.

Kruno Crepulja

Portrait von Kruno Crepulja

Kruno Crepulja

Von staatlichen Regulierungen wie einer Mietpreisebreme hält Kruno Crepulja überhaupt nichts. Er ist CEO eines börsennotierten Unternehmens, das 8.900 Wohneinheiten im Portfolio und als Ziel eine nachhaltige Profitabilität hat. Der Firmenfokus liegt auf Neubauten in Top-Metropolen und Sanierungen von Gebäuden. Seine Preis-Entwicklungsprognose ist eindeutig: „Lange Zeit waren Immobilien in Deutschland unterbewertet. Vor allem Wohnungen in Ballungsräumen sind eine sehr gute Investition, die Lage wird sich keinesfalls entspannen.“

Wolfgang Fischer

Portrait von Wolfgang Fischer

Wolfgang Fischer

Auf Kosten der Mieter saftige Renditen einfahren? Das würde Wolfgang Fischer nie in den Sinn kommen. Der Schauspieler ist Besitzer eines Mehrfamilienhauses in München, das ihm seine Tante vererbt hat. Von seinen Mietern verlangt er deutlich weniger als er könnte, denn „Eigentum verpflichtet“. Mit Sorge sieht der Schauspieler, wie die Gier überhandnimmt. Lukrative Angebote von Investoren für die Millionenimmobilie lehnt er kategorisch ab und stellt sich schützend vor seine Mieter: „Heutzutage geht es nur noch ums Geld. Und das, obwohl Deutschland immer ein Vorbild für Seriosität war. “

Heidi Weimann

Portrait von Heidi Weimann

Heidi Weimann

„Nur Absagen!“. Heidi Weimann ist alleinerziehend und arbeitslos – und mit diesen Kriterien bei der Wohnungssuche so gut wie chancenlos. Vor Jahren gab die Therapeutin ihren Job auf, um sich der Pflege ihres demenzkranken Vaters zu widmen. Als er vor knapp einem Jahr verstarb, dann die Hiobsbotschaft vom Amt: Sie muss raus. Denn laut Sozialgesetzbuch stehen der Mutter und ihrer zwölfjährigen Tochter weniger Wohnfläche zu als sie hat. Seitdem sucht sie in Baden-Baden verzweifelt nach einem neuen Zuhause.

Dirk Eckart

Portrait von Dirk Eckart

Dirk Eckart

Alles drängt in die pulsierenden Großstädte, warum aber nicht mal über Mittelsachsen nachdenken? Das schlägt Gerüstbauunternehmer Dirk Eckart vor. Mit Kinospots wirbt der Mittelständler für seine Region, preist die Vorzüge von Ostdeutschland und lockt mit günstigen Mieten und Baugrundstücken für kleines Geld. Seine Firma sucht händeringend nach Fachkräften aus dem Westen: „Bei uns kann sich jeder normale Arbeiter seinen Traum vom eigenen Häuschen mit Garten verwirklichen – Schulen, Kitas, Vereine inklusive.“

Claudia Treuer

Portrait von Leon, Sven, Claudia und Lukas  Treuer (v.li.)

Portrait von Leon, Sven, Claudia und Lukas Treuer (v.li.)

Bereits 2016 war Claudia Treuer zu Gast im NACHTCAFÉ und schilderte ihre verzweifelte Wohnungssituation. Nachdem der Buchhalterin wegen Eigenbedarf gekündigt wurde, setzte sie alle Hebel in Bewegung, um etwas Neues zu finden - vergeblich. Schließlich kam die vierköpfige Familie in Pfungstadt in einer städtischen Notunterkunft unter. An ihrer Situation hat sich bis heute nichts geändert: „Das Thema Wohnung bestimmt unseren Alltag. Es macht uns alle psychisch fertig. Wir wollen einfach nur raus hier.“