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Reiner Text wirkt abstoßend Wie Wahlplakate Wähler beeinflussen

Haben Wahlplakate irgendeine Auswirkung auf das Verhalten der Wähler? Wissenschaftler der Universität Hohenheim haben die Wirkung der Bilder unter die Lupe genommen.

Wahlplakate an einer Straße

Was bleibt von Bildern und Text hängen? Werden wir davon beeinflusst?

Angela Merkel lächelt zufrieden in die Kamera, Martin Schulz fordert die Wende, Christian Lindner von der FDP zeigt sich in Model-Posen - und die Erdkugel der Grünen ist magentafarben. Wenige Wochen vor der Bundestagswahl hängen an jeder Straßenecke Wahlplakate.

Wenn die Botschaften der Plakate ankommen sollen, müssen die Bilder und Slogans gezielt den Blick der Wähler auf sich ziehen. Wie gut das bei verschiedenen Plakaten klappt, messen Forscher an der Universität Hohenheim in Stuttgart mit einem sogenannten Eyetracker - einem Bildschirm mit eingebauten Infrarot-Leuchtdioden. Er kann Blickverläufe aufzeichnen.

Jedes Bild steht fünf Sekunden

Den Testpersonen werden nacheinander zwölf Wahlplakate gezeigt, jedes für fünf Sekunden. Simuliert werden flüchtige Eindrücke, wie sie für den Alltag typisch sind. Der Eyetracker erfasst alle Blickverläufe. Auf den gespeicherten Wahlplakaten sind diese dann als farbige Kleckse zu erkennen - von grün über gelb bis rot.

CDU-Plakat mit Angela Merkel mit Farbklecksen in gelb, grün und rot

Die roten Stellen zeigen, wo die meisten Blicke hingingen.

Kommunikationswissenschaftlerin Catharina Vögele erklärt, was die verschiedenen Farben bedeuten: "Je röter die Farbe, desto stärker wurde der Bereich fixiert." Vögele zeigt auf ein Plakat der CDU, auf dem Angela Merkel zu sehen ist. "Vor allem die Augen sind rot, das heißt vor allem auf die Augen wurde geschaut. Aber auch der Slogan wurde gelesen und auch das Logo wurde betrachtet."

Bild ist Text überlegen

Dieses Ziel haben die Plakatmacher also schon einmal erreicht. Deutlich wird auch: Das Bild - im Falle des CDU-Plakats das Gesicht - ist dem Text überlegen. Bilder wirken emotionaler, und die Wähler können sich besser an sie erinnern.

Auch Proband Felix Bareiß weiß nach dem Betrachten der Plakate noch, wen er gesehen hat - Martin Schulz von der SPD zum Beispiel und natürlich Angela Merkel. "Von den Texten selbst ist überhaupt nichts hängen geblieben", gibt Bareiß zu.

Knallige Farben wecken Aufmerksamkeit

Reine Textplakate wirken darum gar nicht - oder sogar abstoßend. Besser geeignet ist eine Kombination aus Bild und Text. Knallige Farben erzeugen Aufmerksamkeit.

Proband betrachtet SPD-Wahlplakat auf einem Computerbildschirm

Proband Felix Bareiß betrachtet ein Wahlplakat.

Beeinflussen gut gemachte Plakate die Wähler beim Urnengang? "Grundsätzlich denke ich nicht, dass es meine Wahlentscheidung beeinflusst", so Felix Bareiß.

Tatsächlich zeigen die Forschungsergebnisse, dass Wahlplakate die Einstellungen der Wähler kaum verändern. Ein Grünen-Anhänger wird nicht wegen eines schicken Christian-Lindner-Plakats plötzlich FDP wählen.

Plakate können Wähler mobilisieren

Aber mit Wahlplakaten können die Parteien die Aufmerksamkeit auf bestimmte Themen lenken. Und Wahlplakate können die Wähler mobilisieren, sagt die Wissenschaftlerin Catharina Vögele: "Durch die Wahlplakate zeige ich: Es ist die Aufgabe des Wählers, eine Wahlentscheidung zu treffen und zur Wahl zu gehen."

Von Stefanie Peyk, SWR Wirtschaft und Soziales | Online: Sola Hülsewig