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Identifikation per Mobiltelefon Wenn das Smartphone zum Ausweis wird

Statt mit einem Passwort sollen sich Verbraucher künftig per Mobiltelefon bei Internetdiensten anmelden können. Damit wird zum Beispiel Online-Shopping komfortabler.

Ein Mann sitzt mit seinem Smartphone auf einer Wiese.

Mit dem Smartphone können sich Verbraucher im Netz künftig leichter identifizieren.

Die großen Mobilfunkanbieter in Deutschland wollen ihren Handykunden demnächst einen neuen Service anbieten - das sogenannte Mobile Connect: Dieses Verfahren soll das Einloggen auf dem Smartphone bei unterschiedlichen Diensten erleichtern, zum Beispiel beim Einkaufen im Netz oder bei den sozialen Netzwerken.

Fragen an Sabine Geipel, SWR Wirtschaft und Umwelt

Wie soll die neue Identifikation per Smartphone funktionieren?


Man muss sich das so vorstellen: In Zukunft würde ich zum Einkaufen im Internet nur noch mein Handy und meine Mobilfunknummer brauchen. Beim Einloggen auf Amazon, Zalando und Co. gebe ich meine Handynummer ein, bekomme dann einen Link zugeschickt, den ich anklicke, und bin automatisch auf dem entsprechenden Portal eingeloggt - ein Passwort brauche ich also nicht mehr.

Das Ganze funktioniert aber natürlich nur, wenn die entsprechende Online-Shopping-Seite diese neue Möglichkeit des Log-Ins auch unterstützt.

Was versprechen sich die Mobilfunkanbieter von diesem neuen Verfahren?

Sie wollen wohl vor allem ein Gegengewicht zu Facebook und Google setzen, denn bisher nutzen ja viele Kunden auch ihren Facebook-Account oder ihren Google-Zugang, um sich auf anderen Webseiten einzuloggen. Damit wandern natürlich viele sensible Daten zu diesen beiden Konzernen in die USA. Außerdem wollen die Mobilfunkanbieter erreichen, dass die digitalen Identitäten der Kunden künftig den Rechtsraum der Europäischen Union nicht mehr verlassen beziehungsweise weiter unter den deutschen Datenschutz fallen.

Wie sicher wird das Ganze sein?

Die Mobilfunkanbieter betonen natürlich, dass das System sehr sicher sei. Durch das Einloggen mit dem Mobiltelefon behalte der Nutzer die Kontrolle über die eigenen Daten, so deren Argument. Das klingt auf der einen Seite plausibel, wenn man sich überlegt, wie viele Fälle von Datenmissbrauch es zum Beispiel durch geklaute Passwörter gibt. Aber wie sicher Mobile Connect dann wirklich ist, das muss erst die Praxis beweisen. Und klar ist jetzt schon: Ich muss dann noch mehr auf mein Smartphone aufpassen, denn das ist quasi dann der Schlüsselbund, um in viele Online-Shops reinzukommen.

Bei welchen Anbietern im Netz werden Verbraucher die Identifikation per Smartphone nutzen können?

Eine Tastatur auf dem ein Einkaufswagen als Entertaste abgebildet ist.

Vor allem der Einkauf im Netz könnte mit dem neuen Verfahren einfacher werden.

Bis jetzt kann man dieses System noch nicht zum Einkaufen im Internet nutzen, auch wenn es die Datenplattform, die hinter dem Verfahren Mobile Connect steht, schon gibt. Die heißt Verimi und an dieser Plattform sind bisher große Konzerne in Deutschland beteiligt - zum Beispiel die Deutsche Bank, die Allianz, Daimler, die Lufthansa oder die Postbank.

Bislang sind noch keine Online-Shopping-Portale wie Amazon oder Zalando dabei. Die werden dann sicher nachziehen, wenn dieses Identifikationssystem Mitte des Jahres gestartet wird, und sie feststellen, es wird vom Kunden angenommen. Denn auch die Online-Shops haben Interesse an einem Log-In-Verfahren, das für Kunden einfach und sicher ist. Viele Online-Käufe werden nämlich abgebrochen, weil den Kunden ihr Passwort nicht mehr einfällt. Langfristig denkbar ist außerdem, dass dieses Verfahren auch auf Webseiten von Behörden funktioniert.

Online: Tobias Frey