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SENDETERMIN Di, 17.7.2018 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Mückenstiche Wie schützt man sich vor Infektionen?

Marktcheck klopft ab

Entzündete Mückenstiche können zu schweren Komplikationen führen. Ein Teil des Problems sind exotische Mückenarten, die vermehrt zu uns kommen.

Mückenstiche gelten eigentlich als harmlos. Mit jedem Stich können allerdings Viren übertragen werden. Noch häufiger ist jedoch der Fall, dass man die Haut aufkratzt und so Krankheitserreger in die Wunde reibt.

Vereiterter, entzündeter Mückenstich

Gelangen Bakterien in die Wunde, können sich Mückenstiche böse entzünden - wie hier, bei einem Marktcheck-Zuschauer.

Schwere Entzündungen

Wir tragen verschiedene Bakterien, wie beispielsweise Streptokokken, auf der Haut, erklärt Dermatologe Markus Zutt vom Klinikum Bremen-Mitte. Gelangen diese in die Wunde, kann das zu Mischinfektionen führen. Die Folgen können Schwellungen und schwere Entzündungen sein - werden die nicht rechtzeitig behandelt und treten Blutvergiftungen auf, droht sogar der Verlust von Gliedmaßen.

Heftige Reaktionen nehmen zu

Heftige Reaktionen werden zunehmen, sagt Doreen Walther vom Mückenforschungszentrum Müncheberg. Das liegt auch an den neuen Mückenarten, die zu uns einwandern.

Um das Blut am Gerinnen zu hindern spritzen die Mücken Proteine in unsere Haut, erklärt Doreen Walther. "Je nach Stechmückenart ist dieser Proteincocktail unterschiedlich." Unser Immunsystem sei auf den Giftcocktail der verschiedenen Arten teilweise nicht eingestellt.

Eine Stechmücke auf einem Arm.

Auch die Tigermücke, Überträgerin tropischer Krankheiten wie Zica, gibt es mittlerweile in Deutschland.

Am Mückenforschungszentrum sammeln die Wissenschaftler Mücken, die aus ganz Deutschland eingeschickt werden und tragen sie in einen Mückenatlas ein. So wollen die Forscher herausfinden, wie weit sich bei uns schon exotische Mückenarten wie Tiger- oder Buschmücken ausgebreitet haben. Sie gelten als Überträger von Tropenviren.

Noch haben die exotischen Mückenarten sowie die Erreger jedoch hierzulande keine perfekten Lebensbedingungen, sodass es laut Experten noch relativ unwahrscheinlich ist, sich in Deutschland mit einem tropischen Virus zu infizieren. Durch den Klimawandel könnte sich das aber in Zukunft ändern.

Inzwischen mehren sich allerdings die Hinweise, dass sogar unsere Hausmücken tropische Krankheitserreger übertragen können - zum Beispiel das Vesni-Fieber-Virus.

Verschiedene Mückensprays

Die Stiftung Warentest hat verschiedene Mücken- und Zeckenschutzmittel untersucht.

Mückenschutzmittel im Test

Die Stiftung Warentest hat verschiedene Mückenschutzmittel unter die Lupe genommen. Dafür wurden die Unterarme der Tester mit den Mitteln eingeschmiert und 10 Minuten lang hungrigen Mückenweibchen ausgesetzt. Die Zeit bis zum ersten Stich wurde protokolliert.

Die meisten Mittel schnitten in dem Test mit "gut" ab.

Mückensprays mit Icaridin

Insektenabwehr-Sprays mit Icaridin.

Icaridin und DEET

Der gängigste Wirkstoff ist das sogenannte Icaridin. Er ist zum Beispiel in Autan enthalten und wehrt die Mücken über viele Stunden wirksam ab.

Auch der Wirkstoff DEET war sehr effektiv, greift aber Kunststoffe an und kann so zum Beispiel Sonnenbrillen beschädigen.

Mückensprays mit DEET

DEET hält Mücken und Zecken wirksam ab.

