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SENDETERMIN Di, 6.6.2017 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Urlaubsfrust Was tun bei Reise-Ärgernissen?

Marktcheck fragt Möller

Wer eine Reise macht, der kann was erzählen. Aber längst nicht immer sind das nette Geschichten. So wird etwa ein Ehepaar aus Wurmlingen einfach am Fughafen in Rom zurück gelassen, obwohl das Gepäck bereits verladen war. Aber welche Ansprüche hat das Paar jetzt? Ob turbulente Flugreisen, schlingernde Kreuzfahrten oder Fallen bei den Roaming-Gebühren - Tipps zum Reiseärger gibt Rechtsexperte Karl-Dieter Möller.

Hier hier finden Sie Informationen zu:

  1. Flugreisen
  2. Kreuzfahrten
  3. Roaming-Gebühren

1. Ärger bei der Flugreise

Darf ein Flugzeug ohne Passagiere starten, obwohl deren Gepäck eingeladen wurde?
Allein durch das Einchecken des Gepäcks ergibt sich kein Anspruch auch an Bord des Flugzeugs gehen zu dürfen. Wer beispielsweise nicht rechtzeitig am Gate erscheint, wird möglicherweise nicht mitgenommen. Meist laden die Airlines das Gepäck dann aus Sicherheitsgründen sogar wieder aus.
Wird ein Fluggast nicht transportiert – wegen Überbuchung, Flugausfall oder bei größeren Verspätungen hat er Anspruch auf Entschädigung nach der Fluggastrechteverordnung. Je nach Länge der Reisestrecke zwischen 250 und 600 Euro.

Muss sich die Fluggesellschaft nicht darum kümmern, dass die gestrandeten Fluggäste zum Zielort kommen?
Doch, häufig werden bei Annullierung oder Überbuchung Busse zum Zielort organisiert, die man dann auch in Anspruch nehmen muss. Bahn- oder Bustickets werden im Regelfall erstattet, Mietwagen-Rechnungen dagegen selten.
Aktuell hört man immer häufiger von annullierten Air Berlin-Flügen, zum Beispiel von Köln nach Berlin, bei denen die Passagiere dann mit dem Bus transportiert werden. Ist das zulässig?
Ja, die Airline darf ihre Passagiere auch mit anderen Verkehrsmitteln zum Ziel bringen. Allerdings haben die Kunden Anspruch auf Entschädigung nach dem EU-Fluggastrecht. Im Falle der Flugstrecke Köln - Berlin sind das 250 Euro Entschädigung pro Person.

Was ist eigentlich, wenn man durch die Flugverspätung einen Arbeitstag verliert? Kann man dafür Schadenersatz verlangen?
Einen Verdienstausfall durch eine Flugverspätung kann man unter Umständen geltend machen:
Dazu muss man einen wirtschaftlichen Schaden nachweisen: Bei Angestellten durch eine Verdienstausfallbescheinigung, bei Selbstständigen ist ein Nachweis der Gewinnminderung nötig (OLG Düsseldorf, 31. Januar 2007, Az. I-18 U 110/06)
Für Schadenersatzforderungen ist der Nachweis eines Verschuldens der Airline notwendig. Der Reisende ist in der Beweispflicht.
Schadenersatz wegen vertaner Urlaubszeit gibt es im Regelfall nur im Rahmen von Pauschalreisen. Ansonsten werden solche immateriellen Schäden nicht ersetzt.
Wichtig: Die EU-Fluggastrechte gelten im Prinzip auch bei Flügen im Rahmen von Pauschalreisen. Allerdings lassen deutsche Gerichte bei Charterflügen größere Verspätungen zu. In solchen Fällen lohnt es sich trotzdem, die Entschädigung nach den EU-Fluggastrechten zu prüfen.

Wie komme ich an eine Entschädigung?
Fordern Sie zunächst die Fluggesellschaft auf, die Entschädigung zu zahlen. Wenn sich nach zwei Monaten nichts getan hat, können Sie sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp) wenden.
Es gibt außerdem kommerzielle Fluggasthelfer, die gegen eine prozentuale Beteiligung die Fluggastrechte bei den Airlines für die Passagiere geltend machen. Portraits der großen Anbieter finden Sie bei der Stiftung Warentest. Weitere Details zu den Fluggastrechten finden Sie in der "Marktcheck-Bildergalerie Fluggastrechte"


2. Kundenrechte bei Kreuzfahrten

Reiseärger gibt es nicht nur bei Flügen. Kreuzfahrten werden immer beliebter und auch da läuft nicht immer alles reibungslos.

Dürfen bei Kreuzfahrten Zwangs-Trinkgelder zusätzlich zum Reisepreis verlangt werden?
Grundsätzlich müssen obligatorische Service-Entgelte in den Reisepreis eingerechnet werden.
(BGH, Urteil vom 7. 5. 2015, Aktenzeichen: I ZR 158/14).

Diese Entscheidung kann der Kunde allerdings nicht direkt beim Veranstalter geltend machen. Denn es ist lediglich wettbewerbswidrig Werbung mit günstigen Preisen zu machen, ohne die Service-Entgelte mit anzugeben. Allerdings kann der Kreuzfahrtkunde sich bei der Wettbewerbszentrale über solche Angebote beschweren.
Die Unternehmen haben inzwischen auf die Entscheidung reagiert. Sie deklarieren die obligatorischen Trinkgelder als freiwillig. Dennoch sollte man der Wettbewerbszentrale oder einer Verbraucherzentrale melden, wenn Gelder automatisch abgebucht werden.

