Bitte warten...

Hütchen-Spiel der Energiekonzerne Das passiert jetzt mit dem Strompreis

RWE und Eon wollen sich komplett neu aufstellen, Firmenteile hin- und herschieben und die erst zwei Jahre alte RWE-Tochter Innogy zerschlagen. Auch die EnBW hat damit zu tun.

Aufnahme eines Strommasten von unten

Neue Konstellationen in der Energiebranche können sich auf den Strompreis auswirken.

Fragen an Alfred Schmit und Andreas Reinhardt, SWR Wirtschaft und Soziales

Wie genauso soll dieses Strom-Hütchenspiel aussehen?

Ähnlich wie beim Hütchenspielen fliegen hier die Unternehmensteile hin und her: Das Geschäft mit den Kraftwerken soll demnächst nur noch bei RWE liegen. Dafür macht Eon dann seine Geschäfte mit dem Vertrieb des Stroms und mit dem Netz-Betrieb. Die Energie Baden-Württemberg, die EnBW, ist dabei auch noch mit im Gespräch. Denn möglicherweise wird RWE von der EnBW die Gas- und Kohlekraftwerke abkaufen.

Bei den Versorgungsnetzen gab es früher ein Gebiets-Monopol, das zu 80 Prozent weiter so besteht: NRW und Rheinland-Pfalz waren bei RWE, die Mitte von Deutschland bei Eon, der Osten bei Vattenfall und Baden-Württemberg bei der EnBW. Damit die Versorger dieses Monopol nicht ausnutzen, muss die Bundesnetzagentur die Netzentgelte genehmigen. Netzentgelte machen ein Viertel des Strompreises aus, ebenso viel die EEG-Umlage und nur 20 Prozent die Stromerzeugung.

Wenn es so kommt, wäre das durchaus im Interesse der EnBW. Denn das Unternehmen will praktisch alles loswerden, was Dreck macht und stinkt. Der Umbau in Richtung grüner Energie ist bei der EnBW weiter im Gang. Grün im Sinne von erneuerbarer Energie, also viel Wind- und Wasserkraft.

Noch ist nicht sicher, ob dieser Deal auch so über die Bühne geht. Die Kartellwächter müssen da noch ein Wort mitreden - und auch die Bundesnetzagentur. Wenn es aber so kommt, heißt der große Verlierer Innogy. Und dieses Unternehmen ist kein kleiner Fisch, das sind 42.000 Beschäftigte, also doppelt so viele wie bei der EnBW.

Innogy ist gerade mal zwei Jahre alt, jetzt die große Kehrtwende - RWE und Eon wirken wie Getriebene. Warum machen die das?

Energiewende: Mit ganzer oder halber Kraft?

Energiewende: Erneuerbare Energie hat sich etabliert.

Weil sie Geld verlieren. Beide großen Konzerne haben seit der Energiewende um die 80 Prozent ihres Börsenwertes verloren. Innogy wurde vor zwei Jahren mit großem Aufwand als grüne Tochter von RWE gegründet, betreibt Windkraftanlagen, Wasserkraftwerke und Photovoltaik-Anlagen. Das junge Unternehmen war der große Hoffnungsträger, hat aber zuletzt nicht die Gewinne geliefert, die man sich erhofft hat.

Hintergrund für die Verluste sind Atomausstieg und Energiewende: Weder RWE noch Eon haben hier Antworten auf die Herausforderungen. Der Strom von RWE kommt zu 90 Prozent aus Atomkraft, Gas und Kohle. Bei Eon sind das 70 Prozent. Beide Großkonzerne, RWE und Eon, haben zu lange gewartet, sich von alten Energien zu verabschieden. Kohle- und Gaskraftwerke sind aufs Ganze gesehen Energien von gestern. Der Anteil der Erneuerbaren steigt. Und dass Atomenergie ausläuft, ist ja sowieso klar.

Was wird die Neuaufteilung für Verbraucher bedeuten? Wird Strom teurer?

Finger der auf einen Startknopf drückt

Verbraucher zahlen die Zeche für falsche Entscheidungen der Energiekonzerne.

Erstens: Das Risiko besteht, dass die Preise steigen. Denn wenn alles so passiert, gibt es künftig einen Konkurrenten weniger am Energie-Markt. Weniger Konkurrenz bedeutet oft, dass die Preise steigen könnten. Zweitens: Die Hoffnung besteht, dass Strom - im Gegenteil - billiger wird. Denn wenn die Versorger es schaffen, die Energie billiger zu produzieren, und diese Preise auch an die Kunden weitergeben, dann hätten wir alle Glück gehabt.

Unterm Strich ist es daher wahrscheinlich, dass die Preise sich nicht groß bewegen dürften. Höhere Preise müssten sich erst einmal am Markt behaupten. Und immer mehr Verbraucher haben mittlerweile gelernt, dass ein Stromanbieterwechsel gar nicht schwer ist.

Die schlechte Nachricht für uns als Kunden von Energie-Unternehmen ist leider, dass dieser Deal nochmal zeigt, wie lange die großen Konzerne gewartet haben, um die Energiewende wirklich mutig anzugehen. Da wurde viel Geld verbrannt - und viel von diesem Geld ist leider unser Geld als Kundschaft der Stromkonzerne.

Online: Heidi Keller