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Tierwohl-Label Fleisch mit gutem Gewissen essen

Die meisten Deutschen wünschen sich, dass es Nutztieren gut geht. Aber: Die amtliche Tierwohlkennzeichnung kommt nicht vor 2020. Wie seriös sind die aktuellen Fleisch-Labels?

3 Label zu Tierwohl

Noch gibt es keine einheitlichen, staatlichen Tierwohl-Labels.

Hinter den Scheibentüren der Kühlvitrine im Supermarkt sieht man sie inzwischen häufiger: kleine Kennzeichen zu Tierwohl oder Tierschutz. Bei einem Hähnchengeschnetzelten steht auf einem gelb-weißen Aufkleber "Dieses Produkt stammt aus einem teilnehmenden Betrieb der Initiative Tierwohl". Tierwohl in großen Buchstaben, mit einem blauen Haken versehen.

Initiative Tierwohl

Susanne Umbach von der Verbraucherzentrale Mainz erklärt, dass bei der "Initiative Tierwohl" die Haltungsbedingungen ein bisschen über den gesetzlichen Standard hinausgehen. Es gäbe etwas mehr Platz und entsprechend auch Möglichkeiten, dass Hühner picken und sich artgerecht verhalten können. Allerdings meint die Expertin: "Zu echtem Tierwohl gehört einfach noch sehr viel mehr. Zum Beispiel wesentlich mehr Platz und Voraussetzungen, damit sich Tiere draußen bewegen können."

Wer zahlt, darf mit dem Label werben

Label Initiative Tierwohl

Hinter der Initiative Tierwohl stecken Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel.

Hinter der Initiative Tierwohl stecken Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel. Sie zahlen Betrieben, die ihre Tieren besser behandeln, einen Bonus. Es ist aber nicht immer klar, ob in der Packung Fleisch von diesen Betrieben ist.

Denn der Handel darf auch mit dem Schriftzug Initiative Tierwohl auf der Verpackung werben, weil er dort zahlendes Mitglied ist. Für den Verbraucher ist das sehr verwirrend.

Haltung von eins bis ausreichend

Kompass

Eins ist bei diesem Label schlechter als vier.

Auf Schweinegulasch findet sich ein weiteres Tierwohl-Kennzeichen: Ein Halbkreis ist in vier verschiedenfarbige, durchnummerierte Fächer eingeteilt. Ernährungsberaterin Susanne Umbach berichtet, dass hierbei die unterschiedlichen Haltungsformen mit den Zahlen 1, 2, 3 und 4 unterschieden werden. Eins bedeutet, dass der gesetzliche Mindeststandard eingehalten wird. Vier bedeutet in der Regel, dass nach europäischen Bio-Rahmenbedingungen produziert wurde.

Wenn der Zeiger im Halbkreis auf der Zwei steht

Der Zeiger in der Mitte des Tierhaltungs-Kompasses zeigt auf die Zahl Zwei: Die Schweine zum Gulasch haben also etwas mehr Platz und Spielmaterial gehabt. Ein bisschen mehr Tierwohl. Lidl war im Frühjahr als erster Discounter mit diesem Fleischkennzeichnungssystem gestartet, die Konkurrenz ist inzwischen nachgezogen. Für den Verbraucher ist diese Darstellung anschaulicher – allerdings ist er eigentlich die umgekehrte Zählung von Eiern gewohnt: Dort bedeutet die Null Bio und die Drei steht für ein "böses" Käfig-Ei.

Für mehr Tierschutz

Label Fuer mehr Tierwohl

Das Label vom Deutschen Tierschutzbund wird von Experten empfohlen.

Auch ein bekanntes Label: Auf hellblauem Grund steht gut leserlich "Für mehr Tierschutz" - beispielsweise auf den Packungen von Wiener Würstchen. Laut Verbraucherschützerin Susanne Umbach steckt hier tatsächlich drin, was draufsteht. Das Siegel "Für mehr Tierschutz" gibt es mit ein oder zwei Sternen. Die Einstiegsstufe hat nur einen Stern, aber diese Stufe liegt schon per se deutlich über dem gesetzlichen Mindeststandard. Zwei Sterne sind vergleichbar mit den Bedingungen, die bei der Ökotierhaltung vorausgesetzt werden. Fazit der Expertin: "Das ist ein Siegel, das einfach tatsächlich den Tieren mehr Tierwohl bietet, nicht nur mehr Tierschutz, sondern auch mehr Tierwohl."‘

Zwei Sterne bedeuten viel Tageslicht für Legehennen

Das Label "Für mehr Tierschutz" wird vom Deutschen Tierschutzbund vergeben. Zwei Sterne bedeuten, dass Schweine freien Auslauf haben und Legehennen viel Tageslicht bekommen. Es ist eines der wenigen Kennzeichen, das auch Anforderungen an den Tiertransport und die Schlachtung stellt. Und ein Label, das sich die Haltung von Milchkühen anschaut, wo immer noch ein Drittel in Anbindehaltung gehalten wird. Thomas Schröder als Chef des Deutschen Tierschutzbundes betont aber auch, dass mehr Tierwohl auch seinen Preis hat.

Tierwohl kostet mehr Geld

Ein Schwein kaut auf einem Spielzeug.

"Kauspielzeug" sorgt hier für das Tierwohl.

Der Tierschutzbund hat in allen Verträgen eine Sollbestimmung: Landwirte werden für die Tierwohl-Mehrbelastung entlohnt, damit der Bauer am Ende nicht draufzahlt.

Der Tierschutzbund-Chef macht die Erfahrung, dass es bei Schweinen, Hühnern, Legehennen und neuerdings auch bei Milchvieh einen guten Aufpreis für die Landwirte gibt, sodass sie Mehrkosten bewältigen können.


"Artgerecht" ist kein geschützter Begriff

Tierwohl-Kennzeichnungen auf Lebensmitteln sind von den Ansprüchen sehr unterschiedlich. Der Verbraucher erkennt nicht gleich, wer und was hinter den Labels steht. Die Begriffe "Tierwohl" oder "artgerecht" sind nicht geschützt. Es gibt also keine klare gesetzliche Definition. Verbraucherschützer fordern deshalb ein einheitliches, staatliches und verpflichtendes Tierwohl-Label. Der Wille auf Verbraucherseite ist da: In einer Untersuchung des Bundeslandwirtschaftsministeriums gaben acht von zehn Befragten an, dass artgerechter Haltung von Nutztieren mehr Beachtung geschenkt werden sollte. Drei von zehn Befragten würden für Tierwohl-Fleisch sogar fünf Euro das Kilo mehr bezahlen.

Von Alice Thiel-Sonnen, SWR Umweltredaktion | Online: Petra Thiele