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SENDETERMIN Di, 30.4.2019 | 21:00 Uhr | SWR Fernsehen

Wettstreit der Streichfette Ist Margarine wirklich gesünder als Butter?

Ob Butter oder Margarine besser für die Gesundheit ist, darüber streiten Verbraucher und Wissenschaftler. Stiftung Warentest beispielsweise rät zur Margarine, doch ist das alles so einfach?

Beim Frühstück ist Deutschland in zwei Lager gespalten: Aufs Brötchen gehört für die einen Butter, für die anderen muss es Margarine sein. Was ist gesünder? Studien dazu kamen in den vergangenen Jahren zu widersprüchlichen Ergebnissen. Bei der Stiftung Warentest hat in vielen Bereichen Margarine die Nase vorn. Wo genau erfahren Sie unter „FAQ Butter und Margarine: Welches Fett ist besser?

Voll- oder Halbfett, Jogurt, Raps- oder Olivenölmargarine – die Qual der Wahl

Deklaration von Pflanzenfetten und Palmfett auf Margarineverpackung

Ein Blick auf die Inhaltsstoffe sorgt für Klarheit!

Wer sich daranhalten will, dem stellen sich gleich die nächsten Fragen: Voll- oder Halbfett, Joghurt, Raps- oder Olivenölmargarine? Welche Variante ist die Beste? Ernährungsberaterin Dr. Anette Weber empfiehlt, auf Palmfett oder Kokosfett zu verzichten und mit Raps- oder Sonnenblumenöl zu höherwertigen Pflanzenölen mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren zu greifen

Herzinfarkt oder Schlaganfall durch Trans-Fettsäuren?

Grafik industrielle Herstellung Margarine

Margarine ist ein Industrieprodukt!

Margarine ist ein Industrieprodukt, bei dem für die Herstellung verschiedene Pflanzenfette erhitzt werden. Zum Klären kommt ein Lösungsmittel dazu, zum Entschleimen eine Säure und Natronlauge entfernt die Fettsäuren. Danach wird das Öl gebleicht, gefiltert und gedämpft.
Das Pflanzenöl ist jetzt farb- und geschmacklos. Daher mischt man Salz, Wasser, Färbemittel, Vitamine und Aromen dazu und lässt es aushärten.

Aber: Beim industriellen Teilhärten von Ölen entstehen Trans-Fettsäuren. Die lagern sich in den Arterien ab und können zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen.
Als man in den 80er Jahren hohe Mengen von Transfetten in Margarine entdeckte, rieten Mediziner vom Verzehr ab. Inzwischen haben die Hersteller reagiert: Streichmargarinen sind so gut wie transfettfrei.

Achten Sie allerdings darauf, dass keine teilgehärteten Fette in der Margarine drin sind. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) erläutert unter „Transfettsäuren und ihr Einfluss auf die Gesundheit“ warum es wichtig ist, Lebensmittel mit einem hohen Anteil an Trans-Fettsäuren im Speisenplan auf ein Minimum zu reduzieren.

Hat Margarine weniger Kalorien als Butter?

Viele aufeinander gestapelte Margarinen-Sorten

Wer die Wahl hat ...

Butter und Margarine enthalten per se erst mal gleich viele Kalorien. Wer abnehmen will kann aber zu einer Halbfett-Margarine greifen. Bei der wird ein Teil des Fettes durch Wasser oder Joghurt ersetzt.

  • Vollfett-Margarine: Sie ist der Klassiker unter den Margarinen und weist einen Fettgehalt von mindestens 80 Prozent und weniger als 90 Prozent auf.
  • Dreiviertelfett-Margarine: Sie hat einen Fettgehalt von 60 bis 62 Prozent. Die Bezeichnung „Fettreduzierte Margarine“ ist ebenfalls zulässig.
  • Halbfett-Margarine: Halbfettmargarinen haben einen Fettgehalt von nur 39 bis 41 Prozent. Bedingt durch den hohen Wassergehalt eignen sie sich nicht zum Braten, da das Wasser beim Erhitzen spritzt. Das Backen mit Halbfettmargarinen ist bedingt möglich, insbesondere für die Herstellung von feuchten Teigen. Anstelle der Bezeichnung „Halbfettmargarine“ können auch die Bezeichnungen Minarine oder Halvarine verwendet werden. Der Wortteil „halbfett“ kann durch die Begriffe „fettarm“, „light“ oder „leicht“ ersetzt werden.
  • Streichfett X von 100: Streichfett X von 100 wird ein Erzeugnis genannt, wenn der Fettgehalt außerhalb der gesetzlich bestimmten Werte für Margarine, Dreiviertelfett- und Halbfettmargarine liegt. X steht für den konkreten Fettgehalt des Produktes. Der Fettanteil liegt entweder unter 39 Prozent, über 41 und unter 60 Prozent oder über 62 und unter 80 Prozent Fett.

