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SENDETERMIN Di, 2.4.2019 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Ethoxyquin in Lachs Der vergiftete Lieblingsfisch

Umweltschützer bemängeln, dass Fischfutter mit giftigem Konservierungsmittel versetzt ist. Anderswo verboten, gelten für Fisch keine Grenzen bei diesen Giften. 

90 Lachsfilets verputzt die Durchschnittsfamilie in Deutschland im Jahr - fast doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Geht die Massen-Züchtung zu Lasten der Gesundheit der Fische? Thilo Maack, Greenpeace-Experte für Meeresbiologie, warnt: "Der Verbraucher kann sich letztendlich nicht sicher sein, ob in dem Stück Fisch, was er kauft, nicht tatsächlich Ethoxyquin drin ist. Eine Chemikalie, die als Pestizid längst verboten ist."

Wie gefährlich ist Ethoxyquin?

Studien, die die Auswirkungen auf den Menschen untersuchen, fehlen noch. Forscher kennen jedoch die Auswirkungen auf Tiere.

Fabian Schäfer, Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei

Fabian Schäfer, Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei

Der Biologe Fabian Schäfer arbeitet am Berliner Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei und beschäftigt sich seit Jahren mit der Chemikalie. Er sagt: "Tierversuche zum Beispiel bei Ratten oder Hunden zeigen, dass Ethoxyquin über einen gewissen Zeitraum Schäden hervorrufen kann, zum Beispiel an der Leber."

Nicht nur Ethoxyquin selbst sei bedenklich, sondern auch seine Abbauprodukte. Fabian Schäfer vermutet, dass die Abbauprodukte oder auch Verunreinigungen bei der Herstellung noch schädlicher seien als Ethoxyquin selbst.

Wie kommt Ethoxyquin in den Fisch?

Die Antwort lautet: Mit dem Futter. Das wird aus Südamerika in die norwegischen Zuchtfarmen transportiert. Bei dem langen Transport besteht die Gefahr, dass das Futter auf dem Weg ranzig wird. Die Chemikalie Ethoxyquin soll das verhindern.

"Die Lachse fressen das Futter", erklärt Fabian Schäfer, "es dringt in den Körper ein und wird dort besonders im Fettgewebe eingelagert. Und es konnte gezeigt werden, dass das bis zur Schlachtung nicht wieder vollständig entfernt wird und entsprechend kann es auch im fertigen Produkt vorhanden sein."

Anders bei Bio-Lachs: Das Futtermittel für Bio-Aquakulturen legt nicht so lange Wege zurück, dementsprechend muss dort auch kein Ethoxyquin eingesetzt werden. Da das Pflanzenschutzmittel über das Futtermittel in den Fisch gelangt, sind Wildlachse ebenfalls frei von Ethoxyquin.

Thilo Maack, Greenpeace

Thilo Maack, Greenpeace

Auch bei konventionellem Lachs gäbe es Alternativen. Zum Beispiel könnte man die Futtermittel kühlen oder alternative Antioxidantien einsetzen, wie zum Beispiel Ascorbinsäure, also Vitamin C.

"Der Grund, warum das nicht gemacht wird", erklärt Thilo Maack von Greenpeace, "ist schlicht und ergreifend in der Finanzierbarkeit zu suchen. Es ist deutlich teurer." Das dürfte ein wichtiger Grund sein, warum die norwegische Lachsindustrie weiterhin auf das billige Ethoxyquin setzt.

Wie belastet ist Lachs aus dem Supermarkt?

Wir haben Bio-Lachsfilets von Icewind, followfish und Golden Seafood untersuchen lassen - auf Ethoxyquin und seine Abbauprodukte. Außerdem konventionellen Lachs von ja!, Seagold, Berida, Gut & Günstig, Costa und iglo.

Das Ergebnis: Die Biolachsproben waren alle frei von Ethoxyquin. Anders beim konventionellen Lachs: Bereits 70 Mikrogramm hatte der Lachs mit der geringsten Belastung, das Lachsfilet von Iglo sogar 2.000 Mikrogramm.

Ist das viel? Für Fisch selbst gibt es keinen Grenzwert, daher ziehen wir zum Vergleich den Grenzwert für Fleisch heran. Dort liegt der Grenzwert schon bei 50 Mikrogramm. Das Lachsfilet von Iglo hatte somit die 42-fache Menge des Grenzwertes für Fleisch.

Was sagen die Unternehmen? Iglo mit dem höchsten Ethoxyquin-Wert im Lachs äußert sich nicht. Edeka verfolgt das Ziel "...den Gehalt von Ethoxyquin ... zu reduzieren...". Und Hersteller Costa arbeitet "an Ethoxyquin-freiem Futter..."

Warum gibt es bei Fisch keinen Ethoxyquin-Grenzwert?

Im Gegensatz zu allen anderen Lebensmitteln gibt es bei Fisch keinen Ethoxyquin-Grenzwert. Selbst Hundefutter darf nur 0,1 Gramm Ethoxyquin enthalten. Ist ein Grenzwert bei Fisch überflüssig?

"Überall da wo Geld ist, gibt es auch eine Lobbymaschine", sagt Thilo Maack. "Und diese Lobbymaschine scheint in Brüssel dafür gesorgt zu haben, dass ein Grenzwert für Fischprodukte bis heute nicht beschlossen ist. Offensichtlich geht es da in erster Linie um das Bedienen von wirtschaftlichen Interessen und nicht darum, wirklich gesunde Lebensmittel auf den Markt zu bringen. Das heißt, der Gesetzgeber muss jetzt einschreiten."

Immerhin: Die EU hat einen ersten Schritt getan, damit Lachse aus konventioneller Zucht frei von Ethoxyquin werden. Die Chemikalie im Futter soll ab 2020 ganz verboten werden. Doch da gibt es noch ein Problem. Die zuständige EU-Behörde hat von der Futtermittelindustrie neue Studiendaten bekommen. Danach soll Ethoxyquin unbedenklich sein. Die EU-Behörde schreibt uns dazu: "Die Bewertung der Informationen ist noch nicht abgeschlossen."

Thilo Maack ist skeptisch was die Studien der Futtermittelindustrie anbelangt: "Es wäre wirklich ein Wunder, wenn die offensichtliche Bedenklichkeit für alle diese Lebensmittel da wäre, aber auf einmal für Fisch nachgewiesen wäre, dass diese Bedenklichkeit nicht da ist. Also es wäre wirklich ein Wunder. Oder eine gut geschmierte Lobbymaschine. Das muss jeder für sich selber beantworten."

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder

Filmautor: Thomas Förster, RBB | Online: Moritz Hartnagel
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