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SENDETERMIN Di, 30.4.2019 | 21:00 Uhr | SWR Fernsehen

Gartengestaltung mit Werner Ollig So wird Ihr Garten ein Paradies für Insekten und Vögeln

Erfahren Sie, wie man mit blühenden Hecken, Insektenweiden, trittfesten Bodendeckern und Schattenspendern ein Zuhause für Insekten und Vögel schafft.
Verwildert und mit einem unschönen Blick auf Nachbars Garage ist der Garten von Cilli und Dieter D. in Pirmasens ein Fall für den Garten-Experten Werner Ollig.

Der Leiter der Gartenakademie Rheinland-Pfalz Werner Ollig hat schon so manchen Garten wieder auf Vordermann gebracht. Immer wichtiger wird dabei, die geänderten klimatischen Bedingungen zu beachten. Sein Tipp: Man sollte Pflanzen vor allem danach aussuchen, dass sie Sauerstoff produzieren, Schadstoffe aus der Luft filtern und Schatten spenden,  also auch Haus und Garten kühlen.

Sichtschutz: Blühende Hecken statt Zäune oder Mauern

Eine Hecke kann noch viel mehr sein, als reiner Sichtschutz zu Nachbars Garten! Doch oft werden exotische Ziergehölze gewählt, weil sie interessant blühen oder besonders dicht wachsen. Aber sie bieten der Tierwelt keinen Nahrungs- und Lebensraum. Besser ist daher eine Hecke aus heimischen Wildsträuchern und Wildrosen. Sie bietet einer Vielzahl von Nützlingen und seltenen Arten das ganze Jahr über Blüten, Beeren und Unterschlupf.

Die Auswahl bei den Heckenpflanzen ist riesig. Doch es geht auch darum, den gesamten Blütenzeitraum mit Frühjahrsblühern, Spätblühern und Sommerblühern abzudecken. Außerdem sollte man darauf achten, dass die Blüten ungefüllt sind, damit die Insekten sie anfliegen und Nektar und Pollen finden können.

Beliebte Sträucher für unterschiedliche Tiere

  • Besonders bei Bienen beliebt ist die im Frühjahr blühende Scheinquitte (auch Zierquitte genannt) und die im Frühsommer blühende Lavendelheide (auch Schattenglöckchen genannt).
  • Die Früchte der Felsenbirne (auch Korithenbaum genannt) erinnern in Aussehen und Geschmack ein wenig an Heidelbeeren. Sie sind reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Gerbsäure.
    Achtung: Beim Ernten müssen Sie schneller sein als die Vögel.
  • Der Fruchtschmuck höher wachsender Arten des Spindelstrauchs (auch Korkflügelstrauch genannt) erinnert in Form und Farbe an ein Birett, die Kopfbedeckung der katholischen Kardinäle, daher auch der etwas despektierliche Name "Pfaffenhütchen". Die Früchte sind für Menschen äußerst giftig, werden aber von Vögeln, vor allem von Rotkehlchen, als Nahrung sehr geschätzt.

Weitere Wildsträucher für naturnahe Gärten:

  • Berberitze (Vogelschutzgehölz)
  • Brombeere (Vogelschutzgehölz / Nahrungspflanze für Vögel und Insekten)
  • Faulbaum (Nahrungspflanze für Vögel und Insekten)
  • Hasel (Nahrungspflanze für Insekten und Säugetiere)
  • Himbeere (Vogelschutzgehölz / Nahrungspflanze für Vögel und Säugetiere)
  • Holunder (Nahrungspflanze für Vögel)
  • Johannisbeere (Nahrungspflanze für Vögel)
  • Kreuzdorn (Vogelschutzgehölz / Nahrungspflanze für Insekten)
  • Sanddorn (Vogelschutzgehölz)
  • Schlehe (Vogelschutzgehölz / Nahrungspflanze für Insekten und Säugetiere)
  • Vogelbeere (Nahrungspflanze für Vögel)
  • Weißdorn (Vogelschutzgehölz / Nahrungspflanze für Vögel, Insekten und Säugetiere)
  • Wildapfel (Nahrungspflanze für Säugetiere)
  • Wildbirne (Nahrungspflanze für Säugetiere)
  • Wildrosen (Vogelschutzgehölz / Nahrungspflanze für Insekten)

Tipps für das Einpflanzen der Sträucher

Bevor die Sträucher eingepflanzt werden, kann man sie „zur Probe“ anordnen. Frei wachsende Wildstrauchhecken können groß werden. Planen Sie daher rund drei Meter Breite ein, bei einem Abstand von rund 1,5 Metern zur Grundstücksbegrenzung. Es geht aber auch schmaler. Bevorzugen Sie kleinwüchsige Arten, die bis zu 3 Meter hochwachsen und pflanzen diese im Abstand von 1,5 bis 3 Meter leicht versetzt zueinander. Breit- und hochwachsende Arten werden gemischt angeordnet. Dabei werden die schwächer wachsenden wie die Blutjohannisbeere eher in Richtung Garten angeordnet und die stärker wachsenden wie etwa die Haselnuss nach außen gesetzt.

