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SENDETERMIN Di, 7.5.2019 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Von günstig bis teuer Welcher Fahrradhelm schützt am besten?

Bei Unfällen mit dem Fahrrad sind viele froh, einen Fahrradhelm zu tragen. Doch was macht einen guten Fahrradhelm aus? Wir haben fünf Helme im Labor und in der Praxis getestet.

Vor dem Kauf des Fahrradhelms beachten:

  • Bei einem Aufprall, den Helm sofort durch einen neuen ersetzen, auch wenn er äußerlich keine Schäden aufweist. Ein Aufprall macht mikroskopisch kleine Risse in den Kunststoff und macht ihn brüchig. Somit ist der Helm nicht mehr sicher.
  • Ohne Aufprall den Helm nach spätestens 5-6 Jahren austauschen. Die UV-Strahlung der Sonne sorgt ebenfalls dafür, dass der Kunststoff mit dem Alter porös und rissig wird. Auch das ist auf den ersten Blick nicht immer sichtbar.
  • Gebrauchte Helme könnten beschädigt sein. Es lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob es mit einem gebrauchten Helm bereits zu einem Sturz gekommen ist.
  • Bei sogenannten S-Pedelecs – Fahrrädern mit Elektroantrieb über 25 km/h – muss der Helm der Motorradhelm-Norm entsprechen, sagt das Bundesverkehrsministerium. Bei Nichtbeachtung droht ein Ordnungsgeld. Zudem gibt es Versicherungen, die in solchen Fällen die Schadenersatzleistung kürzen. 
  • Bei langsameren E-Bikes und Pedelecs besteht zwar keine Helmpflicht. Dennoch ist es aus Sicherheitsgründen empfehlenswert einen Helm aufzusetzen.
  • Kopf-Airbags können sich bei leichter Erschütterung plötzlich öffnen. Zum Beispiel, wenn man über U-Bahn-Gleise fährt. Das ist gefährlich und zudem auch teuer. Ein Kopf-Airbag kostet meist etwa 300 Euro und bläst sich nur einmal auf.

 

Tipps beim Kauf von Fahrradhelmen:

  • Anprobieren: Der Helm sollte bequem auf dem Kopf sitzen. Manche Helme lassen sich individuell auf die Kopfform einstellen. Am besten mit dem Kopf wackeln und darauf achten, dass der Helm möglichst genau auf dem Kopf sitzen bleibt.
  • TÜV- und GS Siegel sind ein Hinweis auf Sicherheit und sollten vorhanden sein.
  • Die Ausstattung der Helme variiert. Je nach Gebrauch, könnten Helme mit integriertem Fliegenschutz-Netz, LED-Rücklicht oder Regenschutz interessant sein.
  • Es gibt verschiedene Arten von Kinn-Gurten. Ob Klick-Verschluss, magnetisches Einrasten oder Verschlüsse wie bei einem Kabelbinder. Letztlich ist das beim Kinn-Gurt Geschmackssache.

Discounter-Helm genauso gut wie Markenhelm?

Radfahrer setzt sich seinen Fahrradhelm auf

Ein Fahrradhelm schützt bei einem Unfall den Kopf.

Marktcheck hat fünf Modelle aus verschiedenen Preiskategorien und von verschiedenen Herstellern gecheckt. Alle sind sogenannte City Helme für Erwachsene, die unter 80 Euro kosten und von Männern und Frauen gleichermaßen getragen werden können. Zudem haben alle ein GS- und ein TÜV-Siegel, sowie einen Fliegenschutz und ein Kinnpolster.

Im Check sind drei Marken-Helme: Der Uvex I-VO CC, der Abus Urban I 2.0 und der Alpina Panoma City 2.0. Alle drei kosten 79,95 Euro. Daneben nehmen wir zwei günstige Helme vom Discounter unter die Lupe: von Netto der Fischer Urban Levin und von Lidl der CRIVIT. Beide kosten 19,99 Euro.

Beim ersten Eindruck fällt auf: Der günstige Discounter-Helm von Lidl hat die beste Ausstattung: Er hat einen Regenschutz und ein LED-Rücklicht. Beim deutlich teureren Alpina-Helm sind die Polster auf der Innenseite zu locker. Was den Kinn-Gurt betrifft sticht der Uvex-Helm hervor, der Verschluss rastet gut ein. Allerdings: Bis auf den Uvex-Helm haben alle ein LED Rücklicht.

Sturztest im Labor

Die fünf Fahrradhelme schützen alle in etwa gleich gut.

Die fünf Fahrradhelme schützen alle in etwa gleich gut.

Um auch die „inneren Werte“ der Helme unter die Lupe zu nehmen, bringen wir die Fahrradhelme ins Labor. Es wird ein Aufprall aus 1,60 Metern Höhe simuliert, was einer Geschwindigkeit von 20 Stundenkilometern entspricht. Sensoren im Inneren des Prüfkopfes zeichnen den Sturz dabei genau auf. Egal ob teuer oder billig: Alle Helme haben ein ähnlich gutes Dämpfungsverhalten. Dieses sagt aus, wie sehr ein Sturz gedämpft wird und welche Kraft am Ende auf den Kopf wirkt.

Verrutsch-Test

Je weniger der Helm verrutscht, desto besser.

Je weniger der Helm verrutscht, desto besser.

Bei einem Unfall ist es wichtig, dass der Helm nicht zu sehr verrutscht oder gar vom Kopf fällt. Ein guter Helm bleibt möglichst exakt in seiner Ausgangsposition sitzen. Immerhin: Kein Helm rutscht ganz vom Kopf, dennoch gibt es deutliche Unterschiede. Die Helme von Lidl und Uvex verrutschen am wenigsten. Am schlechtesten schneidet bei diesem Check der Helm von Netto ab.

Fazit

Der Uvex-Helm überzeugt am meisten und ist somit unser Gesamtsieger. Unser Preis-Leistungs-Sieger ist der Lidl-Helm. Der kostet nur 19,99 Euro und hat im Labor ein gutes Ergebnis erzielt. Schlusslicht: Der Helm von Netto – die Verarbeitung mäßig und im Labor verrutschte der Helm am stärksten. Doch für welchen Helm man sich am Ende auch entscheidet – am wichtigsten ist, überhaupt einen zu tragen.

Weitere, spannende Beiträge zu Fahrrädern finden Sie auch in der ARD-Audiothek.

Filmautor: Moritz Hartnagel | Online: Panagiotis Fotiadis