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Globaler Markt und Lieferketten Fipronil-Eier und kein Ende

Die Niederländer sind die größten Eierproduzenten Europas. Exportiert wird bis nach Japan, die USA oder die Vereinigten Emirate. Deutschland könnte seinen Eigenbedarf nicht selbst decken.

Ein Karton mit braunen Eiern. Ein Ei ist wie eine Weltkugel angemalt.

Durch den weltweiten Handel und den Vertrieb von Eiprodukten bleibt es schwierig für die Behörden

Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums sind in Deutschland wesentlich mehr belastete Eier auf dem Markt als bisher angenommen - von rund 10,7 Millionen Stück ist die Rede. Auch in anderen europäischen Ländern wie Österreich, Rumänien oder Großbritannien tauchen immer mehr Eier auf, die mit Fipronil belastet sind. Alle stammen sie aus den Niederlanden.

Dass sie erst jetzt, Wochen nach dem Auffliegen des Skandals, in ganz Europa gefunden werden, zeigt zweierlei: Der Eiermarkt ist längst ein globaler Markt geworden. Und: Lieferketten und Wege sind für die Behörden nur schwer nachzuvollziehen.

Deutschland importiert sieben Milliarden Eier

Ein Huhn sitzt im Eingang eines Hühnerstalles

Deutsche hätten am liebsten immer Eier von freilaufenden Hühnern

Von glücklichen Hühnern vom Bauern um die Ecke - so hat der Deutsche sein Frühstücksei am liebsten. Die Vorstellung mag romantisch sein, hat aber mit der Wirklichkeit wenig zu tun. Denn um den Bedarf von rund 80 Millionen Deutschen zu decken, die jedes Jahr pro Kopf etwa 230 Eier verzehren, reichen die Hühner im eigenen Land gar nicht aus: Jedes dritte Ei muss deshalb importiert werden.

Im vergangenen Jahr waren das über sieben Milliarden Stück. Sie kamen vor allem aus Polen, aus Belgien und - mit über fünf Milliarden Stück der größte Anteil - aus den Niederlanden.

Schon diese Zahl zeigt: Die Niederländer sind die Eiernation Europas, kein anderes EU-Land exportiert so viel davon! Der Grund: Das Land produziert drei Mal mehr Eier als seine Bewohner selbst verbrauchen können, sitzt also auf einem riesigen Eier-Überschuss, der nach ganz Europa exportiert wird. Heißt im Umkehrschluss: Ein Eierskandal in den Niederlanden wird schnell zum gesamteuropäischen Problem!

Fipronil, ein gesamteuropäisches Problem - bald auch ein weltweites?

Eierautomat der Firma Zeeb

Die Nachfrage nach regionalen Eier hat stark zugenommen

Kein Wunder also, dass nun immer mehr Länder Fipronil-verseuchte Eier finden. Es könnte sogar sein, dass der Skandal noch weitere Kreise zieht, denn längst werden europäische - und hier vor allem wieder niederländische Eier - weltweit exportiert. Japan, die USA und die Vereinigten Arabischen Emirate sind wichtige Abnehmer.

Selbst wenn in den Niederlanden jetzt kein Nachschub mehr an Fipronil-Eiern auf den Markt kommt, weil die Behörden die betroffenen Betriebe ausfindig gemacht haben: Der Skandal wird uns vermutlich noch länger beschäftigen. Klar, irgendwann sind die betroffenen Frischeier abgelaufen und verschwinden so ganz automatisch aus den Regalen.

Verarbeitete Eiprodukte erschweren die Recherche der Lieferketten

Eipulver, ein hartgekochtes Ei und ein weichgekochtes Ei.

Eier werden weltweit auch flüssig, getrocknet oder tiefgefroren vertrieben

Aber der Eiermarkt verlangt längst mehr als frische Eier. Gefragt sind verarbeitete Produkte: Ganze Eier gekocht, gepellt und eingeschweißt, Eiweiß in Pulverform oder Eigelb tiefgefroren. Auf jeden Fall also haltbar gemacht. Und das meistens nicht dort, wo die Eier gelegt wurden, sondern in verarbeitenden Betrieben quer durch Europa.

Das macht die Lieferketten vom Produzenten über den Zwischenhändler, den Verarbeiter bis hin zum Kunden immer länger und undurchsichtiger - auch für die überwachenden Behörden. Deshalb ist zu vermuten, dass noch immer viele Fipronil-belastete Eier im Umlauf sind, denen bislang noch keine Behörde auf die Spur gekommen ist.

Von Dominik Bartoschek, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Heidi Keller