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SENDETERMIN Di, 23.1.2018 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Nach Hunde-Skandal in Bornheim Anklage wegen Tierquälerei und Betrugs

Marktcheck deckt auf

Fast 70 stark verwahrloste Tiere hat die Polizei im Frühjahr 2017 bei Frau S. gefunden. Ausgehend von den Marktcheck-Recherchen hat die Staatsanwaltschaft nun Anklage erhoben.

Im Frühjahr 2017 war Marktcheck schon einmal skrupellosen Hundehändlern auf der Spur. Im Zuge der Recherchen stießen wir auf eine Tierärztin aus Bornheim in der Südpfalz. Die Frau hatte massiv gegen Tierschutzregeln verstoßen.

Nachdem die Polizei aufgrund der Marktcheck-Recherchen fast 70 stark verwahrloste Tiere aus ihren Anwesen befreit hatte, wurde es Frau S. verboten, Tiere zu halten und zu betreuen - Ende 2017 wurde sogar ein Berufsverbot ausgesprochen.

"Erhebliches Leid"

Nun hat die Staatsanwaltschaft Landau Anklage wegen des Verdachts der Vergehen nach dem Tierschutzgesetz und des Betruges gegen die Tierärztin erhoben. Laut Pressemitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei wird der Frau vorgeworfen, "43 Hunden und Katzen zu Beginn des Jahres 2017 über mehrere Monate dadurch erhebliche Leiden zugefügt zu haben, dass sie diese in zwei unbewohnten Privathäusern nicht artgerecht gehalten hat."

Weiter heißt es: "Die Leiden der Tiere sollen unter anderem durch die durch ihre eigenen Ausscheidungen verursachten massiven Schadgasbelastungen, fehlenden Auslauf und unzureichende Bewegung, Mangel an Tageslicht und fehlenden Kontakt zu Artgenossen und/oder Bezugspersonen verursacht worden sein. Außerdem sollen zwei erwachsene Bennett-Kängurus über Monate in einem sehr kleinen und mit einem Deckel verschlossenen Käfig gehalten worden sein, so dass sie ganz erheblich in ihrem Bewegungs- und Erkundungsverhalten eingeschränkt waren und deshalb länger anhaltende Leiden erdulden mussten."

Außerdem wirft die Staatsanwaltschaft der Tierärztin zwei Betrugs-Fälle vor, bei denen sie Kunden Leistungen abgerechnet hat, die nicht erbracht wurden.

Hintergrund: Frau holte sich wohl Tiere zurück

Anfang des Jahres war Marktcheck auf mehrere Indizien gestoßen, die darauf hinwiesen, dass Frau S. sich offenbar über Mittelsmänner einige ihrer ehemaligen Hunde aus den Tierheimen zurückgeholt hatte.

So wurde die Redaktion beispielsweise auf eine verdächtige Verkaufsanzeige für Labrador-Welpen im Internet hingewiesen. Die Anzeige stammte von einem Bekannten der Tierärztin. Die Hunde-Babys sahen so aus, als könnten sie der Nachwuchs einer Hündin sein, die Frau S. offenbar zurück geholt hatte.

Welpen-Handel Bornheim

Verdächtige Verkaufsanzeige im Internet.

Labrador-Welpe stark verwahrlost

Eine erfahrene Hundebesitzerin gab sich daraufhin für uns als Kaufinteressentin aus und ließ sich einen der Welpen zeigen. Der Hund stank und wirkte ungepflegt und verwahrlost. Außerdem fiel ihr auf, dass die Krallen an den Hinterläufen des Tieres stark abgewetzt waren - entweder ein Hinweis auf häufiges Scharren oder darauf, dass er viel auf Betonboden lief, vermutete die Hundehalterin.

Frau S. wohnt jetzt wohl in Frankreich

Insider berichteten uns, dass Frau S. inzwischen im nahen Elsass wohnen solle. Tatsächlich haben wir sie dort entdeckt - offenbar hielt sie in ihrem Haus mehrere Hunde. Wollte die Tierärztin mit ihrem Umzug nach Frankreich das deutsche Tierhalte- und Betreuungsverbot umgehen?

Welpen-Handel Bornheim

Geht die Hundezucht in Frankreich weiter?

Hundezucht geht wohl weiter

Kurz darauf bekamen wir ein weiteres Video zugespielt. Die Bilder stammten aus dem Haus der Ex-Tierärztin in Frankreich. Die Befürchtungen schienen sich zu bestätigen: Wieder waren viele Hunde zu sehen, die unter schlimmsten Bedingungen gehalten werden. Die vielen jungen Hunde zeigten, dass die Hundezucht wohl weiterging.

Aufgrund der Marktcheck-Recherchen hatten die deutschen Behörden das französische Veterinäramt eingeschaltet.

Filmautorin: Barbara Hirl | Online: Sola Hülsewig
© SWR Marktcheck