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Schwäbischer Milliardär Erwin Müller, der scheue Drogeriemarkt-König

Drogerieketten-Chef Erwin Müller hat Recht bekommen mit seiner Schadenersatzforderung gegenüber der Bank Sarasin wegen Falschberatung. Der schwäbische Vorzeigeunternehmer hat seine Eigenheiten.

Zivilprozess Drogerieunternehmer gegen Privatbank

Viel Erfolg mit einem europaweiten Filialnetz für Drogeriemärkte

Die Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin AG wurde im Zivilprozess vor dem Ulmer Landgericht dazu verurteilt, dem schwäbischen Unternehmer 45 Millionen Euro Schadenersatz zu zahlen. Die Schweizer können nun gegen das Urteil Widerspruch einlegen beim Oberlandesgericht Stuttgart.

Porträt von Lutz Heyser, SWR Wirtschaft und Soziales

Erwin Müller frisiert eine Kundin im Friseursalon

Erwin Müller als junger Frisör

"Erwin Müller, Friseur." So stellt er sich manchmal vor - in koketter schwäbischer Bescheidenheit. In der Tat hat der heutige Multi-Milliardär und Drogeriemarkt-König Erwin Müller einmal genau so angefangen: klein und bescheiden. In den 1950er Jahren, als junger Friseurmeister mit eigenem Herren-Salon im Haus der Eltern, im bayrischen Unterfahlheim bei Ulm.

Heute - mit 84 Jahren - zählt Müller zu einem der reichsten Deutschen. Er besitzt mit seiner Beteiligungsgesellschaft, der Müller Ltd. & Co. KG, europaweit von Deutschland bis Spanien mehr als 750 Filialen und beschäftigt rund 35.000 Mitarbeiter und Auszubildende.

Workoholic - und Kontrollfreak

"Arbeit. Arbeit. Arbeit." So lautet Müllers Credo. Als pflichtbewusst, fleißig und sparsam wird er beschrieben. Als einer, der viel von seinem hart erarbeiteten Geld für andere spendet, etwa für das Augsburger Tierheim oder die Unikliniken in Heidelberg und Ulm. Ein schwäbischer Vorzeigeunternehmer also - einerseits.

Aber Müller gilt eben auch als herrschsüchtiger Kontrollfreak. Als einer, der die Telefonate seiner Top-Manager mitschneiden lässt, um sie sich später im Fond seiner Mercedes-S-Klasse mit dem Walkman nochmal anzuhören. So hat es der "Stern" gerade berichtet. Als einer, der wenig Widerspruch zulässt und der mit teils sehr ruppigen - und rechtlich wohl auch manchmal höchst fragwürdigen - Methoden immer wieder zu verhindern versucht, dass seine Mitarbeiter sich zu Betriebsräten zusammenschließen.

Ein Denkmal für den Lieblingshund

Seinem so geliebten Pekinesen-Dackel-Mischling Gordi hat er ein eigenes Bronzedenkmal vor der Firmenzentrale in Ulm setzen lassen. Dennoch: Viele Ulmer gehen nach wie vor gerne "beim Müller" arbeiten und einkaufen, sagen sie. Bei dem so scheuen, fleißigen und bescheidenen Patriarchen, der aber auch noch eine andere, nennen wir sie ruhig "dunkle", Seite zu haben scheint.

Online: Heidi Keller