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SENDETERMIN Di, 26.6.2018 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Im Namen der Postbank Fragliche Forderungen eines Anwalts

Im Namen der Postbank treibt ein Anwalt mit rüden Methoden uralte oder völlig unberechtigte Forderungen ein. Viele zahlen horrende Summen, statt sich zu wehren.

Zahlreiche ehemalige Postbank-Kunden im ganzen Bundesgebiet haben sie schon bekommen: Schreiben von einem gewissen Rechtsanwalt Heyl. Darin werden sie aufgefordert, offene Forderungen zu begleichen. Marktcheck-Recherchen zeigen: So gut wie immer beziehen sich die Schreiben auf alte, längst geschlossene Konten. Häufigster Grund für die Forderung: Eine Kontoüberziehung. Die geforderten Summen übersteigen dabei aufgrund von angelaufenen Zinsen und Gebühren mitunter die angegebene Ursprungsforderung deutlich.

Andere Verbraucher stellen fest, dass sie einen negativen Schufa-Eintrag aufgrund eines alten Postbank-Kontos haben. Den Eintrag veranlasst hat auch in diesen Fällen: Rechtsanwalt Heyl. Als Begründung wird Betroffenen beispielsweise mitgeteilt, dass sie auf einen zugegangenen Vollstreckungsbescheid nicht reagiert hätten und so der Eintrag zustande käme.

Ob die Ursprungsforderung berechtigt ist oder nicht, lässt sich für die Betroffenen meist nicht mehr prüfen oder belegen, da die betreffenden Kontounterlagen längst vernichtet sind. Viele Menschen sind aber allein durch die Forderung so verschreckt, dass sie alles Geforderte bezahlen - nur um den Vorgang abschließen zu können. Doch genau das sollte man nicht zu schnell tun, denn nicht alle Inkasso-Forderungen sind berechtigt. Und wenn man sich noch nicht mal die Ursprungsforderung erklären kann, ist man eventuell an ein schwarzes Schaf der Inkasso-Branche geraten.

Ist das alles rechten?

Bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg etwa ist Rechtsanwalt Heyl bestens bekannt. Regelmäßig ersuchen angebliche Schuldner von ihm den Rat der Verbraucherschützer.

Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg:
"Wir haben seit vielen Jahren immer wieder Beschwerden von Verbrauchern, die Post bekommen von Rechtsanwalt Heyl und darin aufgefordert werden, uralte Rechnungen bei der Postbank zu begleichen. Wenn wir dem nachgehen, dann stellen wir fest, dass möglicherweise diese Rechnungen längst bezahlt worden sind. Teilweise, dass sie verjährt sind möglicherweise oder dass Verbraucher auch überhaupt nicht nachvollziehen können, woher denn eine Forderungen noch zustande gekommen sein soll."


In unseren "Drei Fragen, drei Antworten!" erklärt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, wie Sie sich am besten verhalten, wenn Sie sich auch mit solchen Postbank-Forderungen konfrontiert sehen.

1:41 min | Di, 26.6.2018 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

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Drei Fragen, drei Antworten

Was tun bei Inkasso-Forderungen im Namen der Postbank?

Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg erklärt, wie Sie sich am besten verhalten, wenn Sie mit Inkasso-Forderungen im Namen der Postbank konfrontiert werden.

Schon lange aufgelöste Konten bei der Postbank und die Frage der Verjährung

Selbst wenn es eine ursprünglich berechtigte Forderung der Postbank gab, spielt in vielen der von Rechtsanwalt Heyl aufgegriffen Fälle die Verjährungsfrage eine große Rolle. Hier können zwei Urteile für Betroffene hilfreich sein.

Das Landgericht Frankfurt am Main hat in einem Urteil vom 17.02.2016 (Az.:2-12 O 254/15) festgehalten, dass eine Forderung der Postbank schon nach drei Jahren verjährt war. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main kam bereits in einem Urteil vom 19.11.2012 (Az.: 23 U 68/12) zu dieser Rechtsauffassung.

Richtiger Umgang mit Inkasso-Forderungen

Wer sich Forderungen gegenüber sieht, die er sich nicht erklären kann oder zumindest in der Höhe für ungerechtfertigt hält, sollte den Vorgang gründlich prüfen, bevor er auch nur irgendetwas anerkennt oder sogar bezahlt.

Wer darf überhaupt Forderungen anmahnen und eintreiben?

Grundsätzlich gilt: Wer Rechnungen nicht fristgerecht bezahlt, bekommt schnell Post von den Gläubigern – also beispielsweise Händlern, Telefongesellschaften, Versicherungsunternehmen oder eben Kreditinstituten.