Kreuzfahrtkunden sollten außerdem bedenken, dass das Personal auf Kreuzfahrten häufig schlecht bezahlt wird. Sie sind meist auf Trinkgelder angewiesen.

50 Prozent Anzahlung für eine Kreuzfahrt. Ist das zulässig?
Weiteres Ärgernis bei Kreuzfahrten sind sehr hohe Anzahlungen von 35 bis 50 Prozent auf den Reisepreis. Maximal 20 Prozent sind erlaubt (OLG Rostock, Entscheidung vom 06.05.2015
- 2 U 22/14). Das gleiche gilt übrigens auch für Flugreisen. Auch dort sind Anzahlungen nur bis 20 Prozent zulässig (BGH, 09.12.2014 - X ZR 85/12).

Reisemängel bei Kreuzfahrten
Nicht alle Änderungen sind gleich ein Reisemangel, der zu einer Reisepreisminderung berechtigt.

  • So ist der Austausch des Schiffs gegen ein anderes kein Reisemangel, wenn das Ersatzschiff vergleichbare Qualität bietet (Amtsgericht München, Urteil vom 17.06.2016, 133 C 952/16).
  • Ist beim An- und Ablegen gelegentlich Motorenlärm zu hören, ist dies kein Reisemangel. Lärm muss über das gewöhnliche Maß hinausgehen (Amtsgericht Rostock, Urteil vom 25.09.2015
    - 47 C 76/15 - )

Bei folgenden Mängeln darf man den Reisepreis meist mindern:

  • Änderung der Reiseroute (Amtsgericht München, Urteil vom 26.03.2015 - 275 C 27977/14 - )
  • Bekommt der Reisende nur eine Innenkabine statt der gebuchten Balkonkabine kommt eine Minderung von 10 Prozent in Betracht (Amtsgericht Rostock, Urteil vom 16.10.2015
    - 47 C 180/15 - )

Welche Mängel zu welcher Reisepreisminderung berechtigen, kann in verschiedenen Urteilssammlungen nachgelesen werden: zum Beispiel in der Kemptener Tabelle, der Frankfurter Tabelle oder einer Tabelle des ADAC (weitere Informationen dazu finden Sie am Ende des Artikels. Die Würzburger Tabelle beschäftigt sich mit dem Reiserecht bei Kreuzfahrten.


3. Roaming-Gebühren in der EU abgeschafft – Wo sind die Fallen?

Telefonieren und Smartphone nutzen wie zu Hause, nach diesem Motto werden die zusätzlichen Gebühren (Roaming) in der EU (dazu zählen außerdem: Island, Norwegen und Liechtenstein) zum 15. Juni 2017 entfallen. Die Schweiz gehört nicht zur EU. Manche Telefonanbieter haben zwar angekündigt, dort ebenfalls keine Roaming-Gebühren zu erheben. Wer Schweizer Netze nutzen will, sollte jedoch vorher genau nachfragen.

Und es gibt auch in der EU einige Einschränkungen: So haben einige Anbieter ihre Datentarife im Ausland geändert. Sie sind teilweise auf ein Drittel der üblichen Datenmenge beschränkt.
Viele Sondertarife für Filme und Musik gelten nur im Inland.

Auch wer einen längeren Auslandsaufenthalt von mehreren Monaten zum Beispiel zum Überwintern plant, sollte sich erkundigen, ob dann noch die Gebührenfreiheit gilt. In diesen Fällen muss möglicherweise ein Sondertarif abgeschlossen werden. Oft lohnt sich auch der Kauf einer Sim-Karte des jeweiligen Landes. Man kann sie von Deutschland aus online bestellen.

Tarife ohne Auslandsfunktion
Einige Anbieter haben inzwischen reine Deutschland-Tarife im Angebot. Prüfen Sie vor einem neuen Vertragsabschluss oder einer Auslandsreise, ob Sie mit dem Vertrag im Ausland telefonieren können. Sie können möglicherweise eine Auslandsoption hinzubuchen. Ein rechtlicher Anspruch darauf besteht jedoch nicht.

Sonderrechte für Schiff und Flugzeug
Wer auf einem Schiff oder im Flugzeug sein Handy nutzt, kann in eine Kostenfalle tappen. Dort werden möglicherweise hohe Zusatzgebühren berechnet, zum Beispiel wenn Sie in internationalen Gewässern unterwegs sind oder boardeigene Netze nutzen. Schalten Sie die automatische Netzwahl aus und nutzen Sie möglichst kostenloses W-Lan oder telefonieren Sie beim Landgang.

Roaming in Nicht-EU-Ländern
In Nicht-EU-Ländern muss weiterhin mit hohen Gebühren gerechnet werden. Allerdings müssen die Telefonanbieter ihre Kunden deutlich und verständlich darauf hinweisen, wie hoch beispielsweise die Kosten für die Datennutzung sind oder dass gebuchte Flatrates sich nicht auf Auslandsnutzung beziehen (AG Wiesbaden • Urteil vom 3. Juli 2012 • Az. 91 C 1526/12,
AG Düsseldorf • Urteil vom 1. Oktober 2014 • Az. 24 C 3609/14).
Manche Anbieter haben die Kosten für das Datenroaming auf 500 Euro begrenzt. Auch hier gilt: eine Sim-Karte des Gastlandes zum Internetsurfen ist im Regelfall wesentlich kostengünstiger.

Übrigens: Mobile Anrufe aus deutschen Netzen ins EU-Ausland sind von der Neuregelung nicht betroffen. Hier können nach wie vor höhere Gebühren anfallen.


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