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SENDETERMIN Di, 19.12.2017 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Lippenpflege Krebserregende Stoffe inklusive?

Viele Lippenpflegestifte enthalten Mineralöl mit potenziell krebserregenden Substanzen. Wir lassen Produkte von Labello, Carmex und Blistex im Labor überprüfen.

Lippenpflegestifte der Marktführer Labello, Blistex und Carmex können bedenkliche Substanzen enthalten. Bereits im vergangen Jahr haben wir die drei Markenprodukte ins Labor geschickt. Bei der Untersuchung wurden aromatische Kohlenwasserstoffe aus Mineralöl auch "Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons" (MOAH) genannt, und gesättigte Kohlenwasserstoffe, auch "Mineral Oil Saturated Hydrocarbons" (MOSH) genannt, gefunden. MOAH stehen im Verdacht, krebserregend und erbgutverändernd zu sein. MOSH können sich in den Organen ablagern.

Die Laborergebnisse:

 Anteil MOSH-VerbindungenAnteil MOAH-Verbindungen
Carmex31,7 %0,8 %
Blistex30,0 %0,6 %
Labello15,8 %0,4 %

Stellungnahme der Hersteller

Vor einem Jahr hieß es von den Herstellern dennoch: ihre Produkte seien sicher. Haben die Unternehmen mittlerweile dazugelernt und ihre Rezepturen verändert? Wir fragen erneut an. Beiersdorf, der Labello-Hersteller, antwortet ausweichend: "Alle Rohstoffe entsprechen selbstverständlich den umfangreichen gesetzlichen Regelungen. Die kleinen Mengen MOAH […] sind nach der vorherrschenden wissenschaftlichen Meinung unbedenklich für den Verbraucher"(Beiersdorf). Und auch Carmex erklärt: "Wir halten Bedenken bzgl. MOSH und MOAH in unseren Lippenpflegeprodukten für unbegründet [...]."

Richtig ist: Gesicherte Erkenntnisse über gesundheitliche Auswirkungen gibt es derzeit nicht. Also auch keine Grenzwerte. Immerhin - der Hersteller von Blistex antwortet auf unsere Anfrage: man suche nun nach Lösungen und wolle den Lippenbalsam voraussichtlich Mitte 2017 ohne Mineralölbestandteile auf den Markt bringen.

Stoffe können über die Lippen in den Körper gelangen

Grafik: Giftstoffe reichern sich im Körper an

Giftstoffe reichern sich im Körper an

Die Ergebnisse seien beunruhigend, sagt Dr. Konrad Grob, einer der führenden europäischen Wissenschaftler im Bereich Mineralölforschung. Die Hersteller betonen, sie würden sich an die Gesetze halten. Die Aufnahme über die Haut sei unbedenklich, die Produkte seien sicher. Doch laut wissenschaftlichem Ausschuss für Verbrauchersicherheit der Europäischen Kommission gelangen die bedenklichen Inhaltsstoffe über die Lippen in den Körper.

Sind schon geringste Mengen MOAH und MOSH schädlich?

Bei einem durchschnittlichen Verbrauch nimmt man pro Jahr eine Menge an Fettstift in den Körper auf, die vier kompletten Lippenpflegestiften entspricht. Richtlinien für Kosmetika, die nur auf die Haut aufgetragen werden, seien demnach für Lippenpflege nicht ausreichend, sagt der Experte Dr. Grob. Die Stifte müssten nach den gleichen Kriterien wie Lebensmittel behandelt werden.

Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit sollten die potenziell krebserregenden und erbgutverändernden MOAH in Lebensmitteln gar nicht vorhanden sein. Experte Dr. Konrad Grob warnt schon vor geringsten Mengen krebserregender Substanzen. Er hält das Ergebnis für nicht tolerabel.
MOSH können sich im Körper anreichern

Nach Meinung des Bundesinstituts für Risikobewertung ist zwar die Aufnahme von Mineralölen in Kosmetika über die Haut eher ohne Risiko. Aber die Substanzen sollten in Lebensmitteln vermieden werden, da sich MOSH im menschlichen Körper anreichern. Die festgestellten Mengen in den drei Lippenpflegestiften von Labello, Blistex und Carmex bewertet Dr. Konrad Grob als beunruhigend.

Mineralöl in Kosmetika erkennen

Wer auf Nummer sicher gehen und Lippenpflege mit Mineralölbestandteilen vermeiden möchte, der sollte einen Blick auf die Inhaltsangabe der Verpackung werfen. Ob Inhaltsstoffe auf Mineralölbasis enthalten sind, kann man unter anderem an den folgenden Begriffen erkennen.

  • Cera Microcristallina / Microcristallina Wax
  • Ceresin
  • Mineral Oil
  • Ozokerite
  • Paraffin
  • Paraffinum Liquidum
  • Petrolatum

Um bedenkliche Stoffe in Kosmetika zu erkennen, können auch diverse Apps hilfeich sein. Um speziell Inhaltsstoffe auf Mineralölbasis zu identifizieren, kann beispielsweise die App Codecheck verwendet werden. Mithilfe der Anwendung kann der Barcode von Produkten gescannt werden – die App gibt anschließend darüber Auskunft, ob und welche Schadstoffe enthaltene sind. Leider gibt die App nicht direkt an, ob Mineralöl enthalten ist. Allerdings stuft sie die oben genannten Inhaltsstoffe als bedenklich ein. Zudem gibt die App zusätzliche Infos zu den Stoffen.

Allerdings: das Angebot von Codecheck ist nicht frei von Kritik: So sollen einige Informationen der App veraltet sein oder verwendete Quellen würden nicht richtig wiedergegeben werden. Eine Hilfestellung ist die App aber allemal.

Übrigens: Um Codecheck zu nutzen, benötigen Sie nicht unbedingt die App. Auf der Website von Codecheck kann über die Online-Suche auch nach Produkten und ihren Inhaltsstoffen gesucht werden.

Filmautorin: Angelika Scheffler-Ronen
© SWR Marktcheck