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Neue Methode zur Geschlechtsbestimmung bereits im Ei Kükentöten bald überflüssig?

Weil sie keine Eier legen können: Ist nun Schluss mit dem massenhaften Töten von männlichen Küken? Derzeit wird ein Verfahren zur frühzeitigen Geschlechterbestimmung in der Praxis getestet.

09.03.2016, Mecklenburg-Vorpommern, Walkendorf:  Männliche Küken.

Allein im vergangenen Jahr 2017 wurden in Deutschland mehr als 40 Millionen männliche Küken getötet.

Fragen an Stefanie Peyk, SWR-Umweltredaktion

Warum werden bei uns in Deutschland überhaupt Küken getötet, wie läuft das ab?

Die männlichen Küken werden aus einem ganz einfachen Grund getötet: sie haben das falsche Geschlecht. Sie können nämlich keine Eier legen. Und weil sie aus spezialisierten Lege-Rassen stammen, setzen sie auch viel weniger Fleisch an als echte Masthähnchen. Sie zu mästen, lohnt sich in der Regel also auch nicht. Darum werden die Brüder von Legehennen gleich nach dem Schlüpfen mit CO2 erstickt.

Wie funktioniert die neue Methode zur Geschlechtsbestimmung?

Legefrische Eier werden am 22.03.2016 in der Bio Geflügelhof Deersheim GmbH in Deersheim (Sachsen-Anhalt) in einer speziellen Eiersortiermaschine durchleuchtet.

Forscher arbeiten an neuen Methoden zur Geschlechterbestimmung schon im Ei.

Dabei geht es darum, das Geschlecht des Kükens zu erkennen, solange der Hühner-Nachwuchs noch im Ei steckt. Das Ganze ist eine Art Hormontest: Mit einem Laser wird ein kleines Loch in die Eier-Schale gebrannt. Dann wird aus dem Ei ein Tropfen Flüssigkeit entnommen – das Innere des Eis bleibt dabei heil.

Mit dieser Flüssigkeit kann das Geschlecht des Embryos bestimmt werden – mit einer Trefferquote von angeblich 98 Prozent. Die weiblichen Eier werden weiter ausgebrütet, aus ihnen schlüpfen die künftigen Legehennen. Die männlichen Eier werden dagegen aussortiert und nicht weiter ausgebrütet - aus ihnen wird Tierfutter.

In Berlin wollen jetzt erste Rewe- und Penny-Filialen Eier verkaufen, für die keine männlichen Küken sterben mussten. Heißt das, dass wir bald überall in Deutschland mit gutem Gewissen Eier kaufen können?

Braune Hühnereier, aufgenommen am 03.01.2011 in Hamburg.

Erste Eier, für die keine männlichen Küken sterben mussten, sind bereits im Handel.

Da wäre ich noch vorsichtig. Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft hat schon im Vorfeld bezweifelt, dass das neue Verfahren wirklich praxisreif ist. Denn die Brütereien bräuchten Methoden, mit denen sie rund 100.000 Eier am Tag sortieren können. Die Branche ist skeptisch, ob das mit dem neuen Verfahren derzeit zu schaffen ist.

Auch von Tierschützern kommt Kritik: So ein Hormontest wird nämlich in der Regel erst relativ spät gemacht, am 8. bis 10. Bruttag. Laut Tierschutzbund ist es unklar, ob Hühner-Embryos da nicht schon Schmerzen empfinden können. Falls ja, wäre mit dem Aussortieren aus Tierschutzsicht also wenig gewonnen.

Online: Lutz Heyser