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Ernährung im Mittelalter Festmenüs und Alltagsessen

In Kochbüchern des Mittelalters sind Menüs beschrieben und illustriert, die auch heute die Herzen der Gourmets höher schlagen lassen. Rezepte mit mehreren Gängen und allerlei Köstlichkeiten sind in den Kochbüchern keine Ausnahme.

Gedeckter Tisch mit Mittelalter Speisen

Essen wie im Schlaraffenland

Es gibt bereits aus dem Frühmittelalter Schriftquellen zur Kochkunst. Die älteste Rezeptesammlung in deutscher Sprache ist "Das Buch von guoter Spise" aus dem Jahr 1350. Sie entstand auf Pergamentpapier am fürstbischöflichen Hof in Würzburg. In diesem Schriftstück werden bereits fremde kulturelle Einflüsse in der Kochkunst erwähnt. Das Buch enthält beispielsweise Gerichte, die arabischen Ursprungs sind.

Festspeisen nicht nur am Hofe

Die Gerichte aus den Kochbüchern waren im Alltag dem Adel und Klerus vorbehalten. Für die unteren Schichten waren die kostspieligen Menus, die sich in den Kochbüchern des Mittelalters finden, unerreichbar. Nur an Festtagen wurde auch in einfachen Familien reichhaltig gekocht.

2:12 min | So, 22.4.2018 | 10:45 Uhr | Geschichte & Entdeckungen | SWR Fernsehen

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Mittelalter-Kochexperiment

Auch ein bäuerliches Festtagsmenü konnte im Mittelalter schon mal neun Gänge zählen. Das üppige Essen wurde als Entschädigung für einen Alltag mit vielen Entbehrungen gewertet. An Festtagen leistete man sich auch in einfacheren Verhältnissen Gewürze, die damals nahezu unerschwinglich waren.

Safran - so teuer wie Gold

Das Würzen von Speisen hatte früher einen völlig anderen Stellenwert als heute. Schon im Altertum waren in Mitteleuropa Gewürze wie Pfeffer und Ingwer, Kardamon und Zimt bekannt und geschätzt. Im Mittelalter kamen neue Gewürze in Mode und bei den oberen Schichten oder zu besonderen Anlässen in die Speisen. Dazu zählten Muskatnuss und Muskatblüte, Gewürznelken und Galgant. Aus Vorderasien kam auch der Safran nach Mitteleuropa, ein Gewürz das in keiner verfeinerten Küche fehlen durfte und auch zum Gelbfärben der Speisen diente. Safran war so teuer wie Gold, jedenfalls wenn er nicht gefälscht war. Warum und wie diese exotischen Gewürze nach Mitteleuropa kamen und dadurch die Geschmacksrichtungen neu prägten, ist nicht bekannt. Für diese Erkenntnisse fehlen die entsprechenden historischen Quellen.

Süße Speisen - ein Luxus der Oberschicht

Mittelalterliche Götterspeise

Mittelalterliche Götterspeise

Im Mittelalter stand lange nur der Honig zum Süßen der Speisen zur Verfügung. Gemessen am Bedarf war die Produktion von Honig gering. Man nimmt an, dass nur die Oberschicht damals ihre Speisen nach Wunsch süßen konnte. Die Masse der Bevölkerung ernährte sich eher mit wenig Süßem. Rohrzucker kam mit dem ausgehenden Mittelalter nach Mitteleuropa und blieb lange ein Luxusgut.

Kirchliche Speisegebote

Das Christentum veränderte die Esskultur der Menschen des Mittelalters noch mehr als die Römer. In ganz Europa breitete sich der christliche Glaube aus und in Folge auch die Speisegebote der Kirche. An allen Fasttagen war der Verzehr von Fleisch verboten. Das Jahr hatte nicht selten bis zu 150 solcher Tage. An besonders strengen Fasttagen wurde auch auf tierische Erzeugnisse wie Milch, Käse und Eier verzichtet. Stockfisch und Salzhering breiteten sich als Mahlzeiten zur Fastenzeit in ganz Europa aus. In den bürgerlichen und adligen Familien wurden Mandeln und Mandelmilch als Ersatz für Milch und Eier verwendet.

"Herrgottsbscheißerle" zur Fastenzeit

Mittelalter-Gruppe vor gedeckter Tafel

"Herrgottsbscheißerle" sollten Fastenspeisen vortäuschen

Die strengen Fastenvorschriften waren nicht immer leicht einzuhalten. Besonders wenn ein Fest gefeiert wurde ließ man sich einiges einfallen, um die Gebote zu umgehen. "Herrgottsbscheißerle" nannte man im deutschsprachigen Süden die kleinen Tricks in der Küche, um auch in der Fastenzeit ein üppiges Festmahl zu halten. So wurden Pasteten statt mit Fisch schon mal mit Fleisch gefüllt. Ein weiterer Trick: Der Biber galt im Mittelalter als Fisch, da er sich viel im Wasser aufhielt. Eine Definition als Säugetier hätte ihn aus der Speisekarte zur Fastenzeit entfernt.