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Messerfallen auf Spielplätzen Eltern in Angst vor gefährlichem Kinderhasser

Kriminalreport Südwest

Die Angst geht in Teilen Badens um. Auf drei Spielplätzen wurden Messer gefunden, die Kinder verletzen sollten. Die Polizei geht von mehreren Tätern aus.

In drei Orten in Baden sind Messer auf Spielplätzen gefunden worden. In Freudenstadt, Nagold und Rheinstetten waren die Messer im Sand bzw. an Spielgeräten angebracht. Die Spitze zeigte jeweils nach oben. Alle Messer wurden rechtzeitig gefunden, verletzt wurde niemand.

Auf einer Karte von Baden-Württemberg sind die Orte Freudenstadt, Nagold und Rheinstetten markiert. Neben den Ortsschildern ist jeweils ein Messer zu sehen.

Die Messer wurden auf Spielplätzen in Rheinstetten, Nagold und Freudenstadt gefunden.

Am 24. August wurde ein Messer auf einem Spielplatz in Freudenstadt gefunden. Kurz darauf, am 6. September, entdeckte eine Mutter ein Messer in einem Sandkasten in Nagold. Am 15. November fanden Bauhofmitarbeiter ein Messer in einer Nestschaukel auf dem Waldspielplatz Basheide in Rheinstetten.

Tödliche Falle

Die Messer hätten für spielende Kinder zur tödlichen Falle werden können. "Im schlimmsten Falle hätte sich ein Kind da reinwerfen können und wäre in diese Messerklinge quasi reingesprungen", sagte Kriminalhauptkommissar Ralf Minet. Die Kinder hätten verbluten können, bevor Hilfe hätte eintreffen können. Eltern meiden die Spielplätze, auf denen die Messer gefunden wurden. Sie sind fassungslos und verängstigt.

In einer Nestschaukel steckt mittig ein Messer, dessen Spitze nach oben zeigt.

Das Messer war mittig in der Nestschaukel angebracht. Szene nachgestellt.

Das Motiv des oder der Täter ist unbekannt. Wahrscheinlich ist allerdings, dass der Täter Aufmerksamkeit erlangen möchte: "Wenn man Kinder attackiert, oder in Gefahr bringt, dann ist maximale Aufmerksamkeit garantiert, weil das einfach sehr viele Menschen auf die Barrikaden bringt. Und ich glaube, das ist genau Teil des Mechanismus: maximale Aufmerksamkeit zu wollen", sagte Prof. Dr. Nils Habermann, Rechtspsychologe an der Hochschule Heidelberg.

Wahrscheinlich mehrere Täter

Laut Polizei deuten die Indizien auf mehrere Täter hin. "Wir gehen nicht davon aus, dass es sich um eine und denselben Täter handelt, in den drei Fällen Nagold, Freudenstadt und Rheinstetten. Es sind unterschiedlich Messer gewesen, die waren auf unterschiedliche Art und Weise installiert", sagte Minet. Wie die Messer befestigt waren, geben die Beamten aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bekannt. "Wir können hier nicht zu sehr ins Detail gehen, das ist auch Täterwissen. Insofern kann ich es so beschreiben, dass die Klinge senkrecht nach oben stand", sagte der Kommissar.

Ermittlungen wegen versuchten Mordes

Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe hat im Fall des in Rheinstetten in einer Nestschaukel gefundenen Messers ein Ermittlungsverfahren wegen versuchten Mordes eingeleitet. "Hier haben wir den Verdacht des Mordmerkmals der Heimtücke bejaht. Heimtücke liegt dann vor, wenn der Täter die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers ausnutzt, das kann man hier möglicherweise annehmen, da ein Kind, dass die Schaukel benutzt, sich keines Angriffes versieht und eben nicht damit rechnet, dass ein gefährlicher Gegenstand in der Art und Weise angebracht ist", sagt Dr. Tobias Wagner, Erster Staatsanwalt der Staatsanwaltschaft Karlsruhe.

Drei Messer mit einem Metermaß daneben werden auf einer Fahndungstafel des Kriminalreports gezeigt.

Diese drei Messer wurden auf den Spielplätzen gefunden. Die Polizei bittet um Mithilfe.

Polizei bittet um Mithilfe

Die Polizei rät zu erhöhter Aufmerksamkeit, bis der oder die Täter gefasst sind. Eltern sollten Spielgeräte, Wiesen und Sandkästen inspizieren, bevor die Kinder auf ihnen toben. Außerdem bitten die Ermittler um Mithilfe aus der Bevölkerung.

Haben Sie an einem der Tatorte etwas Ungewöhnliches beobachtet? Kennen Sie Menschen aus dem Umfeld der Spielplätze, die sich abfällig über Kinder oder Kinderlärm geäußert haben? Oder erkennen Sie vielleicht eines der Messer wieder?

In Rheinstetten-Mörsch (linkes Messer) wurde ein sogenanntes Elektriker-Messer verwendet. Die Klinge ist rund neun Zentimeter lang. In Freudenstadt (mittleres Messer) wurde ein Küchenmesser mit schwarzem Griff und ca. 20 Zentimeter langer Klinge gefunden. Das rechte Messer stammt vom Spielplatz in Nagold. Es ist rund 32 Zentimeter lang. Auffällig ist der teilweise abgebrochene Holzgriff.

Wenn Sie Hinweise haben, wenden Sie sich bitte an die Polizei unter 0721-666 55 55.



Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder


Filmautor: Matthias Hambsch | Online: Thomas Oberfranz
© SWR Kriminalreport Südwest


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