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SENDETERMIN Di, 2.10.2018 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Rücksichtslos im Straßenverkehr Verkehrsrowdys machen die Straßen unsicher

Drängeln, Beleidigen, Vorfahrt nehmen: Rowdytum im Straßenverkehr nimmt zu. Solches Benehmen ist aber kein Kavaliersdelikt, sondern gefährlich.

Der Autoclub Europa (ACE) untersucht bundesweit Verkehrsvergehen an unfallträchtigen Kreuzungen. Wer blinkt nicht, fährt über rot, drängt andere ab? Ziel der Erhebung ist, für mehr Verkehrssicherheit zu sorgen - obwohl die Straßen immer voller werden.

Roger Zwiehoff vom ACE und seine Kollegen haben festgestellt, dass aggressives Verhalten im Straßenverkehr zugenommen hat. "Es liegt häufig daran, dass die Leute weniger Zeit haben, ihre Strecken weniger gut planen können, ein erhöhtes Verkehrsaufkommen da ist und man so in Zeitdruck gerät", so Zwiehoff.

Fahrerflucht

Matthias Siegert-Paar ist Fachanwalt für Verkehrsrecht und berichtet ähnliches: "Ich kann bestätigen, dass die Art der Fälle sich durchaus auch in meiner Kanzlei gehäuft hat, wo es um Nötigung, Gefährdung des Straßenverkehrs oder auch um unerlaubtes Entfernen am Unfallort geht."

Auch bei schwerwiegenden Unfällen mit Sachschäden hat die Zahl der Unfallflüchtigen zwischen 2015 und 2017 zugenommen: Von 13.893 auf 14.682.

Beleidigungen können teuer werden

Wer übrigens "nur" verbal entgleist kommt vor Gericht auch nicht gerade billig davon: Laut Bußgeldkatalog kann dann eine "dumme Kuh" bis zu 300 Euro kosten, einen Vogel zeigen 750 Euro. "Idiot": bis zu 1.500 Euro. Und der berühmten Stinkefinger lohnt sich nur für die Staatskasse: bis zu 4.000 Euro sind dann fällig.

Saarländer am streitlustigsten

Eine aktuelle Studie belegt: 2017 waren die Streitlustigsten im Südwesten die Saarländer mit 7,8 Vorfällen je 100 Einwohner. Dahinter kommen Rheinland-Pfalz mit 7,3 Vorfällen und Baden-Württemberg mit 6,4. Am friedlichsten sind demnach die Bayern mit 5,7 Streitigkeiten.

Roger Zwiehoff vom ACE bemängelt, dass die Rücksichtnahme im Verkehr abgenommen habe. Vorfahrten werden genommen, beim Rechtsabbiegen wird der Schulterblick vernachlässigt.

Aggression: Männliches Problem?

"Aggression im Straßenverkehr ist meiner Meinung nach klar ein männliches Problem", so Fachanwalt Siegert-Paar. "Es betrifft sowohl junge Männer aufgrund von ihrer charakterlichen Unreife, als auch auf der anderen Seite die männlichen Senioren."

Was tun, damit die Rowdys ihr Verhalten bessern? Bloße Geldstrafen seien hier nicht hilfreich, glaubt Siegert-Paar: "Aus meiner beruflichen Erfahrung heraus bringen insbesondere Antiaggressionstrainings und Verkehrssicherheitstrainings als Auflagen zur Einstellung von Strafverfahren im Straßenverkehr immer den größten Mehrwert."


Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder.

Filmautor: Klaus Kuderer | Online: Sola Hülsewig
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