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Oxfam "Ungleichheitsbericht" Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst

Experten kritisieren den neuen "Ungleichheitsbericht" der Hilfsorganisation Oxfam. Darin steht, dass weltweit die Reichen weiter immer reicher werden - und die Armen immer ärmer.

Ein hilfsbedürftiger Mann bittet am 27.11.2012 auf dem Kurfürstendamm in Berlin um Spenden.

Noch nie war der Wohlstand weltweit so ungleich verteilt wie heute, sagt Oxfam.

Fragen an Michael Wegmer, Redakteur Aktuelle Wirtschaft

Wie kommt Oxfam zu seinen Zahlen?

Auf der Galopprennbahn Iffezheim (Baden-Württemberg) verfolgt am 04.09.2016 bei der Großen Woche eine Besucherin mit einem Fernglas den Zieleinlauf eines Rennes.

Die deutschen Milliardäre konnten ihr Vermögen im vergangenen Jahr um 20 Prozent steigern.

Dazu gibt es laut Oxfam zwei verschiedene Datengrundlagen: Zum einen - für die Reichen - die bekannte Milliardärsliste des US-Magazins Forbes, eine Schätzung mit allerdings starken Schwankungen. Für die Armen wiederrum zieht Oxfam den sogenannte Global Wealth Report der Schweizer Großbank Credit Suisse heran. Das wirft Fragen auf: Etwa, ob man zwei Listen, die vom Ansatz her nach ganz unterschiedlichen Kriterien zustande gekommen sind, so einfach miteinander vergleichen kann.

Ein Putzeimer und ein Staubwedel stehen an einer Wand

Wer keine Ausbildung hat und als ungelernte Kraft arbeitet, hat ein höheres Armutsrisiko.

Vor allem beim Report der Credit Suisse gibt es einen weiteren Haken: Denn danach gelten Menschen als arm, die hohe Schulden haben. Ein Beispiel dafür wäre etwa der erfolgreiche Hochschulabsolvent, der gerade einen guten Job bekommen hat, der aber noch einen sehr hohen Studienkredit abzahlen muss.

Eine solche Person wäre nach so einer Berechnung dann zunächst ärmer als ein Bettler in Indien, der zwar mit 1,50 Dollar am Tag leben muss, dafür aber keine Schulden hat. Das sorgt in der Konsequenz dann für eine verzerrte Darstellung von Armut, sagen Kritiker.

Was ist dann von dieser Studie zu halten?

28.12.2018, USA, New York: Börsenhändler Peter Tuchman arbeitet an der New York Stock Exchange (NYSE).

Vor allem Dank sprudelnder Aktiengewinne wurden viele Reiche 2018 noch reicher.

Das grundsätzliche Problem bei Armutsstatistiken ist, dass es keine weltweit einheitliche, verbindliche Berechnungsmethode dafür gibt. Das heißt, es ist relativ einfach, ein Ergebnis zu bekommen, das den eigenen Interessen entspricht. Wenn Oxfam also solch eine Studie veröffentlich am Tag, an dem das Weltwirtschaftsforum beginnt, ist klar, was damit bezweckt wird. Deshalb muss man genau hinschauen.

Ein paar Kernthesen des Reports sind jedenfalls sehr umstritten. Zum Beispiel, dass die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung noch ärmer geworden sei. Dazu gibt es viele Experten und Studien, die sagen, das genaue Gegenteil ist der Fall, also dass die Armut abgenommen habe. Am Kern des Oxfam-Reports gibt es aber keine Zweifel, dass das Vermögen auf der Welt ungleich verteilt ist: Einige wenige Menschen auf der Welt sind also unfassbar reich und viele hundert Millionen hungern. Nur rechnet Oxfam das vielleicht ein bisschen ungleicher, als es tatsächlich ist.

Online: Michael Herr & Lutz Heyser