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Kritik vom Bundesrechnungshof Sind viele Zahnspangen unnötig?

Immer mehr Geld fließt in Leistungen von Kieferorthopäden. Dabei ist der Nutzen von Zahnspangen noch nicht ausreichend bewiesen, kritisiert der Bundesrechnungshof.

Jugendliche Mädchen jubeln

Brauchen tatsächlich so viele Jugendliche eine Zahnspange?

Fragen an Lutz Heyser, SWR Wirtschaft und Soziales

Worauf basiert die Kritik des Bundesrechnungshofs?

Der Bundesrechnungshof, der die Ministerien kontrolliert, hat sich die Zahlen vom Bundesgesundheitsministerium angeschaut. Im Jahr 2008 wurden 850 Millionen Euro für kieferorthopädische Maßnahmen ausgegeben. In Jahr 2016 waren es schon über eine Milliarde Euro.

Gleichzeitig sind die Kosten für den einzelnen Behandlungsfall erheblich gestiegen - sie haben sich teilweise verdoppelt. Da sieht der Bundesrechnungshof viel an Korrekturmöglichkeiten.

Ob eine Behandlung nötig ist kann letztlich aber nur ein Arzt entscheiden, oder?

Richtig. Das passiert im Einzelfall auch so. Wenn ich oder meine Kinder ein Problem haben, gehe ich mit ihnen zum Zahnarzt oder zum Kieferorthopäden und da wird geschaut: Ist das tatsächlich eine Indikation - so nennen das die Ärzte - also ist das ein Fall, wo man etwas tun sollte? Droht eine Zahnfehlstellung, oder ist sie vielleicht sogar schon da?

Mädchen beim Zahnarzt

Bei Kindern übernehmen die Kassen Zahnbehandlungen in der Regel zu 100 Prozent.

Wenn die Behandlung medizinisch notwendig ist, dann ist es im Regelfall so, dass die Gesetzlichen Krankenkassen die Kosten bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 18 Jahren zu 100 Prozent übernehmen.

Was schlagen die Rechnungsprüfer vor?

Der Rechnungshof will gar nichts an dem bisherigen Prozedere verändern. Es gibt ein Vertrauen in die zahnärztliche Kunst und in die der Kieferorthopäden, dass die das beurteilen sollen.

Mädchen mit Zahnspange

Können Zahnspangen sogar schaden?

Allerdings sagt der Bundesrechnungshof - und das ist im Übrigen auch eine Forderung von verschiedenen Krankenkassen und vom Krankenkassen-Spitzenverband - dass man vielleicht im Nachhinein mal schaut: Macht eine kieferorthopädische Behandlung in jedem Fall Sinn? Muss wirklich jede Zahnlücke, jeder Zahnfehlstand korrigiert werden?

Oder drohen am Ende nicht sogar langfristig größere Schäden durch die Behandlung - wenn zum Beispiel eine Art von Überkorrektur stattfindet und mit 50 muss ich dann noch mal zum Kieferorthopäden, weil meine Zähne zu eng nebeneinander stehen und ich deswegen Kariesprobleme habe. Aktuell werden diese Spätfolgen noch nicht erfasst.

Online: Sola Hülsewig