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Rekordprämien bei Bosch und Porsche Erfolgsbeteiligung - verdient oder unsozial?

Bosch- und Porsche-Mitarbeiter erhalten Boni für das vergangene Jahr - in beiden Unternehmen in Rekordhöhe. Aber ist diese Form der Mitarbeiter-Beteiligung überhaupt gerecht?

Mitarbeiter in der Produktion

Bosch-Tarifbeschäftigte werden am Erfolg des Unternehmens beteiligt.

PRO

Von Jutta Kaiser

Ein "Bonus" ist nicht nur etwas für Top-Manager. In manchen Unternehmen kriegen auch die normalen Mitarbeiter etwas davon ab, wenn ihr Arbeitgeber Gewinne einfährt - und das ist auch fair. Immerhin hat jeder Einzelne dazu beigetragen, dass die Firma ihre Ziele erreicht oder vielleicht sogar übertroffen hat.

Jutta Kaiser

Jutta Kaiser, SWR Wirtschaft und Soziales.

Eine Erfolgsbeteiligung führt dazu, dass die Mitarbeiter sich viel mehr mit dem Betrieb identifizieren, ihn ein Stück weit als ihren Betrieb sehen. Wer will, dass es gut läuft, macht nicht nur Dienst nach Vorschrift, sondern bleibt auch mal länger oder meldet sich freiwillig für die Sonderschicht.

Motivation für die Mitarbeiter

Frauen und Männer in solchen Unternehmen kommen lieber zur Arbeit als in Firmen, in denen es - gefühlt - keinen Unterschied macht, ob man vollen Einsatz zeigt oder es ruhig angehen lässt.

Der Technologiekonzern Bosch zahlt seinen Mitarbeitern für das vergangene Jahr den höchsten Bonus der Unternehmensgeschichte. An die etwa 53.000 Tarifbeschäftigten des Mutterkonzerns Robert Bosch GmbH sollen rund
135 Millionen Euro ausgeschüttet werden. Die Arbeits- und Erfolgsprämie beträgt durchschnittlich 54 Prozent des Monatsentgelts - für einen Produktionsmitarbeiter sind das rund 2.080 Euro. Beim Autobauer Porsche bekommt jeder Beschäftigte Sonder- und Jubiläumszahlungen von 9.656 Euro brutto - ebenfalls Rekord in der Firmengeschichte.

Mitarbeiter sind dann motiviert, wenn sie das Gefühl haben, dass es auf sie persönlich ankommt, dass sie wertgeschätzt werden. Und das funktioniert nun mal ganz gut über eine Belohnung zusätzlich zum Gehalt.

Bei Porsche oder BASF bringt die jährliche Erfolgsbeteiligung regelmäßig mehrere tausend Euro pro Mitarbeiter. Davon kann sich jeder Einzelne einen kleinen oder größeren Traum erfüllen - vielleicht eine Reise mit der Familie oder ein neues Auto.

Prämie für Arbeiter und Anzugträger

Übrigens bekommen alle nach Tarif bezahlten Mitarbeiter in der Regel gleich viel Erfolgsbeteiligung, egal ob sie in der Produktion arbeiten oder Anzugträger sind. Auch das hat einen psychologischen Effekt, der nicht zu unterschätzen ist.

Schade, dass nur um die zehn Prozent der Unternehmen in Deutschland ihre Mitarbeiter am Erfolg beteiligen, vor allem die großen Konzerne. Studien zeigen, dass sie damit auch ihre Produktivität steigern. Und das zahlt sich dann für alle aus.

CONTRA

Von Geli Hensolt

Erfolgsbeteiligung - das klingt sozial, demokratisch, gerecht. Ist es aber nicht.

Angelika Hensolt

Geli Hensolt, SWR Wirtschaft und Soziales.

Eine Erfolgsbeteiligung, so wie sie in der Automobilindustrie gehandhabt wird, ist exklusiv, ungerecht und funktioniert nur, weil die einen die fürstliche Entlohnung der anderen finanzieren.

Was ist mit Leiharbeitern?

Die Leiharbeiter zum Beispiel: Auch sie arbeiten für den Erfolg eines Unternehmens, finanziell beteiligt werden sie aber nicht, genauso wenig wie die Werkstudenten. Leiharbeiter und Werkstudenten sind billige Arbeitskräfte. Das Geld, das Unternehmen mit prekären Beschäftigungsverhältnissen sparen, können sie an ihre eigenen, ohnehin schon gut bezahlten Mitarbeitenden weitergeben.

Genauso sieht es bei den Leuten aus, die bei einem der Zulieferer arbeiten - also bei einer der Firmen, die möglichst kostengünstig liefern sollen. Teilweise geht das nur auf Kosten der eigenen Mitarbeiter, die von fürstlichen Erfolgsbeteiligungen nur träumen können.

Zweifelhafter Erfolg der Auto-Konzerne

Und auch der Erfolg, an den die Beteiligung geknüpft ist, ist zumindest in der Automobilbranche zweifelhaft: Klar, die Konzerne stehen gut da. Aber warum? Weil sie uns Kunden jahrelang belogen und betrogen haben. Sie haben die Luft verschmutzt, die wir atmen und wollen die Konsequenzen - auch die finanziellen - dafür nicht tragen. Geld ist da, um die eigenen Mitarbeiter zu pampern, aber nicht für die Allgemeinheit.

Die Automobilkonzerne sollten die Erfolgsbeteiligung deshalb lieber in den Erfolg von morgen investieren und damit neue, saubere und bessere Technologien entwickeln. Das sichert nicht nur die Zukunft der eigenen Mitarbeiter, sondern die Zukunft aller. Das wäre sozialer, demokratischer und gerechter, als jede Einmalzahlung. Und nachhaltig wäre es auch.

Online: Sola Hülsewig