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Preiswert, nützlich, gut? Waschen günstige Waschmaschinen wirklich schlechter?

Die Preisspanne bei Waschmaschinen ist enorm: Sie reicht von wenigen hundert Euro bis zu einigen tausend. Doch wo liegen die Unterschiede, und waschen teure Geräte wirklich besser?

Auf dem Markt gibt es ein breites Sortiment an Waschmaschinen. Die fünfköpfige Familie Wagner aus Heilbronn sucht eine neue Maschine. Dabei ist ihnen wichtig, dass das neue Gerät eine Schontrommel hat sowie energiesparsam und umweltfreundlich ist. Zudem soll die Waschmaschine acht Kilogramm Wäsche waschen können.

Reporterin Eva Röder geht mit dem Paar in einen Elektromarkt und lässt sich beraten. Drei Maschinen kommen dabei in die engere Auswahl: Eine Waschmaschine von Miele für 1.049 Euro, ein mittelpreisiges Modell von Siemens für 699 Euro und ein günstiges Gerät von Beko aus dem Internet für 365 Euro Euro. Alle Geräte sind in der Energieeffizienzklasse A+++ gelabelt und verfügen über eine Schontrommel mit acht Kilogramm Fassungsvermögen sowie über eine Nachlegefunktion. Die drei Waschmaschinen werden im Labor auf Energieverbrauch und Waschtemperatur getestet.

Schontrommel

Oben sind drei Schontrommeln mit unterschiedlich großen Noppen und Löchern abgebildet. Zum Vergleich ist unten eine alte Waschtrommel, mit gleichmäßiger Lochanordnung.

Heutige Waschtrommeln (oben) haben unterschiedlich große Löcher und Noppen.

Schontrommeln haben mehr Noppen als alte, herkömmliche Waschtrommeln. Zudem sind die Noppen und Löcher unterschiedlich groß. Die Wäsche gleitet dabei auf der Trommel, was die Textilien wiederum schont. Der Hersteller Samsung wirbt in einem Produktvideo mit einem Wasserfilm, der sich zwischen Schontrommel und Wäsche bildet, und dadurch die Textilien schonen soll.

Im Produktportfolio des Elektrofachhandels findet sich noch eine neuartige Trommel, die sich gleichzeitig in gegensätzliche Richtungen dreht. Das soll, laut Hersteller Samsung, die Waschzeit um etwa die Hälfte reduzieren.

Nachlegefunktion

Mittlerweile verfügen fast alle Waschmaschinen über Nachlegefunktionen. So können vergessene Wäschestücke noch nach dem Start des Waschprogramms nachgelegt werden. Es empfiehlt sich allerdings, die Wäsche kurz nach dem Start reinzulegen, da sie ansonsten möglicherweise nicht mehr richtig sauber wird.

Qualität der Bauteile

Die Lebensdauer einer Waschmaschine hängt auch vom Material der verbauten Teile ab. Manche Maschinen verfügen über mehr Metallteile als andere. Solche Waschmaschinen halten dann in der Regel länger, da Metallteile oftmals nicht so schnell verschleißen wie Kunststoffbauteile. Der Hersteller Miele verspricht bei einem seiner Modelle sogar eine Lebenszeit von 20 Jahren.

In höherpreisigen Modellen sind häufig Stoßdämpfer verbaut. Diese sollen zum einen die Schleuderumdrehungen dämpfen und zum anderen die Maschine insgesamt leiser machen. Zudem sollen die Geräte dann nicht mehr so leicht "wandern".

Waschmaschinen dosieren Waschmittel selbst

Zwei Hände zieht ziehen Tank, in dem sich ein blaues Waschmittel befindet, aus einer Waschmaschine. An der Arminnenseite befindet sich ein Stern als Tattoo.

Eine Waschmaschine von Miele dosiert ihr Waschmittel selbst.

Einige moderne Waschmaschinen verfügen über eigene Waschmitteltanks, aus denen sie das Flüssigwaschmittel selbst richtig dosieren. Der Nachteil besteht darin, dass nur das Waschmittel des Maschinenherstellers verwendet werden kann. Dieses ist oftmals deutlich teurer als handelsübliche Pulver oder Flüssigkeiten. Die automatische Dosierung funktioniert bei Weiß- und Buntwäsche, bei besonderen Textilien müssen Spezialwaschmittel händisch hinzugegeben werden.

