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Wie Erbschleicher manipulieren Ganz legal ums Erbe gebracht

Kriminalreport Südwest

Verletzliche ältere Menschen werden isoliert, manipuliert und dann abkassiert. Gegen Erbschleicher können weder Anwälte noch Polizisten viel erreichen. Was können Angehörige tun?

Stirbt ein Mensch, sind in vielen Familien Erbstreitigkeiten programmiert. Vorwürfe, der eine oder die andere habe sich das gesamte Erbe oder Teile davon "erschlichen" sind nicht immer berechtigt. Es gibt jedoch Indizien, die darauf hindeuten, dass ein Erbschleicher am Werk ist. Die Stiftung Warentest hat einige Punkte zusammengefasst:

  • Jemand redet dem Testamentsverfasser gezielt falsche Tatsachen ein - zum Beispiel, die eigenen Kinder hätten vor, ihn ins Heim abzuschieben.
  • Jemand droht mit dem Entzug von Liebe und Pflege, falls er nicht im Testament berücksichtigt wird
  • Der Verfasser ändert sein Testament in kurzen Zeiträumen mehrmals und jeweils kurz nach dem Besuch des oder der Begünstigten
  • Jemand unterbindet gezielt den Kontakt zu anderen möglichen Erben

"Die Vorsorgevollmacht ist der Jackpot"

Hat ein Erbschleicher sein Opfer erst soweit gebracht, dass es ihm eine Vorsorgevollmacht überträgt, ist es oft schon zu spät: "Die Vorsorgevollmacht ist der Jackpot für einen Vorsorgevollmachts-Erschleicher", erklärt Erbrechtsanwalt Professor Wolfgang Böh. "Mit einer Vorsorgevollmacht gelingt es, das gesamte Vermögen zu verwalten und auch zu vernichten, beziehungsweise sich zu übertragen."

Wolfgang Böh

Professor Wolfgang Böh ist Anwalt für Erbrecht.

Eine einmal erteilte Vollmacht sei nur sehr schwer angreifbar. Vor finanzieller Ausbeutung schützen könne man den Angehörigen erst, wenn er geschäftsunfähig sei. "Die meisten Problemfälle liegen aber in einem Graubereich, in dem der ältere Mensch beeinflussbar, also formbar ist, aber eben noch nicht geschäftsunfähig. Gerade in dieser Situation ist das Risiko besonders groß, einem Vollmachtserschleicher zum Opfer zu fallen", sagt Böh.

Testament für unwirksam erklären

Nach dem Tod des Verfassers nachzuweisen, dass dieser testierunfähig war, ist häufig schwierig. Gutachter müssen unter anderem anhand von Krankenakten und Aussagen von behandelnden Ärzten zu dem Schluss kommen, dass der Erblasser beispielsweise dement war. Vage Aussagen von Zeugen à la "Ich hatte den Eindruck, XY war unkonzentriert war und dem Gespräch nicht recht folgen konnte" sind nicht ausreichend.

Sujet Erbe

Das Erbe zurückzubekommen ist für Angehörige häufig schwierig.

Wann gilt jemand als geschäftsunfähig?

Die Grenze, ab wann ein Mensch so dement ist, dass er als testierunfähig gilt, ist schwierig festzulegen. Gerichte neigen dazu, Personen mit Demenz im Anfangsstadium noch als geschäftsfähig anzusehen. Erst bei fortgeschrittener Krankheit gehen sie von Testierunfähigkeit aus, schreibt die Stiftung Warentest.

Wie kann man vorsorgen?

Zwei alte Menschen von hinten beim Spaziergang

Ein gutes Ehegattentestament kann Ärger vorbeugen.

Wenn Kinder frühzeitig gegen Erbschleicher vorbeugen wollen, können sie beim Amtsgericht eine Betreuung für einen oder beide Elternteile anregen. Diese kann gewährt werden, wenn die Eltern etwa aufgrund einer psychischen Krankheit Finanzangelegenheiten nicht mehr selbst regeln können. Mit einem Betreuer an ihrer Seite können die Eltern ihr Vermögen nicht mehr so leicht verschenken. Allerdings können Eltern den Vorstoß auch als Angriff auf ihre Freiheit sehen. Das Verhältnis zu den Kindern wird so möglicherweise erschüttert.

Ehegatten können mit einem klugen Ehegattentestament vorsorgen, so die Stiftung Warentest. Sie setzen sich darin gegenseitig zum Alleinerben ein. Im Falle des Todes des länger lebenden Partners bestimmen sie gemeinsam "Schlusserben" - beispielsweise die Kinder. Die Einsetzung der Schlusserben kann vom länger lebenden Partner nicht mehr geändert werden. Nicht-Verheiratete können den Schutz durch einen Erbvertrag erreichen.

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder.