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Ernährung im Mittelalter Was aß der Mensch vor rund 1.000 Jahren?

Aus schriftlichen Quellen und archäologischen Befunden wissen wir heute vieles über die Ernährungsgewohnheiten im Mittelalter und deren Entwicklung: Von der Selbstversorgung auf dem Land hin zu städtischen Märkten und exotischen Waren.

Knochen als historische Quellen

Archaeozoologie mit Lena Gantschow

Die Archäozoologin Elisabeth Stephan (links) untersucht mit Lena Ganschow Knochenfunde aus dem Mittelalter.

Kochbücher, Zollrollen und Abgaberegister, aber auch die beschreibende Literatur sind wichtige schriftliche Quellen für die Erforschung der Ernährung im Mittelalter. Für das schriftarme frühe Mittelalter sind die Experten auf Funde bei archäologischen Ausgrabungen angewiesen. Seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts liefert die "Latrinenforschung", wie sie salopp genannt wird, wertvolle Erkenntnisse zur Ernährung in vergangenen Zeiten. Die pflanzlichen und tierischen Überreste der Nahrungsmittel verrotten leicht. Deshalb sind die Funde verkohlter oder fossiler Kulturpflanzen von großem Wert. Auch Misthaufen und Latrinen werden von Archäobotanikern für die Erforschung der Ernährung im Mittelalter gezielt untersucht.


Bohrungen von einer Plattform auf dem Bodensee

Bohrungen von einer Plattform auf dem Bodensee

In den verschiedenen Sedimentsschichten im Seegrund finden die Archäologen Pollen von Obst, Gemüse und Getreidearten, die im Mittelalter angebaut wurden. Mit den entnommenen Proben können die Wissenschaftler im Labor unter anderem bestimmen, wie häufig die Kulturpflanzarten in der Gegend vorkamen.

Karges Essen im frühen Mittelalter

Der Mensch im frühen Mittelalter war Selbstversorger und ernährte sich hauptsächlich von dem was ihm die natürliche Umgebung bot. Je nach den geografischen Bedingungen hatten die Menschen nur wenige Lebensmittel zur Auswahl. Archäologische Funde zeigen, dass im frühen Mittelalter in den Siedlungen nur wenige Kulturarten angepflanzt wurden. Gemüse kam eher selten auf den Tisch. Es gab Erbsen und die Pferdebohne (vicia faba). Ausgrabungen zeigen, dass die Pferdebohne in manchen Gebieten ein wichtiges Lebensmittel für die Bauern war. Heute ist sie nur noch als Futtermittel bekannt.

Der "ewige Roggenanbau" des Mittelalters

Bürgerliches Essen im Mittelalter

Bürgerliches Essen im Mittelalter

Das meist zubereitete Gericht des Mittelalters war aller Wahrscheinlichkeit nach der mit Wasser zubereitete und ungezuckerte Haferbrei. Getreide war ein Grundnahrungsmittel und dessen Anbau nicht selten von Missernten und Hochwasser betroffen. In der Folge mussten besonders die einfachen Menschen hungern. Zum Getreidebrei kamen Grütze und Brot als wichtige Lebensmittel. Die Getreidesorten waren von Gebiet zu Gebiet sehr unterschiedlich verbreitet. In den meisten Regionen wurden Gerste, Hafer und Hirse angepflanzt. Weizen wurde während der Zeit des Römischen Reiches auch nördlich der Alpen angebaut. Der Getreideanbau hat sich erst während des Mittelalters rasant ausgebreitet und zwar mit der Einführung von Roggen. Heute spricht man von dem „ewigen Roggenanbau“ seit dem 10. Jahrhundert. Zur Gewinnung von Öl wurde im frühen Mittelalter vor allem Lein angebaut. Um die dürftige Kost zu ergänzen, sammelte der Mensch Früchte und Samen in den nahegelegenen Wäldern.

Vielfalt der Getreidesorten

Emmer ist zusammen mit Einkorn eine der ältesten kultivierten Getreidearten. Diese Kulturpflanzen wurden neben Dinkel und der fast vergessenen Rispenhirse auch im Mittelalter gegessen. Je nach Gebiet wurden zudem Gerste, Weizen und Hafer angebaut. Im Mittelalter gab es eine größere Vielfalt an Getreidearten als heute.

Fleisch als Eiweißlieferant

Page muss seiner Herrschaft Wasser reichen

Der Page musste seiner Herrschaft Wasser reichen

Bei den Haustieren war der Artenbestand des Mittelalters der gleiche wie heute. Rind, Schwein, Schaf und Ziegen, aber auch Pferd und Geflügel wurden gehalten und gegessen. Hinzu kamen wie heute das jagdbare Wild und der Fischfang. Der Eiweißbedarf wurde weitgehend mit Fleisch und Fisch gedeckt.