Reinigung mit Sauerstoff

Der Hersteller Bosch hat eine Waschmaschine im Angebot, die Wäsche mit Sauerstoff reinigt, die nicht mit Wasser gewaschen werden darf - wie beispielsweise Sakkos. Der Sauerstoffnebel soll fast 100 Prozent aller Bakterien und Keime entfernen.

Überraschende Laborergebnisse

Drei Waschmaschinen von Miele, Siemens und Beko stehen nebeneinander. Unter den Geräten stehen die Preise sowie die Funktionen A+++, 8Kg Schontrommel und Ökoprogramme.

Alle drei Waschmaschinen haben eine 8Kg Schontrommel, Energieeffizienz A+++ und Ökoprogramme.

Die drei Waschmaschinen, die Familie Wagner in die engere Auswahl genommen hat, werden im Labor des Verbands für Elektrotechnik in Offenbach auf Waschleistung und Energieverbrauch getestet. Die Maschinen werden mit der gleichen Wäsche beladen und benutzten genormtes Waschmittel und Waschwasser. Zwischen der Wäsche werden Teststreifen mit Fett, Ruß, Mineralöl, Blut, Kakao und Rotwein mitgewaschen. Es werde jeweils das 40-Grad-Baumwoll- und das 40-Grad-Ecoprogramm getestet. Dabei überprüft das Labor nicht nur die Waschleistung, sondern auch den Stromverbrauch und die Waschtemperatur.

In Kreis ist in Viertel geteilt. Im roten oben links steht Chemie, im blauen oben rechts Mechanik, im gelben unten links Chemie und im grünen unten rechts Temperatur.

Zeit, Mechanik, Chemie und Temperatur entscheiden über saubere Wäsche. Reduziert man einen Teil, müssen die anderen erhöht werden.

Das Ergebnis überrascht: Die Waschleistung ist bei allen drei Maschinen nahezu identisch. "Die Siemens und die Miele waschen nominell ein ganz kleines bisschen besser als die Beko", sagt Hendrik Schäfer, Sprecher des VDE Prüfinstituts, wobei kein Anwender den Unterschied zu Hause bemerken würde. "Eigentlich kann man sagen, alle drei waschen gleich gut". Das Labor habe aber keinen Langzeittest gemacht und könne deswegen keine Aussagen zur Langlebigkeit und zu den verbauten Materialien treffen. So wiegt die Miele-Waschmaschine deutlich mehr als das Gerät von Beko, woraus der Experte schlussfolgert, dass in der teuren Maschine mehr verbaut worden ist.

Stromverbrauch

Drei Waschmaschinen stehen nebeneinander. Darunter befindet sich eine Tabelle, die den Energieverbrauch, die maximale Waschtemperatur sowie die Laufzeit angibt.

Die Waschmaschine von Beko verbraucht am wenigsten Energie.

"Der Stromverbrauch ist bei dem Siemens und Miele-Gerät tendenziell etwas höher", woraus auch die etwas höhere Waschleistung resultiere, sagt Schäfer. Allerdings erreichte die Beko-Waschmaschine beim 40-Grad-Baumwollprogramm eine Waschtemperatur von nur 38 Grad Celsius. Die geringere Waschtemperatur wird durch eine längere Waschzeit ausgeglichen.

Beim 40-Grad-Ecoprogramm erhitzen die Waschmaschinen das Wasser nur auf Temperaturen zwischen 32 und 36 Grad Celsius, dafür verlängert sich die Waschzeit. Dadurch wird Energie gespart, denn das Erhitzen des Wassers verbraucht beim Waschen die meiste Energie. "Bei der Miele und der Siemens kann man sagen, dass sie rund ein Drittel an Energie- und Wassereinsatz sparen", sagt Schäfer. "Beim Beko-Gerät sind die Einsparverhältnisse nicht ganz so groß", das liege aber auch daran, dass die Beko-Maschine im normalen Betrieb den niedrigsten Energieverbrauch hatte.

Familie Wagner entscheidet sich, nachdem sie die Testergebnisse kennt, für die Waschmaschine von Siemens. Von ihr erhofft sie sich das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, auch im Blick auf die Langlebigkeit.


Der Text gibt den Stand zum Sendedatum wieder.


Filmautoren: Isabel Bublitz, Christine Kämper und Sebastian Schiller | Online: Thomas Oberfranz
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