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Zehn Jahre nach der Bankenkrise Keine Bank ist sicher bei einer neuen Finanzkrise

Am 15. September 2008 hat die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz angemeldet. In der Folge gerieten auch deutsche Banken ins Schlingern. Das kann wieder passieren.

Lehman-Protestschild

Anleger mit Lehman-Zertifikaten demonstrieren vor Banken, die ihnen die Papiere verkauft hatten.

Nach der Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz gerieten auch deutsche Banken, die Wertpapiere von Lehman gekauft hatten - am Ende Schrottpapiere - in den Strudel. Viele Banken mussten, so hieß das damals, gerettet werden. Eine Rettung, die bis heute nicht abgeschlossen ist.

Fragen an Eva Röder, SWR Aktuelle Wirtschaft

Wie kam es damals zur internationalen Finanzkrise?

Einer der Auslöser der weltweiten Finanzkrise war die Immobilienkrise in den USA. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Immobilienpreise immer gestiegen. Banken und andere Anbieter dachten, das ginge immer so weiter und warfen mit so genannten Ninja-Krediten nur so um sich. Ninja ist in diesem Fall die Abkürzung für: No Income, no Job, no assets.

Es bekamen also auch viele Menschen einen Kredit für ihr Haus, die kein Einkommen, keinen Job und auch kein sonstiges Vermögen hatten. Die Banken haben diese faulen Kredite in ein Paket gepackt und weiterverkauft. 2007 ging es dann auf einmal nicht mehr bergauf mit den Immobilienpreisen - die Blase platzte und Kredite konnten nicht mehr zurückgezahlt werden.

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Was waren die Folgen dieser Finanzkrise?

Als Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise gilt die Pleite der Traditionsbank Lehman Brothers. Ihr wurde vor allem der Handel mit sehr riskanten Wertpapieren zum Verhängnis. Die Pleite der Bank riss andere Banken auf der ganzen Welt mit in den Abgrund, weil niemand mehr Vertrauen in das System hatte und Kredite vergab.

Die Zentralbanken haben Milliarden in den Markt gepumpt und die Zinsen auf nahezu Null gedrückt. Die Regierungen retteten die - in ihren Augen - wichtigen Banken mit Milliardenkrediten aus Steuergeld. Ohne diese Hilfe wäre in Deutschland zum Beispiel die Commerzbank pleite gegangen. Viele Staaten waren zu diesem Zeitpunkt schon stark verschuldet und verschuldeten sich noch mehr.

Wer sind die Gewinner, wer die Verlierer dieser Krise?

Die Gewinner sind Aktien- und Immobilienbesitzer. Wer Geld hatte, konnte billig Aktien und Wohnungen kaufen und profitiert heute davon. Der Dax zum Beispiel ist heute dreimal so viel wert wie nach der Krise. Auf der anderen Seite stehen die Verlierer - zum Beispiel die Sparer. Bei der Hausbank gibt es für Otto-Normal-Sparer keine Zinsen mehr. Hinzu kommt, dass ihr Geld oft in Pensionsfonds oder Versicherungen steckt, die als Anlage völlig unattraktiv geworden sind.

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Schrottpapiere - warum es sie auch heute noch gibt

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Was haben wir daraus gelernt?

Die Gemeinschaft der 20 großen Industrie- und Schwellenländer hat sich nach dem Höhepunkt der Krise auf bestimmte Regeln verständigt. Ein Beispiel: Heute müssen Banken mehr Eigenkapital zur Verfügung haben - das haben sie auch, weltweit etwa doppelt so viel wie vor zehn Jahren.

Ein Problem hierbei: Das betrifft nur tatsächliche Banken und nicht andere große Player am Markt - wie etwa Hedgefonds. Auch Anleger sollen besser vor Risikopapieren geschützt werden: Wer Geld anlegt, bekommt ein schriftliches Beratungsprotokoll. Wirklich umgebaut haben die Regierungen das internationale Finanzsystem nicht. Viele Risiken von damals sind geblieben oder sogar noch größer geworden.

Kann so eine Finanzkrise nochmal passieren?

Ja. Akut steht zwar kein Zusammenbruch des weltweiten Finanzsystems an, aber einige Risiken sind geblieben oder sogar gestiegen. Dazu zwei Beispiele: An den Börsen der Welt wird zum Beispiel sogar mehr mit riskanten Derivaten gehandelt als vor zehn Jahren. Außerdem sind die Schulden der Länder explodiert: Waren die westlichen Industriestaaten 2007 noch um knapp 70 Prozent verschuldet, sind es heute 105 Prozent.

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Online: Heidi Keller