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Probleme der neuen Leuchtmittel Das Geschäft mit LED-Lampen

Marktcheck deckt auf

LED-Lampen sollen Strom sparen, lange leben und gut für die Umwelt sein. Stimmt das? Und welche Auswirkungen hat das Licht auf unsere Gesundheit?

In nur wenigen Jahren haben LED-Lampen und LED-Bildschirme fast alle anderen Leuchtmittel vom Markt verdrängt - beworben von der Industrie, gefördert durch die Politik. Die Argumente: Strom soll die LED sparen, eine besonders lange Lebensdauer soll sie haben und dadurch letztlich die Umwelt schonen. Stimmt das? Und welche Auswirkungen hat das Licht auf unsere Gesundheit?

Lebensdauer ist niedriger als zunächst angenommen

Verschiedene LED Lampen leuchten blau

Die Lebensdauer von LED-Lampen wird viel niedriger angegeben.

Das Problem: Als die LEDs auf den Markt kamen, war von Seiten der Industrie die Rede von einer möglichen Lebensdauer bis zu 100.000 Stunden. Inzwischen ist auf den Packungen von handelsüblichen LED-Lampen im Baumarkt meist nur noch die Rede von rund 15.000 Stunden. Bei einer durchschnittlichen Benutzung von 2,7 Stunden am Tag würde das 15 Jahren entsprechen. In der Praxis haben viele Verbraucher jedoch bereits die Erfahrung gemacht, dass LEDs häufig schon deutlich früher ausfallen - teilweise schon nach ein bis zwei Jahren. Besonders fatal ist es, wenn die LED auch noch fest verbaut ist. In Möbelhäusern sieht man, dass der Trend eindeutig in Richtung fest verbaute LEDs geht - neben Designer-Leuchten gibt es auch schon Möbelstücke mit fest verbauten LEDs. Hier ist es nicht möglich bei einem Ausfall die Birne zu wechseln. So wandern nicht nur Lampen in den Müll, sondern ganze Möbelstücke.

Die Ursache: Die Hersteller stehen unter Preisdruck und sparen daher teilweise an den Bauteilen. Eine LED-Lampe besteht aus mehreren Bauteilen - neben der Leuchtdiode selbst befindet sich in der Lampe meist noch eine Vorschaltelektronik, die Wechselstrom in Gleichstrom wandelt. Häufig ist es gar nicht die Diode selbst, die ausfällt, sondern die Vorschaltelektronik.

Das können Verbraucher tun: Verbraucher können darauf achten, ob der Hersteller eine Garantie gibt, die über die gesetzliche Gewährleistungsfrist hinausgeht. Das ist ein Indiz dafür, dass man tatsächlich mit einer langen Lebensdauer rechnen kann. Wer sich eine Deckenleuchte, eine Designerlampe, ein Möbelstück oder eine Schreibtischleuchte mit fest verbauten LEDs kauft, sollte sich bewusst sein, dass ausgefallene LEDs in der Regel nicht ausgetauscht werden können.

Energieeffizienz zum Teil zunichte gemacht

Bunte LED-Lichterketten

LED leuchten hell und oft bunt, aber zu viel spart auch keinen Strom.

Das Problem: Während die Glühbirne 90 Prozent ihrer Energie in Wärme umgewandelt hat, sind LED-Lampen zunächst einmal tatsächlich sehr stromsparend. Doch Experten wie Christoph Kyba vom Geoforschungszentrum in Berlin sprechen von einem sogenannten "Rebound Effekt", der einen Teil der Stromersparnis wieder zunichte macht.

Die Ursache: Weil LEDs so ein billiges Licht hergeben, neigen sowohl Städte als auch einzelne Verbraucher dazu, immer mehr Licht und wattstärkere Lampen einzusetzen. Besonders deutlich wird das in der Vorweihnachtszeit, wenn wir ein ganzes LED-Lichtermeer erleben. Teilweise lassen manche Verbraucher das billige LED-Licht in ihrer Wohnung aus Einbrecher-Schutz rund um die Uhr brennen - es kostet ja fast nichts. In Großstädten wird es nachts oft nicht mehr richtig dunkel, Experten sprechen von "Lichtverschmutzung", die auch die Nachtruhe der Tierwelt stört. Teilweise wird das mit Sicherheitsaspekten begründet, in Städten wird LED-Licht aber auch oft für Leuchtreklame verwendet. Auf Satellitenbildern zeigt Christoph Kyba, dass die Erde vom Weltraum aus betrachtet in den Jahren zwischen 2012 und 2016 immer heller geworden ist.

Das können Verbraucher tun: Wer sich von den stromsparenden LEDs dazu verführen lässt, immer mehr Licht und wattstärkere Lampen einzusetzen, muss sich bewusst sein, dass er dadurch einen Teil der Stromersparnis wieder zunichte macht. Ein ökologischer Heilsbringer sind LEDs nur, wenn sie nicht unnötig eingesetzt werden.

Gesundheit: LED-Licht kann Sehzellen schädigen

Eine Frau liegt im Bett mit ihrem Handy in der Hand

Der Blaulichtanteil kann den Schlaf stören.

Das Problem: LED-Licht kann das Absterben von Sehzellen beschleunigen und dazu führen, dass wir abends schlecht einschlafen können.

Die Ursache: Der Netzhautforscher Professor Olaf Strauß von der Charité Berlin warnt: "LEDs enthalten einen hohen Blaulichtanteil und blaues Licht ist im Prinzip schädlich für die Netzhaut." Tierversuche zeigen, dass das blaue Licht die Alterung der Sehzellen im Auge beschleunigt.

Außerdem verhindert der Blaulichtanteil, dass unser Körper abends Melatonin ausschüttet, ein Hormon, das uns abends müde machen sollte. Daher können LEDs den Schlaf-Wach-Rhythmus stören.

Das können Verbraucher tun: Wer sogenannte "warmweiße" LEDs kauft, verringert das Problem. Die haben in der Regel einen nicht ganz so hohen Blaulicht-Anteil. Neuere Smartphones mit LED-Bildschirm und auch Laptops haben inzwischen meist einen "Night Shift"-Modus, der abends den Blauanteil herunterregelt. Außerdem gibt es inzwischen auch Brillen mit einem Blaufilter - wer Schlafprobleme hat, kann das einmal ausprobieren. Beim Kauf einer Lampe kann man auch auf den RA-Wert achten, der möglichst nah bei 100 liegen sollte. Dieser Wert gibt an, wieviel Prozent der Farben richtig wiedergegeben werden. Im Wohnzimmer, wo man sich abends länger aufhält, ist das natürlich noch wichtiger, als zum Beispiel bei einer Lampe im Treppenhaus.

Fazit 

In der Theorie kann die LED-Technik viel. Die handelsüblichen LED-Lampen, die man derzeit im Baumarkt kaufen kann, zeigen jedoch oft nicht das volle Potential der Technologie - zum Beispiel in Bezug auf die Lebensdauer. Verbraucher wollen günstige Lampen und der Preisdruck kann Hersteller dazu treiben, an Bauteilen zu sparen. Möglicherweise wird das Fortschreiten der Technik manche Probleme wie den erhöhten Blaulichtanteil in Zukunft beheben. Heute müssen Verbraucher aber noch einiges beachten, um den oben genannten Problemen aus dem Weg zu gehen. 


Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder


Autoren: Inga Vennemann und Moritz Hartnagel
© SWR Marktcheck