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Kommentar zum Tag nach Black Friday Gut gemeint, schlecht gemacht - der Kauf-nix-Tag

Nach dem Black Friday ist vor dem Kauf-nix-Tag. Doch kurzfristiger Konsumverzicht hilft weder Produzenten noch Verkäufern. Um Sozial- und Umweltstandards anzuheben, muss die Politik handeln.

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Ein Kommentar von Tamara Land, SWR Aktuelle Wirtschaft

Was für eine Cyber-Woche: Montags Stiefel bei Zalando zum halben Preis, dienstags 20 Prozent Rabatt auf die neue Waschmaschine bei Saturn. Am Mittwoch bietet Ryanair einen Flug vom Flughafen Hahn nach Palma de Mallorca für 2,92 Euro an! Wer kann da Nein sagen.

Tamara Land

Tamara Land, SWR Aktuelle Wirtschaft

Außerdem sind bei Amazon Werkzeuge im Angebot. Eine Akku-Kettensäge habe ich noch nicht, warum also nicht zuschlagen? Am Donnerstag ein neues Laptop und dann am Black Friday der Höhepunkt: drei Fernseher zum Preis von zwei! Da habe ich richtig was gespart diese Woche.

Trotzdem ist das Konto irgendwie ins Minus gerutscht - da trifft es sich ganz gut, dass ich am Samstag, am Kauf-nix-Tag, mal kein Geld ausgeben soll. Eine Woche Kaufrausch und dann einen Tag Konsumverweigerung. Das ist, als ob man sich von Montag bis Samstag Sahnetorten reinhaut und dann am Sonntag nur lauwarmen Kamillentee trinkt.

Entscheidung zwischen Kaufrausch und Konsumverzicht

Wenn schon ein Kauf-nix-Tag, dann wenigstens so wie in den USA: Da finden Black Friday und Buy Nothing Day am selben Tag statt. Man muss sich also entscheiden zwischen Shopping-Rausch und Abstinenz. In Europa hingegen rufen die Konsumkritiker am Samstag nach dem Black Friday zum Verzicht auf.

Eigentlich ganz clever, so kann man freitags Schnäppchen jagen, samstags Buße tun und am darauffolgenden Cyber Monday wieder richtig die Shopping-Sau rauslassen. Aber egal, ob Freitag oder Samstag - der Kauf-nix-Tag ist ohnehin sinnlos, obwohl die Idee eigentlich ehrenwert ist.

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Einmal in sich gehen und darüber nachdenken, ob man die Kettensäge wirklich braucht - und ob man nach Mallorca fliegen muss, nur weil der Flug so billig ist. Sich diese Gedanken zu machen, ist richtig, am Grundsatzproblem ändert das aber nichts. Denn der Verbraucher kann nicht die Verantwortung für die miesen Produktionsbedingungen übernehmen, die die Billigpreise möglich machen.

Dass der Mallorca-Flug nicht einmal drei Euro kostet, liegt unter anderem daran, dass Ryanair sich bisher nicht an nationales Arbeitsrecht gehalten hat. Dass Mode so günstig ist, hängt auch damit zusammen, dass das sogenannte Textilbündnis, das für bessere Umwelt- und Sozialstandards in den Produktionsländern sorgen soll, bislang eine freiwillige Veranstaltung ist. Und unter welchen Bedingungen Smartphones in Asien zusammengeschraubt werden, weiß man spätestens, seit sich Arbeiter des Apple-Zulieferers Foxconn vor acht Jahren reihenweise vom Dach stürzten.

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Der Konsument kann diese Zustände aber weder ändern noch kontrollieren. Die Rahmenbedingungen für Produktion, Handel und Dienstleistungen werden von der Politik gesetzt. Durch entsprechende Gesetze müsste sie dafür sorgen, dass der Preis eines Produkts die tatsächlichen Kosten widerspiegelt. Nötig wären EU-weite, noch besser weltweite Standards.

Das ist zugegebenermaßen unrealistisch. Wahr ist aber auch: So lange Unternehmen auf Kosten von Arbeitern und Umwelt produzieren dürfen, wird es Rabattschlachten geben. Die Shopping-Party geht weiter, auch wenn der eine oder andere am Samstag tatsächlich nichts kauft.