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SENDETERMIN Di, 16.4.2019 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Fake-Shops Wenn das gebuchte Flugticket ungültig ist

Eine Verbraucherin bucht einen Flug auf der Seite airdiscount24.com. Doch das Ticket wurde nicht gebucht, das Portal angeblich insolvent. Erfahren sie, was Betroffene in so einem Fall tun können und wie man Widrigkeiten bei der Urlaubsbuchung vermeiden kann.

Kim A. will mit ihrem Freund im Mai nach Kuba. Über das Flugportal Airdiscount 24 bucht sie zwei Flüge mit der Fluglinie Condor nach Havanna und zurück für 1174 Euro - ein Schnäppchen. Doch als sie bei der Airline eine Zugfahrt dazu buchen will, zerplatzt ihr Urlaubstraum: Das Ticket gibt es gar nicht!

Kein Einzelfall

In Foren beschweren sich etliche Kunden von Airdiscount 24, die auch ohne Ticket da sitzen. Und es kursiert ein angebliches Schreiben des Unternehmens im Internet, in dem es seine Insolvenz verkündet.

Mehrere Worte blau markiert: "Da die Germania GmbH Insolvenz eingereicht hat (...) können wir unsere Buchungen (...) nicht mehr erhalten was uns wiederum zur Insolvenz geführt hat"

Im Internet kursiert ein Schreiben, nachdem airdiscount24.com insolvent sein soll.

"Da die Germania GmbH Insolvenz eingereicht hat, […] können wir unsere Buchungen [...] nicht mehr erhalten, was uns wiederum auch zur Insolvenz geführt hat."

Doch andere Opfer melden daran Zweifel an.

Kein Insolvenzvertrag eingegangen

Laut Handelsregister ist ein Ayoub A. als Geschäftsführer der Firma eingetragen. Die Internetseite ist offline, auch von IT-Experten nicht wieder herzustellen. Die Telefonauskunft findet bundesweit weder die Firma noch den Namen des Geschäftsführers. Unsere Recherchen ergeben ferner, dass unter der angegebenen Düsseldorfer Adresse keiner erreichbar ist, dort ist weder eine Klingel noch ein Briefkasten. Ein Insolvenzantrag ist bislang nicht eingegangen. Auf der staatlichen Webseite Insolvenzbekanntmachungen findet sich keine Bekanntmachung.

Das gleiche hat auch der Rechtsanwalt Vincent Aydin in Erfahrung gebracht. Inzwischen hat er fast 50 Fälle auf dem Tisch.

Vincent Aydin, Rechtsanwalt:
"Das handelt sich meist um Langstreckenflüge, die in der Zukunft liegen. Also gebucht wurde im letzten Jahr Dezember, im Januar. Flüge sollten jetzt alle im März sein. Und alle haben dann jetzt zeitnah, sozusagen kurz vor den Flügen jetzt Bescheid bekommen, dass die Firma Insolvenz angemeldet hätte. Wenn die Insolvenz gefaked ist, dann ist es ein ganz klarer Betrug."

Inzwischen mehrt sich der Verdacht, dass es sich bei dem Portal Airdiscount24 um einen Fake-Shop handelt.

Nehmen Sie Kontakt mit der Fluggesellschaft auf

Die betroffenen Fluggesellschaften, die um ihr gutes Image fürchten, empfehlen ihren Kunden, direkt bei der Airline zu buchen. In einem Reisebüro oder auf einem bekannten, seriösen Buchungsportal geht das natürlich auch.

  • Condor will auf die Geschädigten zugehen, schreibt uns:
    "Condor prüft derzeit etwaige Sonderkonditionen für betroffene Kunden."
  • Auch Passagiere, die mit Thai Airways fliegen wollten, sind von Airdiscount 24 betrogen worden. Dazu das Unternehmen:
    "Auch wenn uns keinerlei Schuld trifft, wird unser Unternehmen mit einer sehr negativen Erfahrung in Verbindung gebracht."
    Man könne aber für die Betroffenen nichts tun.

