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SENDETERMIN Di, 23.4.2019 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Gefahr durch Zecken FSME- und Borreliose-Erkrankungen nehmen zu

Die Zahl der von Zecken übertragenen Krankheiten wie FSME und Borreliose steigt seit Jahren rapide an. Wie kann man sich schützen? Wovor schützt eine Impfung und was gilt es dabei zu beachten? Wie entfernt man Zecken richtig? Und wo liegen die Risikogebiete?

Zecken lauern entgegen mancher Meinung nicht auf Bäumen, sondern eher im hohen Gras oder auf kleinen Büschen. Inzwischen findet man sie auch in vielen Gärten und auch in Stadtgebieten. Sie springen ihre Opfer nicht an, sondern krallen sich beim Vorbeigehen fest. Dann stechen sie mit ihrem Saugrüssel durch die Haut und trinken Blut. Das bemerkt man jedoch nicht sofort, da die Zecke zuvor die Haut betäubt.

Studien zeigen außerdem, dass die Spinnentiere sehr widerstandsfähig sind. Zum Beispiel überleben sie im Haus noch bis zu 14 Tage lang auf der Suche nach einem Wirt und auch ein Waschgang bei 40 Grad in der Waschmaschine macht Zecken nichts aus

Begriffsverwirrung: Biss oder Stich?
Zecken besitzen einen Stech- und Saugapparat. Dieser besteht einerseits aus zwei scherenartigen Mundwerkzeugen (Cheliceren), mit denen die Zecken die Wirtshaut aufschneiden/-reißen, und andererseits aus dem Hypostom zum Stechen. Zeckenstich ist daher der zutreffende Begriff.

Zecken richtig entfernen

Hat man eine Zecke auf der Haut entdeckt, sollte man nicht überstürzt handeln. Trotzdem drängt die Zeit, Zecken sollten schnellstmöglich entfernt werden.

Im Darm der Zecke sitzen die Borrelien. Wenn man die Zecke beim Herausziehen quetscht, dann drückt man den gesamten Darminhalt samt Borrelien in den Körper des Gestochenen. Das sollte vermieden werden. Die Borreliose-Bakterien benötigen in der Regel rund 24 Stunden vom Darm der Zecke bis ins Blut des Opfers. Wird die Zecke vorher entfernt, besteht kaum Ansteckungsgefahr.

Die FSME-Viren dagegen werden direkt beim Stich übertragen, da sie nicht im Darm sondern im Speichel der Zecke sitzen. Deshalb ist Schnelligkeit beim Entfernen wichtig und eine zeitnahe und gründliche Desinfektion der Wunde.

2018 wurden nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bundesweit 583 FSME-Erkrankungen registriert. Das sind fast 100 Fälle mehr als ein Jahr zuvor und zugleich die höchste Zahl, seit Einführung der Meldepflicht 2001.

Die folgenden Tipps der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) helfen dabei:

  • Entfernen Sie die Zecke möglichst rasch mit einer Pinzette oder einem speziellen Zeckenentfernungsinstrument.
  • Fassen sie die Zecke im Kopfbereich so nah wie möglich an der Haut (niemals am vollgesogenen Körper!).
  • Ziehen Sie die Zecke vorsichtig und mit gleichmäßigem Zug gerade heraus.
  • Achten Sie darauf, dass die Zecke nicht gequetscht wird. Hierdurch könnte mit Krankheitserregern infizierter Speichel oder Darminhalt vermehrt oder schneller übertragen werden.
  • Bedecken Sie die Zecke keinesfalls mit Öl, Klebstoff oder Nagellack. Auch dies erhöht das Risiko einer vermehrten oder beschleunigten Übertragung von Krankheitserregern.
  • Desinfizieren Sie die Wunde nach Entfernen der Zecke sorgfältig und lassen Sie die Einstichstelle gegebenenfalls von Ihrem Arzt untersuchen.
  • Suchen Sie auf jeden Fall eine kinderärztliche Praxis auf, wenn Ihr Kind nach einem Zeckenbiss allgemeine Krankheitszeichen wie Fieber, Abgeschlagenheit, Kopf- und Muskelschmerzen, Abgeschlagenheit zeigt. Auch bei Erwachsenen ist ein Arztbesuch ratsam. Charakteristisch für eine Borrelien-Infektion ist daneben auch in etwa 90 Prozent der Fälle die sogenannte Wanderröte, eine sich ringförmig ausbreitende Rötung mit blassem Mittelfeld, die an der Einstichstelle, aber auch an anderen Körperstellen auftreten kann.

