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Lokführermangel in Deutschland Traumberuf Lokführer - das war mal

Der Mangel an Lokführern in Deutschland nimmt zu - Zugausfälle und Verspätungen sind die Folge. Woran liegt es, dass immer weniger Menschen den Job ausüben wollen?

ICE-Loks von vorne

Wie kann der Beruf des Lokführers attraktiver gemacht werden?

Für kleine Jungs mag Lokomotivführer nach wie vor als Traumjob gelten. Das ändert sich aber offenbar im Erwachsenenalter: Mittlerweile hat es die Deutsche Bahn schwer, Bewerber zu finden.

Maik Ullrich ist ein Gegenbeispiel: Er ist Lokführer aus Leidenschaft. Der 50-Jährige arbeitet seit 34 Jahren für die Deutsche Bahn. Für ihn war der Beruf des Lokführers schon immer ein Traumjob. Mittlerweile ist Ullrich im Ausbildungsservice der Deutschen Bahn aktiv und versucht, neue Lokführer anzuwerben.

Beruf mit Verantwortung

"Lokführer ist ein sehr abwechslungsreicher Beruf. Man hat mit Technik und mit Menschen zu tun und trägt eine sehr hohe Verantwortung", beschreibt Ullrich seinen Beruf. "Einen Arbeitsalltag wie für einen, der morgens ins Büro geht und abends wieder nachhause kommt, den gibt es für den Lokführer nicht."

Der Job ist allerdings auch ziemlich anstrengend. Es steht regelmäßig Schicht- und Nachtarbeit an. Dazu ist das Gehalt nicht gerade üppig: Nach der Ausbildung verdienen Lokführer rund 2.600 Euro brutto. Deshalb hat die Deutsche Bahn auch mit dem Problem zu kämpfen, junge Menschen für den Beruf zu begeistern. Der Lokführermangel in Deutschland verschärfe sich von Monat zu Monat, sagt die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL).

"Der Marktführer versagt seit Jahren"

"Wir reden jetzt über 1.200 Lokomotivführer, die wir in Deutschland brauchen", so GDL-Chef Claus Weselsky. "Der Marktführer versagt seit Jahren bei der Ausbildungsmenge im Bereich der Lokomotivführer." Für Weselsky ist klar, dass die Deutsche Bahn mehr Lokführer ausbilden muss. Ein weiteres Problem sei, dass etliche Mitarbeiter der Bahn lieber auf geregelte Arbeitszeiten setzten und sich für einen Job in der Verwaltung entscheiden würden.

Portraitbild von Claus Weselsky, Vorsitzender der Lokführergewerkschaft GDL

Claus Weselsky: Die Deutsche Bahn muss mehr Lokführer ausbilden.

Die Deutsche Bahn müsse deshalb die Arbeitsbedingungen attraktiver machen und mit einer großen Imagekampagne für den Beruf des Lokführers werben, fordert die GDL. Die Bahn hat das Problem erkannt und wirbt aktuell intensiv an Schulen für die Lokführerausbildung.

So werden beispielsweise ausgebildete Lokführer unbefristet übernommen. Ob das reicht, um den Beruf attraktiver zu machen, ist unklar. Fest steht auf jeden Fall, dass der Zugbetrieb unter dem Lokführermangel leidet. Vor allem bei der Frankenbahn gibt es regelmäßig Probleme, ähnlich sieht es auch bei der Filstal- und der Remsbahn aus.

Von Tobias Frey, SWR Wirtschaft und Umwelt | Online: Sola Hülsewig