Vielleicht haben Sie ja Glück und die Fluggesellschaft, bei der Sie gebucht haben, zeigt sich kulant. Ein Versuch ist es auf jeden Fall wert.

Tipps für Opfer eines Fake-Shops

  • Wer schon Geld überwiesen hat, sollte umgehend Kontakt mit seiner Bank aufnehmen und versuchen, die Zahlung rückgängig zu machen. Wenige Stunden nach einer Onlinebestellung ist dies mitunter noch möglich. Bei anderen Zahlungsarten wie dem Lastschriftverfahren kann die Zahlung noch bis zu acht Wochen nach Einzug rückgängig gemacht werden. Und Paypal bietet beispielsweise bei Konflikten einen sogenannten Käuferschutz-Prozess an, den Sie aktivieren sollten, wenn Sie darüber gezahlt haben. Andere Bezahldienste bieten ähnliches an, informieren Sie sich.
  • Sammeln Sie alle Belege für die Online-Bestellung, dazu gehören Kaufvertrag, Bestellbestätigung, E-Mails und idealerweise auch ein Screenshot des Angebots.
  • Sie können die ausgedruckten Unterlagen von der nächstgelegenen Beratungsstelle ihrer Verbraucherzentrale prüfen lassen. Im Internet bieten die Verbraucherzentralen zudem Tipps zum Erkennen eines Fake-Shops an.
  • Rechtlich handelt es sich bei einer solchen Vorgehensweise um Betrug, Stellen Sie daher eine Strafanzeige bei der Polizei. Das funktioniert auch online. Auf den Seiten des Bundeskriminalamtes finden Sie dazu eine Liste der Internetwachen der Bundesländer.

Checkliste für die Online-Reisebuchung

Wer seine Reise online bucht, muss vorsichtig sein. Zwei Drittel der Reisevermittler in Europa missachten Kundenrechte. Das hat eine Untersuchung im Auftrag der EU-Kommission ergeben. Unsere Checkliste hilft, Risiken zu vermeiden.

Kennen Sie Ihren Vertragspartner?

Ob Pauschalreise, Flug oder Ferienhaus - so unterschiedlich wie die Angebote sind auch die Anbieter. Stellen Sie fest, ob Sie direkt bei einem Anbieter oder bei einem Vermittler buchen. Ist ein Vermittler dazwischen geschaltet, müssen Sie von beiden die Daten kennen. Wichtig sind: Name, Adresse (nicht nur Postfach), Telefonnummer, E-Mail-Adresse und Handelsregisternummer. Verschaffen Sie sich ein Bild von Ihrem Vertragspartner. Es gibt Reiseanbietervergleiche und Foren im Netz, wo man Informationen zu Anbietern findet. Beachten Sie, dass bei Verträgen mit ausländischen Vertragspartnern das Recht des jeweiligen Landes angewendet werden kann. Geht etwas schief, bedeutet das zusätzliche Komplikationen.

Kennen Sie Ihre Reisedaten und Vertragsbedingungen?

Prüfen Sie bei der Eingabe, dass Ihre Reisedaten korrekt sind. Zum Beispiel: Wann fliegen Sie? Mit welcher Airline? In welchem Hotel werden Sie untergebracht? Stimmen die Beschreibungen von Verpflegung, Hotelklasse und Zusatzangeboten? Je mehr Details Sie vor der Buchung kennen, desto besser können Sie Enttäuschungen verhindern. Achten Sie darauf, dass die Preisangabe auch im letzten Buchungsschritt noch Ihren Vorstellungen entspricht. Nutzen Sie am besten nur übersichtliche Buchungsportale. Brechen Sie im Zweifel den Buchungsvorgang ab. Lesen Sie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen möglichst genau. Auch wenn es mühsam ist, dort lassen sich manche Fallstricke schon im Vorhinein erkennen.

Drucken Sie alle Angaben aus. Wer ganz sicher gehen will, kann auch Screenshots von jedem Buchungsschritt anfertigen.

Was ist, wenn Sie umbuchen oder stornieren müssen?

