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Stromnetz im Balkan Deshalb geht Ihr Radiowecker nach

Wenn Sie einen Radiowecker haben oder eine Backofen-Uhr, nicht wundern: Sechs Minuten könnte die aktuell der Zeit hinterher hängen. Das hat mit dem europäischen Stromnetz zu tun.

Wenn der Radiowecker nachgeht, liegt die Ursache möglicherweise auf dem Balkan.

Wenn der Radiowecker nachgeht, könnte die Ursache im Balkan liegen.

Für alle Verschwörungstheoretiker vorab: Es ist Strom genug da! Deutschland exportiert mehr als zehn Prozent derzeit. Keine Dunkel-Flaute, also kein Grund auf die Alternativen Energien zu schimpfen und auch kein Versagen der deutschen Stromnetze. Aber seit Mitte Januar liegt tatsächlich die Frequenz im gesamten europäischen Stromnetz im Mittel hauchdünn unter der Sollzahl von 50 Hertz.

Winzige Abweichung bei der Netzfrequenz

So winzig ist die Abweichung, dass das keinerlei Probleme macht - außer: bei diesen Uhren. Die zählen die Schwingungen der Netzfrequenz. Und wenn die etwas zu niedrig ist, dann gehen sie nach - europaweit.

Auf die Frage nach dem Warum gibt es offiziell keine Antworten, von niemandem. Aber die Zusammenhänge sind die: Wenn EIN Netzbetreiber in Europa nicht mitmacht, seine Hausaufgaben nicht macht, dann kann so etwas passieren. Und einer tut es wohl gerade nicht.

Ursache für nachgehende Uhren liegt auf dem Balkan

Die Leitstelle von Netze BW allerdings SÜD in Ravensburg

Deutsche Netzbetreiber würden eingreifen - im Notfall.

Insider sehen die Ursache auf dem Balkan: Bei einem politischen Streit dort, der in der Konsequenz dazu führt, dass etwa ein mittlerer Kraftwerksblock notorisch fehlt im System. Kleine Ursache, kleine Wirkung. Denn abgesehen von den Uhren ist die Abweichung zu klein, als dass man ernsthaft etwas dagegen tun müsste. Da gibt es klare Regeln.

Wenn der Ausschlag auf dem Frequenzzähler eine Grenze überschreitet, greifen die deutschen Netzbetreiber zum Beispiel ein. Das wäre kein Problem. Aber eben nur im Notfall.

Betreiber wollen Politikum aus der Welt schaffen

So eine latente und notorische Verweigerung eines Gebietes ist aber ein Politikum. Das muss anders geregelt werden. Soll es auch. Der europäische Verband der Stromnetzbetreiber ENTSO-E - European Network of Transmission System Operators for Electricity - arbeitet wohl schon daran.

So richtig recht ist es den Beteiligten aber nicht, dass da politische Probleme plötzlich für Verbraucher sichtbar werden.

Von Werner Eckert, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Heidi Keller