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Verseuchte Böden in Mittelbaden So gelangt die Chemikalie PFC ins Blut

Über 300 Menschen aus der Region Rastatt hatten sich bis Juni 2018 Blut abnehmen lassen, um an einer wissenschaftlichen Studie teilzunehmen. Diese wollte herausfinden, wie sich die Belastung von Böden und Trinkwasser in der Region mit der Chemikalie PFC auf den Menschen auswirkt. Jetzt liegen die Ergebnisse vor.

Verblühte Sonnenblume

Wenn der Acker verseucht ist, wächst nichts mehr richtig.

Die hohe PFC-Belastung in der Umwelt Mittelbadens führt zu erhöhten PFC-Werten im Blut der Anwohner. Das zeigt die Studie im Auftrag des Gesundheitsministeriums. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede bei der Belastung.

Belastetes Trinkwasser führt zu erhöhten Blutwerten

Studienteilnehmer, die an einem Ort leben, an dem zeitweise PFC-belastetes Trinkwasser aus dem Wasserhahn floss, zeigten deutlich erhöhte PFC-Konzentrationen im Blut. Weniger erhöhte Werte ergaben sich bei den Teilnehmern, die kein PFC-belastetes Trinkwasser getrunken, aber Obst und Gemüse von belasteten Äckern gegessen hatten. Damit ist für das Ministerium eines schon mal klar: Alle Trinkwasserbrunnen mit erhöhten PFC-Werten bleiben auch künftig außer Betrieb.

Ackerland rund um Kuppenheim

Ackerland rund um Kuppenheim.

Böden weiter belastet

Das löst allerdings nicht das grundsätzliche Problem, die dauerhafte Belastung von Böden und Grundwasser in der Region. Sie entstand, als vor rund 10 Jahren Kompost auf etwa 600 Hektar Felder ausgebracht wurde, der mit Papierschlamm vermischt war. Und in dem steckte Chemikalien der Stoffgruppe PFC, die sich in der Umwelt kaum abbauen.

Auswirkungen auf den Menschen noch unklar

PFC - diese Abkürzung steht für per- und polyfluorierte Chemikalien. Es handelt sich dabei um eine Gruppe von über 3000 künstlich hergestellte Stoffen. Sie alle zeichnet aus, dass sie fett-, wasser- und schmutzabweisendend sind. Deshalb kommen wir in unserem Alltag immer wieder mit ihnen in Berührung, sie stecken zum Beispiel in regenfester Outdoor- oder Arbeitskleidung, in schmutzabweisenden Teppichen, oder im Papier von Pizzakartons und Pappbechern.

Klar ist, dass sich diese Chemikalien in der Umwelt nicht abbauen. Unklar ist aber noch, ab welcher Konzentration sie gefährlich werden und wie genau sich die Stoffe auf die menschliche Gesundheit auswirken. Laut Umweltbundesamt wirken die Stoffe in Tierversuchen "mäßig toxisch", bei Langzeitversuchen lösten sie Tumore aus.

Dominik Bartoschek, SWR-Redaktion Umwelt und Ernährung | Online: Andreas Reinhardt