Besonders aufmerksam sollten Sie die Regelungen lesen, die beschreiben, welche Kosten im Falle einer Stornierung oder einer Umbuchung anfallen. Manche Anbieter berechnen den vollen Preis, selbst wenn die Stornierung noch Monate vor Reiseantritt erfolgt. Das halten Verbraucherschützer zwar für unwirksam, aber für eine Klärung müssten die Kunden vor Gericht ziehen. Bei manchen Reisen verteuern Umbuchungen den Reisepreis erheblich. Will man beispielsweise eine Namensänderung, weil die Reise an jemanden anderen weitergegeben wurde, stornieren manche Fluggesellschaften das ursprüngliche Ticket und stellen ein neues aus, das wesentlich teurer sein kann. Auch diese Praxis wird von Verbraucherschützern als unzulässig angesehen. Empfehlenswert ist jedoch, Anbieter ohne solche Klauseln zu wählen.

Welche Reiseversicherungen brauchen Sie wirklich?

Viele Online-Reiseanbieter versuchen, zusätzlich zur Reise Versicherungspakete zu verkaufen. Schließen Sie nur Versicherungen ab, die Sie tatsächlich brauchen!
Wichtig ist die Auslandsreise-Krankenversicherung. Einen Jahresvertrag gibt es bei günstigen Anbietern schon für 8 Euro (für Familien unter 20 Euro).

Empfehlenswert bei teureren Reisen ist eine Reiserücktrittsversicherung. Sie springt bei Krankheiten und in Notfällen ein, die zwischen Buchung und Reiseantritt eine Stornierung erfordern. Achten Sie darauf, dass der Versicherungsschutz mit der Buchung beginnt. Für Notfälle nach Reiseantritt muss zusätzlich eine Reiseabbruchversicherung abgeschlossen werden. Vergleichen Sie vor Abschluss einer Reiseversicherung Preise und Leistungen. Bei einer teureren Reise lassen sich beim Versicherungsschutz bis etwa hundert Euro sparen.

Sind Ihre Daten geschützt?

Achten Sie darauf, dass Sie Ihre Daten wie Name, Adresse und Kontodaten im Netz nur auf verschlüsselten Seiten eingeben. Diese erkennen Sie daran, dass die Webadresse mit https beginnt statt mit http.

Unverschlüsselte Daten im Netz können von Kriminellen missbraucht werden.

Überprüfen Sie auch die Erklärung zum Datenschutz, damit Ihre Daten nicht gegen Ihren Willen weitergegeben werden.

Kennen Sie diese Fallen?

Bordkarte mit erhöhtem Reisepreis

Der Flugpreis steigt plötzlich um 60 Euro

Bei Pauschalreisen sollte immer ein Sicherungsschein ausgestellt werden. Zahlen Sie den Reisepreis erst, wenn Sie einen Sicherungsschein erhalten haben. Nur mit diesem Schein können Sie Geld zurückbekommen, wenn ein Reiseanbieter zahlungsunfähig wird.

Bei besonders billigen Reisen oder angeblichen Gratisangeboten sollten Sie immer auf Fallstricke achten. Entweder die Kosten werden auf anderem Wege in Rechnung gestellt (Bearbeitungsentgelt, Servicepauschale u. ä.) oder Ihre Reise ist eine Werbereise, bei der durch Verkäufe Geld verdient werden soll.

Achten Sie darauf, ob für die Kreditkartenzahlung oder andere Zahlungsoptionen teure Extragebühren berechnet werden. In Deutschland muss mindestens eine gängige Zahlungsart kostenfrei angeboten werden.

Prüfen Sie, welche Regeln für die Gepäckmitnahme gelten. Auch hier werden teilweise überraschend hohe Preise verlangt und Vermittler schlagen auf die offiziellen Preise der Airlines häufig noch etwas mehr auf.

Tipps für die Ferienhausbuchung im Internet - wie Sie sich vor Betrügern schützen:

Es gibt Werbeversprechen, die sind zu vollmundig, um wahr zu sein. Die Alarmglocken sollten schrillen, wenn zum Beispiel 20 Prozent Rabatt oder auch mehr bei Sofortzahlung angeboten werden. Vorsicht ist auch geboten, wenn damit geworben wird, 50 Prozent billiger zu sein als andere. Wenn etwas extrem günstig angeboten wird, ist also in der Regel Misstrauen angesagt.

