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Fremdenfeindliche Propaganda in Zügen Rechte Flyer in Bahn-Magazine geschmuggelt

Nach SWR-Informationen legen Unbekannte derzeit gezielt Werbeflyer der rechtsgerichteten Zeitung "Junge Freiheit" in das Magazin "DB Mobil". Die Deutsche Bahn hat rechtliche Schritte veranlasst.

XXX In dem Faltblatt mit dem Titel "Die Asyl-Krise: Die Wahrheit über das Asyl-Chaos" wird Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht. Hinter dem Flyer mit fremdenfeindlichen Inhalten steckt der Verlag Junge Freiheit aus Berlin, der die gleichnamige rechtsgerichtete Wochenzeitung herausgibt. Interessenten können das Faltblatt kostenlos über den Verlag beziehen.

Magazin "DB Mobil" mit fremdenfeindlichen Flyern bestückt

In mehreren Zügen in Baden-Württemberg wurde der Flyer offenbar ganz gezielt in das Kundenmagazin "DB mobil" gesteckt, so dass der Eindruck entsteht, dass es sich um eine offizielle Werbebeilage handelt. Auf Nachfrage des SWR reagierten die Verantwortlichen der Bahn geschockt, die unerlaubte Verteilung der Broschüren beschädige den Ruf der Deutschen Bahn. In einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber dem SWR heißt es, Unternehmen und Redaktion "distanzieren sich ausdrücklich von der Botschaft und der Weltanschauung", die dort verbreitet werden. DB und DB Mobil stünden für "Weltoffenheit und eine tolerante Gesellschaft".

Nach Hinweisen der Bahn hat eine Verlagstochter von Gruner und Jahr, die presserechtlich für das Magazin verantwortlich ist, Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Die Bahn hat ihr Zugpersonal - vor allem in Baden-Württemberg - um erhöhte Wachsamkeit gebeten. Der Sprecher der Jungen Freiheit, Bastian Behrens, teilte inzwischen auf SWR-Anfrage mit, die Flyer würden nicht im Auftrag des Verlags verteilt. In den Broschüren würden nur Fakten und zulässige Meinungen verbreitet. Er erwarte daher keine strafrechtlichen Folgen durch den Strafantrag.

Fragen an SWR-Wirtschaftsredakteur Uwe Bettendorf, er hat die Geschichte aufgedeckt

Wie ist es zu der Entdeckung gekommen?

Die Zeitung "Junge Freiheit".

Die Bahn distanziert sich von fremdenfeindlichen Flyern rechter Gruppierungen.

Ich war im Zug unterwegs, von Stuttgart nach Karlsruhe, da ist mir in der Bahn-Zeitschrift "DB Mobil" dieses Faltblatt in die Hände gefallen. Darin heißt es: Europa wird nicht von Flüchtlingen, sondern von Arbeits- und Sozialmigranten überschwemmt. Wir importieren die Verfolgung von Christen - und so weiter, wir kennen diese Parolen. Ich hab mir das angeschaut und gedacht, das passt nicht zu einem bundeseigenen Unternehmen. Aber vielleicht hat das einfach jemand in die Zeitschrift reingesteckt.

Ich bin aber misstrauisch geworden, habe mir deshalb im nächsten Zug von Karlsruhe in Richtung Zürich mehrere dieser Magazine besorgt und bin fündig geworden. In jeder Ausgabe war dieser Flyer und dann war mir klar, dass kann kein Zufall mehr sein kann. Ich muss mal bei der Bahn nachfragen, ob die darüber Bescheid wissen und wer dafür verantwortlich ist.

Wie hat die Bahn reagiert?

Die Verantwortlichen waren regelrecht geschockt, auch empört, weil dadurch selbstverständlich der Ruf des Unternehmens beschädigt werden kann. Es gab bereits einen Fall, der in Berlin bekannt war. Außerdem ist in einem Zug von Baden-Württemberg Richtung Schweiz dieses Faltblatt aufgetaucht.

Aber die Stichprobe, die ich selbst an Bord gemacht habe, hat eine größere Dimension deutlich gemacht. Die Bahn hat sich in einer Stellungnahme gegenüber dem SWR klar distanziert von der Botschaft und der Weltanschauung, die in diesem Faltblatt verbreitet werden. DB und DB Mobil stünden für "Weltoffenheit und eine tolerante Gesellschaft".

Nach Hinweisen der Bahn hat eine Verlagstochter von Gruner und Jahr, die presserechtlich für das Magazin verantwortlich ist, Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Die Bahn hat ihr Zugpersonal - vor allem in Baden-Württemberg - um erhöhte Wachsamkeit gebeten.

Steckt hinter dieser Faltblatt-Aktion eine groß anlegte Kampagne oder handelt es sich um Einzelfälle?

Schwer zu sagen. Bisher scheint es sich nur um Einzelfälle zu handeln, sonst hätten sich vermutlich schon mehr Bahnkunden beschwert, oder es hätte entsprechende Hinweise vom Zugpersonal gegeben. Denkbar wäre auch, dass Mitarbeiter der DB dahinter stecken, wobei das jetzt wirklich reine Spekulation ist. Ich will hier niemanden verdächtigen.

Die Vorgehensweise ist jedenfalls bemerkenswert: Dass eben diese Faltblätter ausgerechnet in die Zeitschrift "DB Mobil" gesteckt werden, die in den Zügen ja gerne und häufig gelesen wird. Man weiß von rechten Gruppierungen, dass sie ihre Botschaften möglichst breit streuen wollen - und genau deshalb läuten bei den Verantwortlichen der Bahn jetzt auch die Alarmglocken.

Online: Heidi Keller