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Pro und Contra Bargeld Nur Bares ist Wahres - oder digital bezahlen?

Immer mehr Banken und Dienstleister bieten neue Möglichkeiten, ohne Bargeld zu bezahlen. Auch die Sparkassen ziehen mit einer Smartphone-App nach, demnächst auch die Volks- und Raiffeisenbanken.

Eine Frau bezahlt eine Rechnung mit dem Handy.

Immer mehr Anbieter wollen auf den Markt des mobilen Bezahlens.

Die Deutschen sind wie kaum ein anderes Land dafür bekannt, das Bargeld zu lieben. Und trotzdem wird auch hierzulande das mobile Bezahlen beliebter, zum Beispiel über eine App auf dem Smartphone. Neuester Anbieter sind die Sparkassen. Die Volks- und Raiffeisenbanken wollen ab August mobiles Bezahlen in der "VR-BankingApp" anbieten.

Andere Anbieter waren bereits schneller mit Bezahldiensten am Markt, wie die Commerzbank und ihre Tochter Comdirect, die Direktbank N26 sowie die Bezahl-App Boon. Sie bieten das Bezahlen über Google Pay an. Auch die Landesbank Baden-Württemberg sowie die Digitalbank Revolut unterstützen den Dienst.

Contra Bargeld: Eva Röder, aktuelle Wirtschaftsredaktion

SWR-Reporterin Eva Röder aus der aktuellen Wirtschaftsredaktion.

SWR-Reporterin Eva Röder aus der aktuellen Wirtschaftsredaktion.

Bargeld braucht kein Mensch, es macht nur das Portemonnaie dick. Was wäre das für eine schöne Welt ohne Bargeld? Banken würden uns nicht mehr unnötige Gebühren abknöpfen.

Unser Bargeldsystem kostet nämlich richtig viel Geld. Die Scheine müssen aufwendig fälschungssicher gemacht werden. Dann muss das Bargeld von den vielen Geschäften irgendwie zur Bank kommen, mit gesicherten Spezialtransportern. Auch die Banken müssen das Geld sicher verwahren. Ohne das lästige Papier und Metall würden sich Überfälle auf Banken, Geldtransporter oder Geschäfte gar nicht mehr lohnen.

Bargeldloses Zahlen macht Verbrechen schwieriger

Auch andere Verbrechen würden zumindest viel aufwändiger. Korruption, Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit - ohne Bargeld eher schwierig. Und wenn keiner mehr unnötig Bargeld zu Hause versteckt, weil er den Banken nicht traut, wird sicher auch weniger eingebrochen.

Manche machen sich Sorgen, dass sie ohne Bargeld die Kontrolle über ihre Ausgaben verlieren. Das Gegenteil ist der Fall. Beim digitalen Bezahlen wird doch alles schön dokumentiert und jeder kann seine Ausgaben jederzeit überprüfen. Die Schweden zum Beispiel leben uns das fast bargeldlose Leben schon vor. Es ist an der Zeit, mitzuziehen.

Pro Bargeld: Sabrina Fritz, aktuelle Wirtschaftsredaktion

Sabrina Fritz, ARD-Hörfunkkorrespondentin in Washington

Sabrina Fritz, Leiterin aktuelle Wirtschaftsredaktion des SWR.

Ich hatte kürzlich meine EC-Karte verloren und hob mir Bargeld von der Bank ab. Mit diesem Betrag musste ich dann eine Woche auskommen. Sehr lehrreich kann ich nur sagen. Man überlegt sich zweimal, ob der Cappuccino to go für 3,99 Euro jetzt wirklich notwendig ist, wenn das Geld im Beutel sichtbar schrumpft.

Auch beim Lebensmittel-Einkauf habe ich viel genauer darauf geachtet, nicht über die Stränge zu schlagen, denn das Bargeld war einfach begrenzt. Bei der EC-Karte kommt es dann doch auf ein paar Euro nicht an.

Bargeld sorgt für Kostenbewusstsein und ist anonymer

Bargeld hilft also sparen. Zweitens, meine Bank, meine Kreditkarte, und bald Google oder Apple lesen immer mit, wofür ich mein Geld ausgebe. Sie wissen, welche Antifaltencreme ich benutze, welches Dosenfutter ich für meinen Hund kaufe, und dass ich gerne Rosé trinke. Will ich das?

Bargeld ist auf jeden Fall datensicherer. Und: Bargeld bleibt ein menschlicher Faktor. Dem Obdachlosen auf der Straße, meinem Patenkind oder der Sammelbüchse des roten Kreuzes sind mit einer Kreditkarte nicht geholfen.

Online: Jutta Kaiser