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SENDETERMIN Di, 16.4.2019 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Trockenshampoo Hält das Trendprodukt, was es verspricht?

Der Klassiker unter den Haarpflegeprodukten wurde zwar schon Anfang des 20.Jahrhunderts erfunden, doch jetzt ist er wieder so richtig beliebt.

Die Dusche aus der Dose - so wird das Trockenshampoo auch genannt. Es passt wahrscheinlich wunderbar in unsere Zeit, weil es verspricht, ganz schnell zwischendurch die Haare frisch zu machen, ganz ohne föhnen oder stylen.  Viele Hersteller haben deshalb in den vergangenen Monaten Trockenshampoos auf den Markt geworfen. Doch sind die wirklich so gut für das Haar? Kann das Trendprodukt wirklich Haarewaschen mit Wasser ersetzen? Und was machen sie mit der Kopfhaut? Marktcheck hat den Test gemacht. Sechs Frauen testen sechs verschiedene Produkte.

Marktcheck testet sechs Trockenshampoos

  • Isana von Rossmann, 0,87 Euro/ 100 ml
  • Balea von dm, 0,87 Euro/ 100 ml
  • Batiste, 1,67 Euro/ 100 ml
  • Nivea, 1,82 Euro/ 100 ml
  • got2be von Schwarzkopf, 1,97 Euro/ 100 ml
  • Wella, 12,17 Euro/ 100 ml

Die Preise sind höchst unterschiedlich. Spiegelt sich das auch in der Qualität wider?

Untersuchung der Kopfhaut beim Hautarzt

Unsere Probandinnen lassen ihre Kopfhaut vor dem Test von einem Dermatologen untersuchen. Professor Jürgen Bauer aus Stuttgart ist mit der Kopfhaut aller Testerinnen im Großen und Ganzen zufrieden, vereinzelt attestiert er leicht trockene Kopfhaut. Professor Bauer glaubt aber, dass sich der Zustand der Kopfhaut durch das Trockenshampoo verschlechtern könnte. Trotzdem entscheiden sich die Testerinnen, bei einem mehrtägigen Intensivtest jeweils ein Spray zu Hause auszuprobieren.

Wie verwendet man eigentlich Trockenshampoo?

Trockenshampoo kennt nicht jeder. Deshalb zeigt unseren Testerinnen Friseurmeisterin Andrea Beierlein von der Friseur-Akademie in Stuttgart, wie man das volle Potenzial des Trockenshampoos nutzt. Man sprüht es auf die Stellen am Ansatz, die eine Auffrischung benötigen. Dann lässt man es einige Minuten einwirken und massiert dabei mit den Fingern sanft die Kopfhaut. Danach wird es wieder aus dem Haar ausgebürstet oder auch geschüttelt.

Andrea Beierlein: "Was da rauskommt, sind einfach die Stärkepartikel, die das Fett und den Talg oder die Feuchtigkeit mit aufsaugen. Dann bürstet oder schüttelt man es einfach aus. Dadurch hat man Gefühl, dass es einfach wieder ein bisschen frischer wirkt."

Das erste Problem für die Testerinnen

Nicht alle Trockenshampoos lassen sich leicht entfernen. Bei einigen bemerken unsere Testerinnen nach dem Auskämmen noch weiße Rückstände im Haar. Trotzdem wollen die Frauen sich der Herausforderung stellen: Fünf Tage sollen sie ihre Haare nicht waschen und nur Trockenshampoo verwenden.

Welche Stoffe sind in den Trockenshampoos enthalten?

Dermatologe Professor Jürgen Bauer erklärt, dass die Basis der getesteten Trockenshampoos Stärke sei. Außerdem enthalten die Produkte Treibgas und Parfüm. Bei dem "got2be"-Spray von Schwarzkopf fällt dem Experten allerdings auf: "Einer der deklarationspflichtigen Duftstoffe wurde von der EU als nicht sicher eingestuft, weil er möglicherweise eine hormonaktive Wirkung hat. Wenn kleine Mengen davon über die Haut in den Körper aufgenommen werden, könnte das zum Beispiel zu Zyklusstörungen führen. Deshalb würde ich sowas, wenn es Alternativen gibt, und die gibt es hier, vermeiden."

Hersteller des "got2be"-Sprays von Schwarzkopf ist die Firma Henkel. Sie erklärt auf unsere Nachfrage: "Was den Einsatz des Duftstoffes Lilial anbelangt, so ist dieser in den von uns eingesetzten Konzentrationen als sicher im Produkt anzusehen. Davon abgesehen, arbeiten wir kontinuierlich an einer weiteren Optimierung unserer entsprechenden Duftkonzepte."

Quelle: Henkel AG & Co. KGaA

Testergebnis der sechs verschiedenen Trockenshampoos

Nach fünf Tagen Testphase treffen wir unsere Probandinnen vor dem Ergebnischeck beim Hautarzt wieder. Und tatsächlich sind sie mit ihrem Trockenshampoo grundsätzlich gut zurechtgekommen, einige Meinungen: "Meine Haare fühlen sich jetzt nicht frisch gewaschen an, aber sie sind auf jeden Fall nicht fettig und sehen gut aus." "Die Kopfhaut ist so ein bisschen matt, wenn man reinlangt, aber das macht man ja nicht ständig, von daher fühlt man keinen großen Unterschied." "Ich war ja anfangs eher skeptisch, was das Ganze angeht. Ich freu mich jetzt wahnsinnig über eine Haarwäsche, aber ich werde schon ab und zu mal wieder drauf zurückgreifen."

Dermatologe Bauer untersucht nach der Testphase die Kopfhaut der Probandinnen und bemerkt keine Veränderungen. Die Kopfhaut ist bei keiner der Frauen gereizter oder trockener geworden. Im Praxistest liegen deshalb alle Trockenshampoos etwa gleich auf.

Fazit

Unser Fazit: Aufgrund des bedenklichen Inhaltsstoffs liegt das Produkt von Schwarzkopf bei uns auf dem letzten Platz. Trotz des hohen Preises von über 12 Euro pro 100ml hat das Trockenshampoo von Wella nicht besonders überzeugt und liegt damit im Mittelfeld. Insgesamt am besten schlägt sich das Balea-Spray von dm. Die Inhaltsstoffe waren vergleichsweise mild und auch im Praxistest konnte das Trockenshampoo überzeugen.



Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder

Filmautorin: Inga Vennemann | Online: Heike Scherbel
© SWR Marktcheck