Der Nachteil: Halbfettmargarine beispielsweise eignet sich nicht zum Braten oder Backen, dafür kann aber Margarineschmalz verwendet werden.

Cholesterin senken mit Phytosterinen?

Margarinen-Verpackung mit Aufdruck" Senkt den Cholesterinspiegel"

Mit der Senkung des Cholesterinspiegel wird vielfach geworben.

Pflanzliche Fette sind reich an ungesättigten Fettsäuren. Sind sie daher auch gesünder? Lange hieß es von der Butter, dass ihre tierischen Fette den Cholesterinwert stark erhöhen. Ein Hauptargument für den Kauf von Spezial-Margarine, die mit dem Zusatzstoff Pflanzensterin (Phytosterin) den Cholesterinspiegel senken soll.

Normalerweise gelangt Cholesterin aus der Nahrung über den Darm ins Blut. Pflanzensterine sind natürliche Wirkstoffe, die chemisch fast identisch mit Cholesterin sind und es bei der Aufnahme ins Blut ersetzen können.

Grafik: Wie Pflanzensterine Cholesterin ersetzen können

Laut Ernährungsmedizinern tritt der Effekt nur beim Verzehr großer Mengen Margarine ein.

Aber reicht dieser Effekt für eine gesundheitliche Wirkung? Ernährungsmediziner wie Dr. Klaus Winckler bezweifeln das.

Ernährungsmediziner Dr. Klaus Winckler:
„Also Phytosterine haben einen Effekt auf den Cholesterinspiegel im Blut. Das ist erwiesen. Man muss allerdings relativ große Mengen davon essen. Ob das irgendwas am Herzinfarktrisiko macht, das ist eine ganz andere Frage. Ich würde es nicht empfehlen, es ist ein teures Produkt, ich glaube nicht, dass es irgendwie unsere Gesundheit wesentlich beeinflusst.“

Neue Studien weisen sogar darauf hin, dass das Milchfett der Butter den Cholesterinwert bei gesunden Menschen senkt!

Ernährungsmediziner Doktor Klaus Winckler

Ernährungsmediziner Dr. Klaus Winckler

Ernährungsmediziner Dr Klaus Winckler:
„Butter oder Milch als Auslöser für einen Herzinfarkt, das trifft nicht zu. Milch, Milchfett ist ein gesundes Lebensmittel. Und wer Butter mag, der soll Butter essen, dagegen ist gar nichts zu sagen.“


Inzwischen gibt es sogar Misch-Produkte, die Vorteile aus beiden Welten vereinen sollen: den aromatischen Geschmack der Butter und die gute Streichfähigkeit der Margarine. Sie werden aus pflanzlichen beziehungsweise tierischen Fetten und Ölen gewonnen und enthalten einen Milchfettanteil von zehn bis 80 Prozent des Gesamtfettgehaltes.

Egal ob man sich für Butter, Margarine oder ein Mischprodukt entscheidet, wichtig ist es vor allem insgesamt nicht zu viel Fett zu sich zu nehmen.

Mehr Infos gesucht?

Detailreiche Informationen zu Margarine und Butter finden Sie auf den Internetseiten des Bundeszentrums für Ernährung ( BZfE) unter „Margarine und Mischfette: Herstellung, Sorten, Verwendung“ und „Butter: Streichfett aus Milch“ und im dazugehörigen Blog „Butter, Margarine oder Mischfett?: Überlegungen vor dem Kühlregal“.


Filmautorin: Caroline Habel | Online: Dorothée Panse