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SENDETERMIN Di, 30.4.2019 | 21:00 Uhr | SWR Fernsehen

Fahrtraining, Helm und gute Bremsen So sind Sie mit E-Bike oder Pedelec sicher unterwegs

Fast eine Million E-Bikes wurden 2018 gekauft – Tendenz steigend. Doch auch die Zahl der Unfälle wächst und besonders betroffen sind Senioren. Wir geben Tipps für mehr Fahrsicherheit.

Elektrofahrräder: Unter dem Oberbegriff "Elektrofahrrad" oder "E-Bike" werden verschiedene Fahrrad-Gattungen mit Elektroantrieb zusammengefasst.
Dazu gehören Pedelecs ("Pedal Electric Cycle") - pedalgetriebene elektrische Fahrräder. Hier greift der Motor unterstützend ein, wenn in die Pedale getreten wird. Hält man die Pedale still, macht auch der Motor Pause.
Auch sogenannte Mofa-Räder gehören dazu, hier treibt ein Motor das Rad an, ohne dass die Pedale bedient werden müssen.Bei Pedelecs und Mofa-Rädern schaltet sich der Motor bei einer Geschwindigkeit von über 25 Stundenkilometern ab.
Elektroräder, die schneller als 25 Stundenkilometer fahren, sogenannte Super-Pedelecs, werden rechtlich nicht mehr zu den Fahrrädern gezählt.

Starke Zunahme von Unfällen

Auf deutschen Straßen sind nach zwei Jahren Rückgang 2018 wieder mehr Menschen bei Unfällen ums Leben gekommen. Das Statistische Bundesamt sprach im Februar von 3265 Verkehrstoten im Jahr 2018, das sei eine Zunahme von 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Nach Ergebnissen von Januar bis November 2018 geht der Anstieg der Unfalltoten auf eine Zunahme bei getöteten Fahrrad- und Motorradfahrern zurück – und die lag bei Fahrradfahrern mit insgesamt 432 Toten um 13,6 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Bei den Pedelecs, die in der Statistik mit den Fahrrädern gezählt werden, war der Anstieg der getöteten Fahrer mit einem Zuwachs um 28,4 Prozent besonders hoch, sagte ein Sprecher des Statistischen Bundesamts.

Gründe für die erhöhte Unfallgefahr

Aus der Unfallforschung der Versicherer (UDV) geht hervor, dass überdurchschnittlich viele ältere Menschen an Pedelec-Unfällen beteiligt sind. Der Elektromotor erlaubt ihnen, viel schneller zu fahren, als es ihnen mit einem normalen Fahrrad möglich wäre. Die Folgen sind häufig Kontrollverlust und Stürze.
Zudem steige die Zahl illegal getunter Pedelecs, die auch bei mehr als 25 Stundenkilometern eine elektronische Unterstützung bieten.

Pedelecs Fahrer

Pedelecs sind schwerer und schneller als normale Räder. Sicheres Fahren muss geübt werden.

Helm tragen!

Für halbwegs sicheres Fahren auf dem E-Bike ist ein Fahrradhelm unerlässlich. Gerade ältere Fahrer verzichten jedoch gerne auf den Helm, da sie nicht damit aufgewachsen sind und ihn als lästig empfinden.

Vorausschauend fahren

Pedelecs sind meist schneller als normale Fahrräder und werden von anderen Verkehrsteilnehmern häufig unterschätzt. Für diese mitzudenken und besonders vorausschauend zu fahren ist für E-Biker deshalb besonders wichtig.
Aufgrund des anderen Fahrverhaltens von Elektrofahrrädern bieten sich Kurse mit professionellen Trainern an. Sicheres Fahren lässt sich nämlich üben.

Nach vorne schauen

Grundsätzlich gilt: Nicht aufs Vorderrad schauen, sondern dorthin, wohin man fährt. In Kurven Kopf und Oberkörper aktiv in Kurvenrichtung drehen und frühzeitig aus der Kurve hinausschauen - so lassen sich auch engere Kurven leichter meistern.

Richtig bremsen

Ein wichtiger Sicherheitsfaktor bei Elektrofahrrädern sind die Bremsen. Vor allem bei günstigeren Modellen sind die Bremsen häufig mangelhaft und bringen nicht genug Kraft auf, um das schwere Fahrzeug zu stoppen. Empfehlenswert sind Scheibenbremsen. Sie sind auch für hohe Fahrzeuggewichte geeignet, weil sie hohe Temperaturen besser verkraften als Trommelbremsen.
Das Bremsen bei Elektrofahrrädern erfordert jedoch Übung. Einen möglichst kurzen Bremsweg erreicht man, wenn man Vorder- und Hinterradbremse gleichzeitig betätigt. Unfälle können auch dadurch entstehen, dass aus Angst zu wenig gebremst wird oder so stark, dass der Fahrer über den Lenker fliegt.
Wie beim Auto sollte vermieden werden, dass die Bremsen die Räder blockieren, weil sich dadurch der Bremsweg verlängert. Der Fahrer sollte deshalb versuchen, die Bremsen so dosiert zu drücken, dass ein Blockieren vermieden wird - ähnlich dem ABS (Antiblockiersystem) beim Auto. Die richtige Dosierung sollte an verkehrsberuhigten Orten geübt werden.

Antiblockiersystem für Pedelecs

Seit Herbst 2018 sind im Handel außerdem Pedelecs mit ABS erhältlich. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um Trekking- und Citybikes mit 28 Zoll Reifen. Durch das System soll Bremsen bei Elektrofahrrädern deutlich sicherer werden.

Da das ABS nur in neuen Rädern verbaut wird, ist es möglicherweise eine Überlegung wert, sich ein neues E-Bike zuzulegen.

Weitere Tipps zum richtigen Umgang und zur Pflege von Bremsen finden Sie auf der Internetseite des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club e. V. (adfc).

Initiative „Sicher E-Biken“

Größere Souveränität im Straßenverkehr und mehr Sicherheit in kritischen Situationen, mehr Fahrspaß und entspannteres Radeln – das sind die zentralen Ziele der Initiative SICHER E-BIKEN von WRSV und ADFC.

Dazu gibt es die Broschüre "Sicher fahren mit dem Pedelec - Ein Heft zum Selberüben in neun Schritten" Insbesondere nach längerer Fahrradabstinenz empfiehlt es sich, seine Fähigkeiten aufzufrischen und mit den Übungen seine Fahrkompetenz zu trainieren.

Aber Achtung: Das Übungsheft ist nicht für Radfahranfänger konzipiert und sollte deshalb nur von Pedelec-Fahrenden genutzt werden, die bereits Erfahrungen mit dem Radfahren haben.
Weitere Informationen rund um das Thema finden Sie auf dem Fahrradportal des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur.

Kurse für mehr Sicherheit

Wer sich auf dem Pedelec unsicher fühlt, sollte zunächst unter Anleitung eines erfahrenen Trainers an einem Pedelec-Kurs teilnehmen.

„Dann macht es auch richtig Spaß, wenn man es kann und beherrscht“ – so wirbt Franz Müntefering in seiner Funktion als Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) für den sicheren Umgang mit dem Pedelec.

Eine bundesweite Übersicht zu Pedelec-Kursen finden Sie auf der Internetseite des Verkehrsclubs Deutschland e.V.

Filmautor: Thorsten Link | Online: Dorothée Panse