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Start in die Pilzsaison Welche Apps zur Pilz-Bestimmung taugen

Nach dem feuchten Sommer hat die Pilzsaison früh begonnen. Die Zahl der Pilzsucher in den Wäldern steigt. Apps versprechen, die Suche zu erleichtern. Unser Experte warnt.

Herbst 8

Pilze lieben das herbstlich feuchte Klima. Und sie locken viele Hobby-Sammler in die Wälder.

Was tun, wenn man sich nicht besonders gut auskennt mit Pilzen und sich nicht sicher ist, welche Exemplare essbar sind, und welche gefährlich? Kein Problem, es gibt doch heutzutage Apps für alle Lebenslagen, denken sich da viele und laden sich im App-Store eine Pilz-Bestimmungs-App herunter. Aber taugen die auch was?

Pilze sind ein sehr kompliziertes Gebiet

Ein Mann nutzt ein Smartphone auf einer grünen Wiese

Apps versprechen Hilfe bei der Pilzsuche.

Wolfgang Prüfert, Pilzsachverständiger und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Mykologie, ist skeptisch: "Pilz-Apps werden sie erst einmal komplett überfordern. Pilze sind ein sehr kompliziertes Gebiet. Das lernt man nicht von heute auf morgen. Und man lernt es nicht unbedingt, indem man eine App nimmt."

Das merkt der Benutzer, wenn die Apps ihn dazu auffordern, die genauen Merkmale eines Pilzes anzugeben: Form und Farbe des Huts, Form und Farbe der Lamellen, der Stiele und der Sporen, dazu Standort und Geruch. Am Ende soll die App dann anzeigen, welchen Pilz man vor sich hat.

Pilzexperten befürchten, dass die Zahl der Pilzvergiftungen steigen könnte

Blick in einen Korb mit verschiedenen Pilzen, u.a. Pfifferling und Bovist

Beim Pilzesuchen sollte man sich auskennen.

Doch in der Praxis scheitern Laien, da sie viele Unterscheidungsmerkmale und Begriffe gar nicht kennen, die sie angeben sollen. Manche Pilzexperten befürchten daher, dass die Zahl der Pilzvergiftungen steigen könnte: Denn Nutzer, die falsche Angaben in die App eingeben, bekommen auch falsche Ergebnisse.

Auch Wolfgang Prüfert warnt Anfänger davor, sich beim Pilzesammeln auf Apps zu verlassen: "Es gibt in Deutschland rund 15.000 Pilzarten. Die Erwartung, dass man einfach losgeht und jeden Pilz, den man sieht, in essbar oder nicht essbar unterscheiden kann, kann eine App unmöglich erfüllen."

Apps sind besser zu handhaben als ein Buch

In einem Wald steht ein Pilz. Im Hintergrund sieht man eine Pilzsucherin, die einen Korb in der Hand hält.

Die Pilzsuche ist nicht immer ungefährlich.

Dennoch glaubt Prüfert, dass die elektronischen Helfer auch nützlich sein können. Er hat 2015 sieben von ihnen ausgiebig getestet und kam zu dem Ergebnis, dass manche Apps nützlich sind, wenn man bereits öfter bei Pilzwanderungen teilgenommen hat und sein Wissen aufbauen und erweitern möchte. Denn sie sind besser zu handhaben, als ein Buch.

Mit guten Apps lässt sich Wissen ergänzen, aber nicht ersetzen

Überzeugt haben Wolfgang Prüfert allerdings nur zwei Apps. Sie reichen qualitativ an ein einfaches Buch heran. Das sind die Apps "Meine Pilze" und "Pilzführer". Von beiden empfiehlt der Fachmann jedoch die kostenpflichtige Version. Damit könne jeder Pilzsammler sein Wissen gut ergänzen. Denn Wissen ersetzen, das kann keine Pilz-App.

Von Dominik Bartoschek, SWR-Umwelt und Ernährung | Online: Stefan Heinz

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