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Kommentar zum Schlecker-Urteil "Mitleid ist hier fehl am Platz"

Lars und Meike Schlecker wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt, Ex-Drogeriemarkt-Chef Anton Schlecker bekommt Bewährung. Es gibt noch mehr Verlierer, findet Sabrina Fritz, SWR Wirtschaft.

Meike Schlecker, der ehemalige Drogeriekettenbesitzer Anton Schlecker und Lars Schlecker

Das Urteil ist gesprochen: Meike Schlecker, der ehemalige Drogeriekettenbesitzer Anton Schlecker und Lars Schlecker verlassen nach dem Urteil das Landgericht in Stuttgart.

Standpunkt von Sabrina Fritz, SWR Wirtschaft und Soziales

Sabrina Fritz, ARD-Hörfunkkorrespondentin in Washington

Sabrina Fritz

Anton Schlecker hat die Höchststrafe bekommen. Was kann es für einen Vater schlimmeres geben, als zusehen zu müssen, wie seine Kinder ins Gefängnis wandern, während er als freier Mann weiter leben darf.

Doch Mitleid ist hier fehl am Platz: Anton Schlecker, der Mann, der aus einer Metzgerei ein Milliarden-Imperium aufgebaut hat, wusste, dass sein Schiff mit Wasser vollläuft. Doch statt an die Besatzung zu denken, stopfte er sich und seinen Kindern die Taschen noch mit Geld voll. So haben sich die Kinder Lars und Meike Schlecker noch sieben Millionen Euro Gewinn genehmigt, obwohl das Schiff schon halb im Wasser lag.

Auspressen, was geht

Zum Glück sind die meisten Unternehmerfamilien in Deutschland anders. Anton Schlecker war eine Ausnahme im Guten wie im Schlechten. Er war misstrauisch, führte seine 50 000 Mitarbeiter wie eine Schlecker-Filiale - unaufgeräumt, veraltet, alleine. Nach dem Urteil ist klar, hier stand keine gutmütige Familie vor Gericht, der das Geschäft über den Kopf gewachsen war. Die Schleckers wollten das Unternehmen auspressen bevor es unterging.

Überwacht und im Stich gelassen

Eine der größten Pleiten der deutschen Unternehmensgeschichte hinterlässt nur Verlierer. Bis Lieferanten oder Handwerker aus dem Insolvenzverfahren Geld sehen, kann es noch Jahre dauern. Und die Schlecker Frauen - sie werden sich schon fragen, warum der Mann, der sie jahrelang ausgebeutet, überwacht und schließlich im Stich gelassen hat, warum er nur 54.000 Euro Geldstrafe zahlen muss. Und diese auch noch in Raten abstottern darf.