Es kann aber auch sein, dass man Post von einem Inkassounternehmen oder Rechtsanwalt bekommt, denn die können im Namen eines Gläubigers handeln, wenn sie entweder über eine Vollmacht des Gläubigers verfügen, oder aber die Forderungen des Gläubigers aufgekauft haben.
Seriöse Firmen setzen dabei angemessene Zahlungsfristen und gehen auch auf Einwände von Verbrauchern ein.

Holen Sie sich Hilfe

Es gibt aber auch schwarze Schafe in der Branche, die mit Drohungen über horrende Kosten, Mahnbescheiden, Zwangsvollstreckungen und Gerichtsvollziehern versuchen, Verbraucher zur Zahlung unberechtigter Forderungen zu nötigen. Die Wortwahl ist aggressiv und die Forderungen undurchsichtig.

In einem solchen Falle ist es ratsam, sich Hilfe durch einen Rechtanwalt zu holen, oder den Inkasso-Check der Verbraucherzentralen in Anspruch zu nehmen.

Das korrekte Mahnschreiben

Inkassounternehmen sind gesetzlich verpflichtet, ihre Forderungen zu begründen. Sie müssen den Namen oder die Firma ihres Auftraggebers nennen. Der Forderungsgrund muss genau beschrieben werden und die Kosten müssen nachvollziehbar sein: Verzugszinsen, Zinssatz und der Zeitraum, für den Zinsen berechnet werden, müssen benannt werden. Wenn das Inkassounternehmen eigene Kosten in Rechnung stellt, müssen diese ebenfalls nachvollziehbar sein.

Der Verbraucher kann also feststellen, ob die Forderungen wirklich berechtigt sind oder nicht.

Bei unberechtigten Forderungen nicht zahlen!

Bei unberechtigten Forderungen sollte auf keinen Fall gezahlt werden – auch kein anteiliger Betrag oder eine Rate. Sonst könnte die Zahlung als Anerkenntnis der Schuld bewertet werden.

Forderungen zurückweisen

Unberechtigte Forderungen weist man idealerweise zurück. Sonst kann eine Meldung über offene Zahlungsaufforderungen an die Schufa gehen und dort für einen negativen Eintrag sorgen. Der Widerspruch sollte schriftlich erfolgen und begründen, warum die Forderung nicht berechtigt ist. Die Verbraucherzentralen bieten dazu Musterbriefe an. Der Brief sollte per Einschreiben mit Rückschein verschickt werden. So kann man nachweisen, dass er tatsächlich zugestellt wurde.

Gut zu wissen: Mit einem Schufa-Eintrag darf nicht gedroht werden. Es muss stattdessen sogar darauf hingewiesen werden, wie Sie einen Eintrag allein durch Widersprechen verhindern können (BGH, Urteil vom 19. März 2015, Az. I ZR 157/13).

Mahnschreiben vom Gericht

Kommt als nächster Schritt ein offizielles Mahnschreiben von einem Gericht, sollte man immer reagieren und zwar zeitnah. Für einen Widerspruch gilt nur eine gesetzliche Frist von 14 Tagen. Sollte die Gegenseite dann immer noch auf der Forderung bestehen, muss sie Klage vor Gericht einreichen. Soweit wird die Gegenseite allerdings nur gehen, wenn sie von der Richtigkeit der Forderung überzeugt ist.

Schufa

Ein Eintrag bei der Schufa darf nur dann erfolgen, wenn der Kunde eine berechtigte Forderung trotz mindestens zweifacher Mahnung nicht bezahlt hat. Bestreitet der Kunde die Forderungen und teilt das dem Unternehmen mit, dann dürfen keinerlei Daten übermittelt werden. Der Kunde hat ein Auskunftsrecht bei der Schufa und darf unzulässige Einträge löschen oder berichtigen lassen.

Unberechtigte Forderungen sind verbreitet

In einer bundesweiten Untersuchung von über 1400 Verbraucher-Beschwerden kamen die Verbraucherzentralen 2015 zum Ergebnis, dass mehr als die Hälfte der ausgewerteten Forderungen willkürlich sind und die Höhe der Gebühren oft unverhältnismäßig ist. Vor allem Telekommunikations- und Gewinnspielanbieter, E-Mail-Dienste, Dating-Portale und Versandhändler versuchten ungerechtfertigte Ansprüche geltend zu machen.

Daher: Bei unnachvollziehbaren Forderungen unbedingt wehren und Widerspruch einlegen.

Filmautorin: Annika Erbach | Online: Dorothée Panse
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