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SENDETERMIN Di, 23.4.2019 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Mängelhaftung Geld zurück bei zu eng genähtem Kleid?

Marktcheck mischt sich ein

Das Kleid einer Marktcheckzuschauerin war nach dem Änderungsschnitt zu eng. Für sie ein klarer Mangel, doch der Verkäufer weigert sich. Ein Fall für Axel Sonneborn.

Die 24-Jährige Elena Winkler wollte zu ihrem Abschlussball ein besonderes Kleid anziehen, denn die Erzieherin aus Stuttgart hat im vergangenen Herbst ihre Ausbildung abgeschlossen, was mit einem rauschenden Fest gefeiert werden sollte. Bei Cocomelody in Rosenheim, einem international tätigen Fachgeschäft für Abendmode und Brautkleider, wurde sie fündig und suchte sich ein rotes Kleid aus.

Cocomelody näht Kleid zu eng

Es war allerdings etwas zu groß und musste um einen Zentimeter enger genäht werden. Sie musste im Voraus in bar zahlen, das Kleid wurde ihr später zugeschickt. Doch dann die Überraschung: Es ist zu eng! Das Kleid wurde um gut acht Zentimeter enger genäht. Sie setzt sich mit dem Geschäft in Verbindung, fordert den Mangel zu beseitigen oder das Geld zurückzugeben. Bei Cocomelody beruft man sich auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), worin Abweichungen von bis zu drei Zentimetern normal sein.

Die Rechtslage

Stoff wird mit der Schere abgeschnitten

Die Abweichung beim Umnähen des Kleides war zu groß – es entsteht ein Mangel.

Wenn die Kundin das Paket öffnet und feststellt, das Kleid weicht von dem ab, was eigentlich gekauft worden war, so müsse sich die Kundin an das Geschäft wenden und binnen einer gewissen Frist eine Nachbesserung fordern, sagt Rechtsanwalt Roger Gabor. "Wenn die Kundin das Kleid vorher im Laden gekauft hat, es wurde angepasst und es wurde vereinbart, dass man es noch um ein bis zwei Zentimeter verändern muss, und nachher sind es sieben bis acht Zentimeter, dann weicht das ganz deutlich von dem ab, was ursprünglich kaufvertraglich vereinbart worden ist. Und das wiederum heißt, es liegt ein Mangel vor, der die entsprechenden Rechte dann auslöst," sagt Rechtsanwalt Roger Gabor.

Axel Sonneborn schaltet sich ein

Ein Maßband liegt am Rücken einer Frau an. Die Lücke zwischen dem Kleid liegt bei rund acht Zentimetern.

Nach dem Änderungsschnitt ist das Kleid rund acht Zentimeter zu eng.

Marktcheck-Reporter Axel Sonneborn schaltet sich ein. Nachdem er zunächst lediglich einen Gutschein in Höhe des Kaufpreises angeboten bekommen hat, ruft Axel Sonneborn den Chef von Cocomelody in Los Angeles an. Er erreicht, dass Elena Winkler den Kaufpreis in Höhe von 160 Euro zurückerhält. Zudem darf sie das Ballkleid behalten.

"Ich meine, wenn man so ein Kleid kauft, oder ein anderes Produkt mit einer Dienstleistung dabei, und es funktioniert irgendetwas nicht, dann muss man sofort reklamieren und um Nachbesserung bitten und dazu auch eine Frist setzen. Und wenn innerhalb dieser Frist dann nichts passiert, dann kann man vom Vertrag zurücktreten und auch sein Geld zurückfordern," fasst Axel Sonneborn zusammen.

Zwei Jahre gesetzliche Gewährleistung

Nach dem Kauf oder Erhalt der Ware gilt die zweijährige, gesetzliche Gewährleistung. Entdecken Sie einen Schaden innerhalb eines halben Jahres, ist davon auszugehen, dass dieser schon zum Zeitpunkt des Kaufs bestand. Nach Ablauf der ersten sechs Monate müssen Sie als Kunde nachweisen, dass der Schaden bereits zum Zeitpunkt des Kaufs bestanden hat. Wichtig zu wissen: Die Gewährleistung gilt immer, auch wenn der Händler einen Umtausch ausschließt, wie es etwa bei reduzierter Ware oft der Fall ist.

Eine Frau gibt an einer Einkaufskasse eine Tüte zurück.

Ab dem Kaufdatum gilt eine zweijährige, gesetzliche Gewährleistung.

Unser Tipp: Reklamationen immer so gut wie möglich dokumentieren, beispielsweise mit einem Foto oder Screenshot. Die Dokumentation so detailliert wie möglich anfertigen und schriftlich, am besten per Einschreiben, an den Händler schicken. In dem Schreiben sollten Verbraucher um Abhilfe bitten und unbedingt eine Frist setzen. Es empfiehlt sich, eine Frist von ein bis zwei Wochen zu setzen. Sollte dieser Schritt erfolglos bleiben, sollten Verbraucher nicht davor zurückschrecken, ihre Rechte geltend zu machen. Kunden können je nach Fall entweder vom Vertrag zurücktreten oder Teile des Kaufpreises zurückfordern.

Bei einer mündlichen Reklamation, etwa im Geschäft, sollten Sie unbedingt Notizen anfertigen und dabei den Namen des Gesprächspartners, das Datum sowie die Reklamationsgründe dokumentieren.

Freiwillige Herstellergarantie

Manche Hersteller geben zusätzlich zur gesetzlichen Gewährleistung eine eigene, freiwillige Garantie auf ihre Waren. Diese Garantien können gewisse Schäden ausschließen, aber auch mehr Fälle umfassen als die gesetzliche Gewährleistung. Im Schadensfall können Kunden abwägen, ob die Garantie oder die Gewährleistung für sie in der jeweiligen Situation der einfachere Weg ist, um den Schaden beheben zu lassen. Die Verbraucherzentrale rät Kunden, sich nicht vorschnell von Verkäufern mit dem Hinweis auf die Herstellergarantie abwimmeln zu lassen.


Filmautoren: Sigrid Born und Axel Sonneborn | Online: Thomas Oberfranz
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