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SENDETERMIN Di, 15.1.2019 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Was können geprellte Anleger tun? Firmengründer im P&R Skandal angeklagt

Rund 54.000 Anleger, die in Schiffscontainer der insolventen Investmentgesellschaft P&R investiert haben, bangen um ihr Geld. Welche Möglichkeiten bleiben ihnen?

+++ Update +++ Die Staatsanwaltschaft München I hat Anklage gegen Firmengründer Heinz Roth erhoben. Sie wirft ihm gewerbsmäßigen Betrug in 414 Fällen vor +++

Container als Investitionsmodell

Die Unternehmensgruppe P&R hat als Anlagemodell Container an private Investoren verkauft. Ihnen wurde der Rückkauf am Ende der Vertragslaufzeit zum Zeitwert in Aussicht gestellt. P&R vermietete die Stahlboxen dann an Leasinggesellschaften weltweit. So kamen die Investoren an regelmäßige Mieteinnahmen.

Das Finanzprodukt hatte scheinbar jahrzehntelang funktioniert und wurde von seriösen Anlageberatern sowie Banken, wie zum Beispiel den Volksbanken, angeboten.

Was ist schiefgelaufen?

Über die Jahre hat P&R jedoch offenbar die Kontrolle über Containerbestände und Finanzströme verloren. Es entstand ein riesiges Schneeballsystem: Mit dem Geld neuer Investoren wurden keine neuen Container gekauft. Stattdessen wurde es benutzt, um alte Verbindlichkeiten gegenüber anderen Investoren zu begleichen.

Schon seit 2007 hat P&R Seefrachtcontainer, die es gar nicht gab, an Investoren verkauft. Über die Jahre vergrößerte sich das Loch in der Kalkulation immer weiter. Zuletzt hätte das Unternehmen über 1,6 Millionen Container verfügen müssen - tatsächlich waren es jedoch nur 618.000.

Schiffscontainer

P&R hat viel mehr Container an Anleger verkauft, als tatsächlich im Bestand waren.

P&R-Insolvenz

Erst gut 10 Jahre später fiel der Schwindel auf. Im Frühjahr 2018 mussten die wichtigsten Gesellschaften der Unternehmensgruppe Insolvenz anmelden. Betroffen sind gut 54.000 Anleger; es geht um etwa 3,5 Milliarden Euro - es ist einer der größten Anlageskandale Deutschlands.

Hier veröffentlicht das Insolvenzgericht Beschlüsse zu laufenden Verfahren.

Was können Betroffene tun?

Auf der Internetseite von P&R beantwortet das Unternehmen häufige Fragen.

Der Insolvenzverwalter sollte bereits alle bekannten Gläubiger angeschrieben haben. Diese sollten bis zum 14. September 2018 ein Formular zur Forderungsanmeldung ausgefüllt haben.

Darüber hinaus sollten Betroffene prüfen lassen, ob sie bei Abschluss der Anlage falsch beraten wurden. Möglicherweise bestehen Schadensersatzansprüche gegenüber dem Finanzberater. Hierbei hilft Ihnen die Verbraucherzentrale.

Wenden Sie sich nach Möglichkeit an einen auf Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisierten Anwalt.

Zusätzlich können Sie Ihr Problem dem Marktwächter Finanzen melden. Bei dem Projekt beobachten und analysieren die Verbraucherzentralen den Finanzmarkt aus Sicht der Verbraucher.

Generell raten die Verbraucherzentralen zu Vorsicht bei Geldanlagen auf dem sogenannten Grauen - also nicht reglementierten - Kapitalmarkt. Anlageprodukte dieser Art locken mit hohen Renditen, bergen aber große Risiken. Ihr Verkauf unterliegt kaum Kontrollen und Regeln; die Produkte sind weder auf dem organisierten Kapitalmarkt, noch im Börsenhandel zu finden. Auch die Stiftung Warentest hat bereits Ende 2017, vor Bekanntwerden des P&R-Skandals, fast alle damals aktuellen Container-Investment-Angebote als mangelhaft bewertet.


Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder

Filmautora: Goran Markovic-Schomburg | Online: Sola Hülsewig
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