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Rheintalbahn-Sperrung Hohe Verluste für Speditionen und Industrie

Lange durchhalten mussten viele Unternehmen entlang der gesperrten Rheintalbahn. Ab dem 2. Oktober sollen auf einer der wichtigsten Bahnstrecken Deutschlands wieder die Züge fahren.

An der Baustelle des Bahntunnels Rastatt (Baden-Württemberg) finden am 22.09.2017 bei Niederbühl Arbeiten statt.

Nach einem Erdrutsch ist die Bahnstrecke zwischen Rastatt und Baden-Baden seit Mitte August gesperrt.

Den 2. Oktober hat sich Andrea Marongiu dick im Kalender angestrichen. Der Geschäftsführer des baden-württembergischen Verbandes Spedition und Logistik kann es kaum erwarten, bis die Rheintalbahnstrecke wieder frei ist. Denn die Schäden für Speditionen und Logistikdienstleister sind hoch. Auf rund 50 Millionen Euro schätzt sie Marongiu alleine für seine Branche - "Minimum".

Aufwändiges Umdenken und Umplanen nach Bahnstreckensperrung

 Lkw stehen am 17.08.2017 auf der Autobahn A5 bei Weil am Rhein (Baden-Württemberg) im Stau

Auf den Autobahnen führte die Rheintalbahnstrecken-Sperrung für zahlreiche zusätzliche Staus.

Die Speditionsbranche ist von der Sperrung ganz besonders betroffen. Viele Firmen sind auf die Schiene angewiesen und mussten in den vergangenen Wochen ihre Warenströme kräftig umplanen.

Bei den Speditionsmitarbeitern fielen daher zahlreiche Überstunden an. Ausweichstrecken mussten zum Beispiel gesucht werden. Und auch nicht alle Güter, die sonst mit der Bahn transportiert werden, lassen sich problemlos auf LKW umladen.

"In manchen Bereichen ist das durchaus dramatisch. Da könnte es sogar existenzbedrohend werden", klagt Andrea Marongui vom Verband Spedition und Logistik Baden-Württemberg.

Höhere Kosten und Produktionsausfälle für beeinträchtigte Unternehmen

Glühende Stahlbrammen rollen am 08.02.2011 in Duisburg im Stahlwerk von Thyssenkrupp aus der Produktion.

Unternehmen klagen über Produktionsausfälle und längere Lieferzeiten wegen der Streckensperrung bei der Bahn.

Auch andere Branchen haben wegen der gesperrten Rheintalbahnstrecke derzeit mit höheren Kosten oder Produktionsausfällen zu kämpfen: zum Beispiel die Stahlindustrie oder die Chemiebranche.

Der Chemieriese Dow, der unter anderem in Rheinmünster aktiv ist, musste sich vor allem zu Beginn der Sperrung mit Produktionsproblemen herumschlagen. "Dass hat uns sehr negativ überrascht", erklärt der Deutschland-Chef von Dow, Willem Huisman, zu dieser Beeinträchtigung. "Das hat zu erheblichem Mehraufwand geführt, und dazu, dass viele Leute deutlich mehr arbeiten mussten als sonst", beschreibt Huisman die Situation in seinem Unternehmen zurzeit.

Bahn leidet finanziell selbst

Ebenfalls unter der Sperrung leiden die Güterbahnen. Die Schäden werden hier bei knapp 100 Millionen Euro liegen, so das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen. Auch für die Deutsche Bahn selbst ist die Rheintalbahn-Sperrung also ein finanzielles Fiasko.

Die Güterbahntochter DB Cargo muss mit Umsatzeinbußen rechnen. Außerdem werden viele Unternehmen Schadenersatz fordern. Wie hoch die wirtschaftlichen Schäden für die Deutsche Bahn sein werden, kann der Staatskonzern noch nicht sagen. Auf SWR-Anfrage teilte das Unternehmen lediglich mit, dass aktuell die Reparatur der gesperrten Bahnstrecke im Vordergrund stehe.

Immenser Imageschaden für die Bahn

 An der Baustelle des Bahntunnels Rastatt (Baden-Württemberg) finden am 22.09.2017 bei Niederbühl Arbeiten statt.

Es geht voran: Ab dem 2. Oktober 2017 soll die Rheintalbahnstrecke wieder befahrbar sein.

Fest steht, dass das Image gelitten hat. Das Vertrauen in das Verkehrsmittel Bahn sinkt, heißt es zum Beispiel aus der Chemiebranche.

Utz Tillmann vom Verband der Chemischen Industrie sieht die Bahn nun in der Pflicht, künftig zum Beispiel ein spezielles Risikomanagement zu installieren, um notfalls eben "auch einen Plan B zu haben, wenn etwas schief geht".

Plan B der Bahn hat gefehlt

Denn wenn es bereits im Vorfeld eine Alternativ-Planung gegeben hätte und bereits ausgearbeitete Alternativ-Routen zur Rheintalbahn, wäre das Fiasko möglicherweise vermeidbar gewesen.

Klar ist für viele Unternehmen und Wirtschaftsverbände jedenfalls: Die Deutsche Bahn muss jetzt ihre Hausaufgaben machen, damit sich das Rheintalbahn-Desaster nicht noch einmal wiederholt.

Von Tobias Frey, SWR Wirtschaft und Soziales | Online: Lutz Heyser