  • Aufbau der Webseite: Oft sind die Webseiten der Betrüger nicht besonders aufwändig erstellt. Wenn auf der Seite kein Belegungskalender vorhanden ist, kein Preis oder kein Kontaktformular, kann das ein Zeichen für eine Fake-Seite sein.
  • Wunsch- oder Fake-Domizil: Prüfen Sie, ob es das Objekt überhaupt an der angegebenen Adresse gibt. Dafür können Sie die Adresse beispielsweise bei Google Maps eingeben. Auch eine Google-Bildersuche kann weiterhelfen. Taucht das Bild an verschiedenen Stellen auf und es sind verschiedene Kontaktpersonen angegeben liegt ein Betrug nahe
  • Bewertungen: Auch Bewertungen der Anbieter und Ferienhäuser helfen weiter. Aber Vorsicht: Ist die Bewertung allzu euphorisch oder blumig, kann auch das ein Fake sein.
  • Kontaktdaten und Impressum: Wer ist überhaupt der Anbieter? Wer steht im Impressum? Ist das ein Einzelanbieter oder ein Unternehmen? Klingt das seriös? Ist eine komplette Adresse und Telefonnummer angegeben? Ist man sich unsicher, kann man schauen, ob der Anbieter Mitglied bei einem Ferienhausverband ist oder eine Zertifizierung hat. Oder man sucht den telefonischen Kontakt und verschafft sich darüber einen ersten Eindruck. Dabei können sie zum Beispiel Fragen zur Wohnung stellen, die nicht auf der Webseite zu finden sind.
  • Buchungsbestätigung: Eine sofortige Buchungsbestätigung per Mail ist obligatorisch. Etwas später sollte dann per Post oder per Fax eine schriftliche Bestätigung kommen. In der Buchungsbestätigung sollte auf jeden Fall drin stehen, mit wem der Vertrag abgeschlossen wurde.
  • Bezahlung: Bezahlen muss man in der Regel erst einmal nur eine Anzahlung von 20 Prozent. Außer es ist eine sehr kurzfristige Buchung, dann wird der Gesamtbetrag etwas schneller fällig. Bei der Bezahlung ist darauf zu achten, an wen das Geld geht: Kontaktperson beziehungsweise Vermieter und Kontoinhaber sollten die gleichen sein. Komisch ist zum Beispiel, wenn der Anbieter in Mallorca sitzt und sein Geld nach Malta überwiesen haben möchte.
  • Bezahlmöglichkeiten: Ideal ist eine Bezahlung per Lastschrift oder Bezahldiensten wie Paypal, dann kann man im Notfall eine Rücklastschrift in die Wege leiten. Vorsicht ist geboten bei Überweisungen und auch Geld-Transfers mit Transferdiensten wie Western Union, Money Gram oder RIA.

Bevor nicht alle Unsicherheiten ausgeräumt sind, empfiehlt es sich, eine Buchung besser bleiben zu lassen. Vermuten Sie einen Betrug, können Sie beispielsweise bei einer Verbraucherzentrale nachfragen, ob dieser Anbieter in der Vergangenheit bereits auffällig war oder ob er bekannt ist.

Wenn nach einer Buchung etwas verdächtig wirkt, was kann ich tun?

Sollten Sie bereits gebucht haben und der vermeintliche Vermieter ist beispielsweise nicht mehr erreichbar, nachdem bereits eine Anzahlung oder mehr geleistet wurde, dann muss man von Betrug ausgehen und sollte sich an die Polizei wenden. Zusätzlich kann man sich auch mit einer Verbraucherzentrale oder der Wettbewerbszentrale in Verbindung setzen und dort den Schaden melden. So hilft man mit, diese Betrügereien in Zukunft zu vermeiden.


Filmautor: Sergej Krebs | Online: Dorothée Panse