Großflächig wird eine so genannte Baumscheibe für jede Pflanze abgestochen. Diese Fläche sollten Sie bis zu 5 Jahre von Bewuchs durch andere Pflanzen, vor allem Gras freihalten, damit diese nicht mit dem jungen Strauch um Nährstoffe und Wasser konkurrieren und so seine Wurzelbildung und damit ein gutes Anwachsen erschweren. Die Fläche lässt sich dabei entweder durch regelmäßiges Jäten oder durch eine Bedeckung mit Mulch freihalten. Dafür eignen sich anfallender Grasschnitt, Holzhäcksel oder Laub.

Bei großen Einzelpflanzen genügt ein Pflanzloch, das im Durchmesser etwa doppelt so groß wie der Erdballen oder das Wurzelwerk der Pflanze ist. Bei einer Hecke kann man aber alternativ auch einen Graben auszuheben, der in etwa auch doppelt im Durchmesser ist. Die Tiefe des Pflanzloches- oder Grabens richtet sich nach der Ballen- oder Wurzelgröße. Die Pflanze sollte nicht höher oder tiefer gesetzt werden, als sie vorher im Erdreich gestanden hat.

Faustregel für Container- oder Ballenpflanzen: 2-5 cm Erde von Ballen- bzw. Wurzeloberkante bis zur Erdoberfläche sind richtig. Alles darüber oder darunter kann sich negativ auf das Pflanzenwachstum auswirken. Der Topf wird bei Containerpflanzen natürlich entfernt.

Wichtig: Viele Erdballen haben neben einem Ballentuch aus Jute noch einen Drahtkorb, der den Ballen zusätzlich stabilisiert und zusammenhält. Dieser Drahtkorb darf nicht entfernt werden!!!

Tipp von Gartenexperte Werner Ollig: Schippen Sie die ausgehobene Erde auf einen Pappkarton, so hängt sie nachher nicht im Rasen fest.

Ist der Ballen so verwurzelt, dass nur noch Wurzelwerk und keine Erde mehr zu sehen ist, der Ballen sich auch nicht mit den Händen lockern und auseinanderziehen lässt und ein Rundwuchs vorliegt, dann zerschneidet man die äußeren Wicklungen, um den Ballen zu öffnen. Diese Anschnittstellen sorgen dafür, dass sich die Wurzeln verzweigen und die Tendenz haben, in die Erde hineinzuwachsen.

Anschließend wird die Pflanze in das Pflanzloch gestellt und mit so viel Erde fixiert, dass ein fester Stand gewährleistet ist. Nun wird das Pflanzloch bzw. den Pflanzgraben ein- bis zweimal bis zum Rand mit Wasser gefüllt. Ist das Wasser versickert, kann das Pflanzloch mit einem Gemisch aus Erde und Gesteinsmehl aufgefüllt werden. Das Gesteinsmehl liefert den Pflanzen Nährstoffe und verbessert die Bodenqualität. Die Erde sollte in regelmäßigen Abständen beispielsweise durch Andrücken mit dem Fuß leicht verdichtet werden So wird verhindert, dass der Strauch beim nächsten Windstoß in Schieflage gerät.

Pflege der blühenden Hecke

Eine frei wachsende Hecke ist nicht allzu aufwändig in der Pflege. Bei zu groß werdenden Sträuchern können lange Triebe entfernen werden. Werden Sträucher unten kahl, kann man sie auf Stock zurückschneiden, also radikal kürzen. Schneiden Sie aber niemals die ganze Hecke auf einmal zurück. Laut Bundesnaturschutzgesetz ist es in der Brutzeit der Vögel (vom 1. März bis 30. September) verboten, Hecken abzuschneiden oder knapp über dem Boden zu kappen.

Falllaub und Totholz unter der Hecke bilden einen wertvollen Rückzugsraum für Nützlinge. Außerdem sind sie ein wichtiger Teil des Nährstoffkreislaufs und liefern Mulch- und Kompostmaterial. Lediglich unerwünschte Sämlinge von Bäumen und Sträuchern sollten jährlich entfernt werden.

Weitere Informationen zum Thema Hecken als Sichtschutz finden auf der Internetseite des Naturschutzbundes Deutschland (nabu) unter „Hecken mit heimischen Sträuchern - So kommt Leben in den Garten“. Und wie Sie Hecken richtig schneiden, erfahren Sie bei der Gartenakademie Rheinland-Pfalz unter „Hecken richtig schneiden – aber wie?“

Filmautorin: Michaela Krause | Online: Dorothée Panse