Zecken als Krankheitsüberträger

Ungefähr 30 bis 35 Prozent aller Zecken tragen Borrelien in sich und bis zu 5 Prozent die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Aber: Nicht jeder, der von einer infizierten Zecke gestochen wird, erkrankt auch.

Problemtisch ist, dass man Zeckenbisse häufig gar nicht gleich bemerkt. Spätere Krankheitssymptome bringt man dann nicht mehr unbedingt mit einer Zecke in Verbindung und Ärzte tun sich oft schwer mit der richtigen Diagnose.

Borreliose - eine weit verbreitete Infektion

Jede dritte Zecke ist beispielsweise mit dem Borreliose-Erreger, einer Bakterienart, infiziert. Experten rechnen mit über 100.000 Betroffenen jährlich.

Durch Borreliose-Infektion verursachte sogenannte Wanderröte

Die "Wanderröte" ist ein typisches Kennzeichen einer Borreliose-Infektion.

Die Diagnose ist oft schwierig, denn gerade die Anfangsbeschwerden ähneln oft denen einer Grippe. Und die Symptome einer Borreliose-Infektion nach einem Zeckenstich sind nicht immer gleich. Eine kleine Haurötung an der Stichstelle ist beispielsweise oft ein Anzeichen für eine Borreliose. Doch nicht immer kommt es zu dieser sogenannten Wanderröte (Erythema migrans) und einige der Borreliose-Symptome treten erst Monate oder Jahre später auf. Die Borrelien können zudem auch unspezifische Symptome wie beispielsweise Fieber oder Müdigkeit hervorrufen. Die schnelle Entdeckung der Borrelien-Infektion ist jedoch wichtig, da die Infektion zu Spätschäden am Gehirn und an den Nerven führen kann.

Impfung gegen FSME

Während es gegen Borreliose wirksame Antibiotika gibt, sieht es bei einer FSME-Erkrankung mit den Heilungschancen eher düster aus. Der einzig wirksame Schutz ist eine FSME-Impfung. Sie gilt als gut verträglich und wird von den Kassen bezahlt. Im Südwesten empfehlen die Gesundheitsbehörden die Impfung dringend. Es gilt also Impfrisiken gegen den Schutz abzuwägen, wenn man in einem Risikogebiet lebt oder dort Urlaub machen will. Und zu den Risikogebieten zählt fast ganz Baden-Württemberg sowie Teile von Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

Karte des Robert Koch Instituts (RKI) zur Verbreitung von FSME in Deutschland

Karte des Robert Koch Instituts (RKI) zu den FSME-Risikogebieten 2019 in Deutschland

Schutz vor Zeckenstichen

Da eine Impfung nur gegen FSME, nicht aber gegen Borreliose möglich ist, sollten Sie Zeckenstiche nach Möglichkeit vermeiden. Die Tipps der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) helfen dabei:

Filmautor: Patrick Hünerfeld | Online: Dorothée Panse
© SWR Marktcheck


aus der Sendung vom

Di, 23.4.2019 | 20:15 Uhr

SWR Fernsehen

MARKTCHECK-Gesundheitsexperte Dr. Lothar Zimmermann

MARKTCHECK klopft ab

Gesundheitstipps von Dr. med. Lothar Zimmermann