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Neue EU-Richtlinie für den Zahlungsverkehr Kontoverwaltung und Bezahlen neu denken

Persönliche Daten zum Online-Banking weitergeben - für viele undenkbar. Ab sofort ist das aber erlaubt. Wir klären, was eine neue EU-Richtlinie für den Zahlungsverkehr bewirken will.

Eine Frau sitzt mit einer Kreditkarte vor einem Notebook

Bei Bankgeschäften soll es nach dem Willen der EU mehr Wettbewerb geben.

Ab sofort gilt eine neue Richtline der EU für den Zahlungsverkehr. Sie ermöglicht es Kunden, das Bezahlen und die Kontenverwaltung neu zu organisieren.

Fragen an Jutta Kaiser, SWR Wirtschaft und Soziales

Die EU will, dass Verbraucher ihre persönlichen Zugangsdaten für das Online-Banking weitergeben dürfen - das klingt paradox, was steckt dahinter?

Es geht nicht darum, die Daten an Bekannte oder Freunde weiter zu geben, sondern an zertifizierte Finanzdienstleister, die von der Finanzaufsicht Bafin überwacht werden.

Ein Mann schaut auf sein Handy

Manche Apps bieten Kunden Komfort, bergen aber auch Risiken.

Hintergrund ist, dass in den vergangenen Jahren Finanzdienstleister entstanden sind, die Verbrauchern neue Wege für ihre Bankgeschäfte und die Kontenverwaltung anbieten. Beispiele sind Sofortüberweisung, Klarna und Numbrs. Mit ihrer Hilfe ist es zum Beispiel möglich, sekundenschnell zu überweisen oder mehrere Konten mit einer App im Blick zu behalten.

Viele Menschen haben diese Dienste bereits in Anspruch genommen und dafür Log-in Daten weiter gegeben. Darüber hatten sich einige Banken beschwert, mit dem Argument, dies sei nicht zulässig. In der Tat war es rechtlich eine Grauzone. Da dieses Thema nicht nur in Deutschland eines ist, hatte sich die EU damit beschäftigt.

In der neuen Richtlinie ist nun offiziell geregelt, dass Verbraucher solche Dienste in Anspruch nehmen dürfen. Die EU will, dass dadurch mehr Wettbewerb entsteht und am Ende wir alle profitieren, von innovativen Produkten zum Bezahlen und Kontenverwalten in der Zukunft.

Kritiker warnen, Kunden könnten ausgespäht werden. Wo liegen die Risiken, solche Dienste zu nutzen?

Zwei Bankkarten und ein Schloss liegen auf einem Laptop.

Den Zugang zu den Kontodaten kann jeder selbst bestimmen.

Es gibt tatsächlich das Problem, dass viele Dienste durch meine Zustimmung auf weitere Daten zugreifen können, die sie für ihre Dienstleistung nicht bräuchten.

Wenn man beispielsweise eine App benutzt, um mehrere Konten zu verwalten, dann hat der Finanzdienstleister die komplette Übersicht über die Finanzen - mindestens für die letzten drei Monate. Und mit diesen Daten kann er dann ein Kundenprofil erstellen, mit dem er selbst Geld verdienen kann.

Sieht der Dienstleister beispielsweise, dass jemand 60 Euro pro Monat für Strom ausgibt, könnte er seinem Kunden einen neuen, günstigeren Vertrag anbieten. Oder: Er sieht, dass jemand knapp bei Kasse ist und macht ihm ein Kredit-Angebot.

Der Kunde muss zwar nicht darauf eingehen, aber er muss wissen: Der Finanzdienstleister hat Zugang zu Informationen, die der Kunde ihm vielleicht nicht geben möchte. Und das kritisieren Verbraucherschützer sehr, weil so viel Einblick nicht nötig ist für das, was der Kunde von seinem Dienstleister will.

Wie soll ich mich als Kunde verhalten? Kann ich solche Dienste nutzen oder raten Sie davon ab?

Jeder muss für sich selbst entscheiden, was ihm wichtiger ist: schnelle und bequeme Bankgeschäfte oder die Sicherung der eigenen Daten. Manche Leute sagen: Ich habe nichts zu verbergen und mir ist es egal, wenn ein App-Betreiber meine Kontobewegungen auswertet. Wenn ich Werbung bekomme, ignoriere ich das.

Ich finde es aber nicht in Ordnung, wenn ein Unternehmen ohne Not alle möglichen Daten sammeln kann. Wer das verhindern möchte, sollte sich genau überlegen, ob er überhaupt und welche Finanzdienstleister er nutzen will. Jeder sollte sich die Mühe machen, zu vergleichen und regelmäßig zu überprüfen, ob es zwischenzeitlich individuell passendere Produkte am Markt gibt.

Welche weiteren Neuerungen bringt die neue EU-Richtline für Verbraucher?

Eine junge Frau will mit ihrer Kreditkarte in einem Einkaufshaus bezahlen.

Keine Extra-Gebühr für shoppen mit Kreditkarte.

Ein Vorteil ist, dass Hotels, Einzelhändler oder Online-Shops keine Gebühren mehr verlangen dürfen, wenn ein Kunde zum Beispiel lieber mit Kreditkarte zahlen will statt mit Lastschrift. Der Kunde hat die Wahl zwischen allen gängigen Verfahren, ohne Aufpreis.

Eine gute Sache ist auch, dass Verbraucher, denen die Bank- oder Kreditkarte geklaut wird, nur noch mit maximal 50 Euro haften, wenn der Dieb sie benutzt. Bisher war es das Dreifache.

Und: Online-Banking wird sicherer. Ab Mitte des Jahres muss sich jeder mit mindestens zwei Merkmalen ausweisen. Das kann ein Passwort sein und eine TAN, die auf einem Gerät erzeugt oder aufs Handy geschickt wird. Oder der Login auf dem Computer plus ein Livebild der Person über die Webcam, das mit einem Foto verglichen wird, das derjenige bei einem Dienstleister hinterlegt hatte. Betrüger haben es so schwerer als bisher.