"DEET ist von seiner Wirkungsdauer und von seiner Wirkungsstärke her der beste aller Stoffe", ist Markus Christmann, Toxikologe an der Universität Mainz, überzeugt. Der Stoff dringe allerdings über die Haut in den Körper ein und werde da verteilt. In seltenen Fällen könnten hier neurologische Nebenwirkungen, wie Kribbeln und Taubheitsgefühle auftreten. Der Arzt wiegelt jedoch sowohl bei DEET, als auch bei Icaridin in Punkto Gefährlichkeit ab: "DEET ist schon seit über 50 Jahren im Handel. Also ich als Toxikologe hätte keinerlei Probleme, mich mit beiden dieser Substanzen einzuschmieren."

Ätherische Öle

Die Alternative mit ätherischen Ölen war wenig effektiv und bekam von den Testern ein Mangelhaft. Für den Experten ist das kein Wunder: "Ätherische Öle haben aufgrund ihrer niedrigen Konzentration und ihrer Flüchtigkeit nur eine Wirkungsdauer von 15 bis 30 Minuten. Da etwa 50 Prozent der Punkte vergeben wurde für die Wirkungsdauer über sechs Stunden, ist es ganz klar, dass die ätherischen Öle da schlechter abschneiden."

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Steckmücken

Was tun gegen die Blutsauger?

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Regen, Feuchtigkeit und milde Temperaturen sind für Mücken die idealen Brutbedingungen. Das heißt auch dieses Jahr dürfen wir uns wieder über viele viele Stechmücken "freuen". Wer da in den Abendstunden draußen unterwegs ist, wird so schnell zum gefundenen Fressen für zahlreiche fliegende Blutsauger.

Regen, Feuchtigkeit und milde Temperaturen sind für Mücken die idealen Brutbedingungen. Das heißt auch dieses Jahr dürfen wir uns wieder über viele viele Stechmücken "freuen". Wer da in den Abendstunden draußen unterwegs ist, wird so schnell zum gefundenen Fressen für zahlreiche fliegende Blutsauger.

Wer sich davor schützen will, dem hilft grundsätzlich lange Kleidung. Allerdings können Mücken auch durch dünne Stoffe stechen, vor allem, wenn diese eng anliegen.

Einige Insektenschutzmittel, die direkt auf die Haut aufgetragen werden, sind durchaus wirkungsvoll. Dabei ist aber wichtig, dass alle nackten Körperstellen gründlich und alle paar Stunden eingerieben werden. In Europa reichen Mittel mit den Wirkstoffen Icaridin und PMD vollkommen aus.

Ist es hilfreich die Mücken einfach direkt mit Insektenspray einzusprühen? Eher nicht, denn viele dieser Sprays sind auch für den Menschen ungesund. Wird Insektenspray eingeatmet, kann das die Augen, Haut und Atemwege reizen - vor allem bei längerer Anwendung ist das bedenklich.

Gesundheitsschonender aber leider relativ wirkungslos sind laut einer Untersuchung der Stiftung Warentest die meisten Bio-Mückenschutzmittel. Das gilt vor allem für die Mittel, die auf ätherischen Ölen basieren.

Nur bedingt eine Lösung sind Mückenstecker mit oder ohne Plättchen und Räucherspiralen. Sie verringern zwar die Zahl der Mückenstiche, sind aber nicht unbedingt gesund.

Völlig wirkungslos hingegen sind Geräte, die die Mücken durch hohe Ultraschalltöne vertreiben sollen. Mücken sind so gut wie taub – da ist die Frequenzhöhe auch egal. [zurück zum Artikel]

Mückenstiche richtig behandeln

Um den Juckreiz bei Mückenstichen zu lindern gibt es die verschiedensten Hausmittel von Quark über Aloe Vera, Zwiebeln oder Eis. Einige arbeiten mit Kühlung, andere mit Hitze oder Beruhigung der Haut. Dabei gilt: Alles, was hilft, ist erlaubt - nur nicht kratzen! Dadurch können gefährliche Bakterien unter die Haut gelangen und zu Entzündungen führen.

Stichheiler

Sogenannte Stichheiler arbeiten mit Hitze über 50 Grad. Dadurch wird das Eiweiß Histamin, welches für den Juckreiz verantwortich ist, zerstört. Die Stichheiler kosten zwischen 20 und 30 Euro.


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Filmautorinnen: Nina Rathfelder, Janika Müller, Gudrun Hangen | Online: Sola Hülsewig
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