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Gesundheitsschädlicher Dickmacher Intensiver schmecken durch weniger Zucker

Zucker kann nicht nur zu Übergewicht führen, sondern auch zu Karies oder Diabetes. Wir Deutsche essen im Schnitt 30 Würfelzucker pro Tag - die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt 16.

Eine Frau hält mehrere Zuckerwürfel in beiden Händen.

Der durchschnittliche Deutsche konsumiert pro Tag 30 Stück Zucker.

Gespräch mit Claudia Bathe und Stefanie Peyk, SWR Umwelt und Ernährung

Wie viel Zucker dürfen wir täglich konsumieren, ohne dass die Gesundheit gefährdet wird?

Beim ersten Deutschen Zuckerreduktionsgipfel des AOK-Bundesverbandes diskutieren am Mittwoch Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Verbraucherschutz, Ärzten und Lebensmittelindustrie über die Möglichkeiten zur Zuckerreduktion in Deutschland.

Die Weltgesundheitsorganisation hat als Empfehlung herausgegeben, dass ein Erwachsener nicht mehr als 50 Gramm Zucker am Tag zu sich nehmen sollte. Das entspricht etwa 16 Würfelzucker. In diesen 50 Gramm ist alles enthalten, was ich am Tag an Zucker zu mir nehme. Der Löffel Zucker im Kaffee wird genauso mitgerechnet, wie der Fruchtzucker im Apfel und der künstlich zugesetzte Zucker im Ketchup oder in der Fertigpizza.

Currywurst in einem Plastikteller

Selbst in Currywurst steckt viel Zucker.

Allerdings handelt es sich dabei nur um eine Empfehlung. Denn die Weltgesundheitsorganisation hält im Grund sogar nur 25 Gramm Zucker für eine gesundheitlich unbedenkliche Menge, also die Hälfte. Aber sie ist da realistisch: Aktuell nimmt der durchschnittliche Deutsche pro Tag 90 Gramm, also umgerechnet 30 Stück, Zucker zu sich.

Von so einer Menge kann man sich nicht so schnell entwöhnen. Es würde kaum einer lange durchhalten, seine Zuckermenge so drastisch zu reduzieren. Deshalb gibt es die offizielle Empfehlung, erst einmal den Zuckerverbrauch auf 60 Gramm zu senken.

Oft ist Zucker auch in Lebensmitteln enthalten, bei denen wir es nicht vermuten würden. Wo überall ist Zucker versteckt?

Ein Glas Cola mit Eiswürfeln und Strohhalm.

Ein Liter Cola enthält rund 40 Würfelzucker.

Zucker in Softdrinks: Bei einem Getränk sind 10 Gramm Zucker auf 100 Milliliter eine ganze Menge - deshalb, weil niemand nur 100 Milliliter Cola trinkt. Die meisten trinken 0,2 bis 0,3 Liter oder gleich einen halben Liter. Dann ist man schnell bei rund 50 Gramm Zucker. Das entspricht gut achtzehn Würfeln Zucker - und gegessen hat man dann noch nichts.

Zu den großen Zuckerlieferanten gehören neben Süßigkeiten wie Gummibärchen oder Schokolade vor allem die sogenannten Softdrinks, Limonade, Cola, aber auch Energydrinks. In einem Liter Cola beispielsweise stecken rund 40 Würfelzucker - das Fünffache von dem, was die Weltgesundheitsorganisation als ideal ansieht.

Aber den Zuckerkonsum so weit runter zu fahren, ist nicht so einfach, denn es beginnt ja bereits beim Frühstück. In einer Packung Cornflakes können sich allein schon 11 Stück Würfelzucker befinden. Auch der Fruchtjoghurt enthält meistens viel zu viel.

Auch Lebensmittel, bei denen man es nicht unbedingt vermutet, können die reinsten Zuckerbomben sein: Zum Beispiel die Tiefkühlpizza, also Fertiggerichte generell, oder auch Ketchup, Krautsalat, Kartoffelsalat oder saure Gurken. Überhaupt ist in erstaunlich vielen Fertiggerichten Zucker, beispielsweise auch in Curry-Wurst oder im Hähnchen-Snack mit Curry-Sauce. Denn Zucker ist ein Geschmacksträger, der sehr günstig ist, und geschmacklich zumindest ausgleichen kann, wenn bei einem Produkt an anderen teureren und vielleicht auch gesünderen Inhaltsstoffen gespart wurde.

Damit die Zutatenliste nicht von der Zutat "Zucker" angeführt wird, nehmen die Hersteller oft mehrere verschiedene süße Zutaten. Auf der Zutatenliste steht dann zum Beispiel "Glukose-Fruktose-Sirup" oder "Maltodextrin" - der eigentliche Zucker taucht erst weiter hinten auf.

Wenn Zucker so viele gesundheitliche Probleme verursacht, ist es dann besser, zu Lebensmitteln mit Süßstoffen oder Zuckerersatzstoffen zu greifen?

Süßstoff

Studien belegen: Süßstoffe wie Aspartam oder Sacharin können den Stoffwechsel verändern

Süßstoffe haben gegenüber Zucker zwei Vorteile: Sie erzeugen keine Karies und enthalten so gut wie keine Kalorien. Allerdings ist umstritten, ob man damit auch abnimmt. Es gibt Studien, die das Gegenteil vermuten lassen: Man nimmt sogar zu. Unter anderem deshalb, weil Süßstoffe - anders als Zucker - kein Sättigungssignal an den Körper senden sollen. Süßstoffe können rein chemisch hergestellt werden wie zum Beispiel Aspartam oder aus Pflanzen gewonnen wie Stevia - was aber nicht unbedingt heißt, dass sie gesünder sind.

Das eigentliche Problem ist: Auch bei Süßstoffen werden meine Geschmacksnerven nicht geschult. Wenn ich gewohnt bin, viel Süßes zu essen, kann es sein, dass ich ein mit Zuckerguss überzogenes Gebäckteilchen als normal süß empfinde und eine frische Erdbeere als fad. Also, um den Zuckerverbrauch zu reduzieren, gibt es nur eines: möglichst wenig Süßes essen. Das hat auch den großen Vorteil, nach ein paar Wochen schmeckt das Essen besser, weil ich den Geschmack von Süße wieder intensiver wahrnehme.

Online: Tobias Frey, Heidi Keller