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Versicherer erweitern Angebot Großes Interesse an privaten Internet-Versicherungen

Die Versicherer entdecken den privaten Internetschutz für sich. Doch bevor Verbraucher eine solche Police abschließen, sollten sie ihre bestehenden Verträge genau prüfen.

Ein Symbolbild für Cyberabwehr mit blauen offenen Schlössern und einem roten geschlossenem Schloss

Viele Deutsche wünschen sich einen Rundum-Cyber-Versicherungsschutz.

Jeder fünfte Deutsche hat Interesse an einem privaten Rundum-Cyber-Versicherungspaket. Das ergab eine Umfrage des internationalen Meinungsforschungsinstituts YouGov. Bislang bieten nur wenige Versicherungen solche Policen für Privatpersonen an. In der Regel heißen solche Angebote "Internetschutz". Sie konzentrieren sich auf die Absicherung vor finanziellen Schäden - etwa durch Betrug beim Onlinebanking - oder auf die Rettung von wichtigen Daten, zum Beispiel nach einem Virenbefall oder Hackerangriff.

Solche Versicherungen kosten ein paar Euro im Monat. Manche Pakete beinhalten Zusatzleistungen in Form von Virenschutzprogrammen für den Computer.

Zu sehen ist ein gesichtsloser Hacker in dunklem Kapuzenpullover, der vor einem Computer sitzt

Jeder vierte Deutsche wurde bereits Opfer von Internetkriminalität.

Jeder vierte war bereits Opfer

Jeder vierte Deutsche wurde schon einmal Opfer von Internetkriminalität - der durchschnittliche Schaden lag dabei bei 390 Euro. Jeder dritte Befragte bekam den finanziellen Verlust zumindest teilweise ersetzt. Trotzdem glaubt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), dass die Nachfrage nach solchen neuen Cyberversicherungen für Privatpersonen groß sein wird. Die Menschen hätten das Bedürfnis, sich im Internet sicherer zu fühlen.

Der Versicherungsverband arbeitet derzeit an sogenannten Musterbedingungen, an denen sich ihre Mitglieder orientieren können, wenn sie entsprechende Verträge anbieten. Anhand solcher Musterbedingungen sind in den vergangenen Jahren viele Policen für Unternehmen entstanden, hier bestehe eine große Nachfrage. Ab Mitte des Jahres, wenn der Verband die Musterbedingungen fertig erstellt hat, werden voraussichtlich mehr Versicherungsunternehmen private Internetschutzpolicen anbieten. Dann können Verbraucher auch mehr Angebote miteinander vergleichen.

Vorsicht vor Doppelversicherung

Privatpersonen sollten gründlich prüfen, ob sich für sie eine Cyber-Police wirklich lohnt, denn das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Viele Schäden sind möglicherweise bereits durch bestehende Verträge abgedeckt, vor allem durch Rechtsschutz-, Haftpflicht- oder Hausratversicherungen.

Cyber-Kriminalität

Rechtsschutzversicherungen zahlen die Anwaltskosten auch bei Betrug beim Onlineshopping.

Wer beim Onlineshopping betrogen worden ist und dagegen juristisch vorgeht, der kann sich die Anwaltskosten in der Regel von der Rechtsschutzversicherung erstatten lassen. Verträge gelten, unabhängig davon ob der Betrug online oder offline geschehen ist.

An die Privathaftpflichtversicherung können sich Internet-User wenden, die versehentlich eine Mail mit Schadsoftware an andere weitergeleitet und dadurch einen Schaden angerichtet haben. Besonders bei relativ neu abgeschlossenen Versicherungen sind viele Fälle von Cyberkriminalität abgedeckt, bei älteren Policen können oft Zusatzbausteine hinzugebucht werden.

Nach einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung bekommt heute schon jedes dritte Opfer von Cyberkriminalität seinen Schaden durch bestehende Versicherungsverträge voll ersetzt. Bevor Verbraucher eine Cyberversicherung abschließen, sollten sie sich fragen, vor was sie eigentlich geschützt werden wollen. Zudem sollten sie mit ihrem Versicherungsvertreter sprechen, ob die bestehenden Verträge möglicherweise ausreichen.


Autor: Michael Wegmer | Online: Thomas Oberfranz
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